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KC-Blätter · 1915-09-01 · Heft 7 (September 1915) · p. Seite 468

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Journal
KC-Blätter
Volume
1915-1916
Issue
Heft 7 (September 1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 468 (sequence 6)
Language
German
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468 mehr zu seiner Verbindung kommen konnte, so gehörte sein Herz doch ihr. Ihr widmete er auch noch kurz vor Kriegsausbruch ein wunderbares Buch, das die ganze Geschichte des Bundes verkünden sollte, das reden sollte von Freud und Leid, wie es die Verbindung erleben würde. Nun mutz es vom ersten Leid berichten, das die Verbindung betroffen: Fritz Ehrlich, ihr Gründer, ist tot. Gleich zu Kriegsbeginn trat er in das Regiment seiner Vaterstadt ein und rückte bereits im September als kriegsfreiwilliger Füsilier ins Feld. Dort machte er bis zum beginnenden Winter den Feldzug in Frankreich mit und kam dann nach Rußland, wo er sich bei den ungeheuren Märschen ein Futzleiden zuzog, das er im Lazarett heilen wollte. Langsam genas er wieder und wurde gleich nach' seiner Ankunft kurs kommandiert, den er als Vizefeldwebel verliest. Anfang Juli zog er wieder ins Feld. Fritz Ehrlich ahnte, daß er fallen würde. Er hat allen auf ewig Lebewohl gesagt, als er zum zweiten Mal auszog. Leider hat er Recht behalten. Noch acht Tage vor seinem Tode sandte er mir eine lustige Postkarte und gab seiner Freude Ausdruck, wie sehr die Russen davonliefen, und daß es nun doch bald Frieden werden würde. Ja, der Friede kam, aber bis jetzt leider nur für ihn. Am 14. August wurde er schwer verwundet und starb noch am selben Tag den Heldentod. Wir wollen aufrichtig um ihn trauern, um unfern lieben Ehrlich, denn er war einer unserer Or. Lothar Dessauer. (Saxo-Bavariae.) Joseph Neustadt. (Thuringiae.) Wie durch ein Verhängnis scheint der Krieg gerade die Besten als Opfer von uns fordern zu wollen. Diese Empfindung, welche uns schon so häufig überkommen wollte, so sehr wir uns auch innerlich dagegen sträubten, drängte sich uns von neuem uno rat verstärkten Maße auf, als uns die Nachricht traf, daß auch Joseph Neustadt gefallen sei. Nur einem engeren Kreise der Verbandsbrüder wird es möglich sein, die Schwere des Verlustes zu ermessen; denn so sehr er an den Zielen und Bestrebungen unseres Verbandes gehangen hat und jederzeit zu tätiger Mitarbeit bereit war, so lag es doch nicht in seiner Art, seine Person in den Vordergrund treten zu laffen. Geschätzt und beliebt bei allen seinen Bundesbrüdern konnte er bei der vornehmen Zurückhaltung, die er stets bewahrte und die seinem innersten Wesen entsprang, dem vollen Werte seiner Persönlichkeit nach nur von den wenigen richtig gewürdigt werden, die ihm im Laufe der Zeit innerlich nahe getreten waren und denen er sich dann ganz erschloß. Ein reiches Innenleben, vornehmstes, zartestes Empfinden paarte sich bei ihm mit hoher Intelligenz und tiefem umfassenden Wissen. Begeistert von seiner Wissenschaft, der physikalischen Chemie, war doch von Beginn seines Studiums an sein Bestreben darauf gerichtet, nicht in einseitiger Fachausbildung aufzugehen, sondern sich eine allseitige, umfaffende Bildung — insbesondere auf allen Gebieten der Naturwissenschaft — zu erwerben, die ihn befähigte, die Ergebnisse seiner Wissenschaft in Verbindung mit den letzten Fragen menschlichen Erkennens zu setzen. Schon in jungen Jahren veröffentlichte er in Gemeinschaft mit seinem Lehrer, dem früh verstorbenen Professor Abegg in Breslau, wissenschaftliche Arbeiten von bleibendem Wert. Nach dem äußeren Abschluß seines Studiums begab er sich zur weiteren Ausbildung an die Technische Hochschule in Karlsruhe, wo er sich dem hervorragenden Forscher auf dem Gebiete seiner Wissenschaft, Professor Haber, anschloß. Nach mehrjähriger praktischer Tätigkeit als wissenschaftlicher Leiter einer größeren chemischen Fabrik kehrte er zu theoretischer Arbeit wieder zurück, als Haber, der inzwischen zur Leitung des neu gegründeten Kaiser- Wilhelm-Justituts für physikalische Chemie in Berlin-Dahlem berufen worden war, ihm eine Stelle als Mitarbeiter an dieser Anstalt antrug. Seine Leistungen und Fähigkeiten fanden hier vollste Anerkennung. Daher suchte auch Professor Haber, trotzdem Neustadt einige Zeit vor Kriegsausbruch seine Tätigkeit am Kaiser-Wilhelm- Jnstitut aufgegeben und eine Stellung bei der Auer-Gesellschaft übernommen hatte, ihn zu den wissenschaftlichen Krieasarbeiten, mit denen er sich im Aufträge der Reichsregierung beschäftigte, heranzuziehen, was nur durch Neustadts Tod verhindert wurde. Im Verkehr mit seinen Freunden war Neustadt von herzerfrischender Aufrichtigkeit und Natürlichkeitseine Anhänglichkeit an Menschen, die er einmal liebgewonnen hatte, war rührend. Wie schön waren die Stunden, die man mit Joseph Neustadt verbrachte! Alle seine Neigungen zeugten von dem höchsten Verständnis, das Leben in dem alleredelsten Sinne des Wortes zu genießen. Er fand Freude vor allem an den Schönheiten der Natur: wenn er im Winter mit seinen Skiern ins Gebirge konnte, oder wenn er im Sommer mit Freunden auf seinem kleinen Boot einen ganzen Sonntag auf dem Wasser verbringen durfte, oder in herrlichen Wanderungen

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