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KC-Blätter · 1915-07-01 · Heft 6 (Juli 1915) · p. Seite 448

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 6 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
Seite 448 (sequence 25)
Language
German
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448 den wahnsinnigen Kaiser Caligula, der die seltsamen Juden, die ihn nicht als Gott verehren wollten, gar nicht verstehen konnte, endete mit einer schnöden Farce. Ein national-religiöser Haß gegen die Juden, die durch Aberkennung des Bürgerrechts außerhalb der Gesellschaft gestellt waren, hatte in Alexandria Wurzel geschlagen. Wenn irgendwo im Altertum, kann man dort etwas wiederfinden, was dem modernen Antisemitismus einigermaßen vergleichbar ist. Anders erklären sich die Ausbrüche anläßlich des großen Aufstands gegen Rom und die Haltung nach dem Zusammenbruch der Erhebung. Die römische Prokuratorenwirtschaft mit den bekannten Schäden des Willkürsystems römischer Provinzialverwaltung war für die Juden in Palästina um so drückender, weil die Prokuratoren dem religiösen Empfinden der Juden verständnislos gegenüberstanden oder es geradezu freventlich verletzten. Die griechischen Städte in dem Gebiete waren autonom, und bei der feindseligen Haltung der Prokuratoren gegen die Juden ist es nicht verwunderlich, daß nach dem Vorgänge Alexandrias die Frage des Bürgerrechts der Juden in verschiedenen Städten aus's Tapet gebracht wurde. Es war geradezu die Politik der römischen Provinzialverwaltung, Juden und Griechen in ständiger Feindschaft zu erhalten, und die Juden, denen zahlreiche Privilegien verliehen waren, nach Möglichkeit zurückzudrängen. Als der Aufstand ausbrach, folgte in den griechischen Städten ein Judengemetzel dem andern, den Römern durchaus erwünscht und zweifellos von ihnen begünstigt, wenn nicht gar veranlaßt, um den Aufständischen wertvolle Unterstützungskräfte zu entziehen. Es wiederholte sich, was sich zur Zeit des Antiochos Epiphanes abgespielt hatte, auch hier nicht sowohl aus religiösen oder Rassemotiven, sondern aus politischen Beweggründen. Eine vollständige Wandlung brachte aber die Niederwerfung des Aufstands. Der Tempel war zerstört, damit hatte nach römischer, überhaupt nach antiker Auffassung das Judentum aufgehört. Ein Volk, das keinen Gott hat, ist dem antiken Menschen nicht denkbar. Und mit der Zerstörung von Heiligtum und Götterbild ist die Gottheit vernichtet. Und nun wurde für die Juden im römischen Reich ein Sonderrecht geschaffen. Es wurde ihnen trotz allem erlaubt, bei ihrer Religion zu bleiben, ohne die Reichsgötter verehren zu müssenaber an diese Erlaubnis wurde die Zahlung einer Lizenzgebühr geknüpft, zu der jeder Jude und jeder zum Judentum Uebertretende verpflichtet war. Diese Ju densteuer, die für alle mittelalterlichen Einrichtungen ähnlicher Art den Ausgangspunkt bildet, stellte die Juden unter Ausnahmerecht. Der Boden war bereitet durch diese politische Maßregel für die differentielle Behandlung der Juden durch die Bevölkerung. Es ist erstaunlich, daß, wie Juvenals Spott beweist, trotzdem noch immer Proselyten zum Judentum übertreten, aber es ist erklärlich, daß viele Heiden mit monotheistischen Neigungen sich dem Christentum zuwandten, daß eben jetzt seine Trennung vom Judentum vollzog, und ebenso erklärlich, daß die Juden nur mit Ingrimm diese Ausnahmestellung ertrugen und sich der Steuer in jeder Weise zu entziehen suchten. Die Freiheitssehnsucht und die messianischen Hoffnungen führten im zweiten und vierten Jahrzehnt des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts zu den aus ähnlichen Ursachen entstandenen Judenaufständen. Mit wilder Gratlsamkeit warfen sich die Juden auf die griechische Bevölkerung in Kyrene und auf Cypern, in Strömen Bluts wurde der Aufstand unterdrückt. Zum zweiten Male wurden die Juden unter ein Ausnahmegesetz gestellt, indem ihnen das Betreten der Insel Cypern bei Todesstrafe verboten wurde. Ein ähnliches Ausnahmegesetz erließ Hadrian nach der Niederwerfung des Barkochbaaufstands in dem Verbot des Betretens Jerusalems, auf desien Boden eine römische Militärkolonie errichtet wurde, zu der sonst jedermann Zutritt hatte. Hadrian wollte die aufrührerischen Neigungen der Juden von Grund aus ausrotten und erklärte die jüdische Religion zum Staatsverbrechen. Die drückendsten Bestimmungen wurden zwar von seinem Nachfolger außer Kraft gesetzt, aber z. B. die Beschneidung nur für die als Juden Geborenen gestattet. Der Uebertritt zum Judentum blieb verwehrt, die Stellung des Judentums war arg herabgedrückt. Aber das war die Folgewirkung rein politischer Maßnahmen. Daß die römischen Schriftsteller dieser Jahrzehnte den Juden nicht günstig gegenüberstehen, ist nur zu natürlich. Das gilt ganz besonders von Tacitus, dessen romantisches Ideal die Wiederherstellung des alten Römertums war. Ihm war alles Nichtrömische in Religion und Sitte zuwider. Es ist selbstverständlich, daß er dem Judentum von vornherein ablehnend und ohne inneres Verständnis gegenüberstand. Zu den alten Fabeln fügt er einige andere, jedenfalls auf Grund griechischer Quellen, an, Sabbattag und Sabbatjahr sind ihm ein Beweis für die Faulenzerei der Juden, ein seltsames Urteil in dem Munde eines Römers, der schwere Arbeit unter seiner Würde hielt, weil sie Sache des Sklaven war. Wie des Tacitus feindselige oder etwa 20 Jahre früher des Josephus apologetische Darstellung des Judentums auf die nichrjüdischen Kreise gewirkt hat, ist nicht erkennbar, die jüdischen Aufstände unter Trajan und Hadrian und

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