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KC-Blätter · 1915-07-01 · Heft 6 (Juli 1915) · p. Seite 446

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 6 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
Seite 446 (sequence 23)
Language
German
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446 Vorzüge an. Er ist eben der innerlich unbeteiligte Grieche, während Manethos Feder durch den Wunsch der Verherrlichung deS eigenen Volkstums geführt wurde. Das Ganze ist lediglich literarisch und letzten Endes durch die apologetische Tendenz heroorgerufen, einer Geschichtsauffassung entgegenzutreten, die aus Grund der in der hellenistischen Welt weit verbreiteten Darstellung des Hekataios eine Epoche der ägyptischen Vergangenheit in wenig günstigem Lichte erscheinen ließ. Freilich, die ungünstige Wirkung blieb nicht auS, als die Kluft zwischen Judentum und Hellenismus sich erweitert hatte und mancherlei Atomente dazu beitrugen, in Aegypten Gehässigkeit gegen die Juden zu erregen. Aus dem Boden Palästinas führten die innerjüdischen um die Stellung zum Hellenismus und die inneren Verhältnisse des Seleukidenreiches, das durch den unglücklichen Krieg gegen Rom die Todeswunde erhalten hatte, an der es langsam dahinsiechte, zur Religionsverfolgung und zum Aufstand. Antiochos Epiphanes, dieses Gemisch von politischer und militärischer Grütze und Absurdität, hat den Köntgsgedanken einer Wiedergeburt des aus zahllosen Nationen und Natiönchen, die durch nichts zusammengehalten waren, bestehenden Syrerreiches erfatzt. Auf der Grundlage der hellenistischen Kultur wollte er es zu einer Einheit zufammenschweitzen. Aber er war wohl der Mann, einen solchen Gedanken zu fasten, nimmermehr aber ihn durchzuführen. Die Kleinheit seiner Seele mutzte ihm auf Schritt und Tritt Hindernisse bereiten, und die grotze Aufgabe satzte er mit täppischer Hand schaülonierend an und verscherzte sich selbst die Lösung. Seine Gewaltmaßregeln gegen die jüdische Religion trieben schließlich die Juden zum Aufstand, die Entwickelung zwang zur Fortführung des Kampfes, nachdem das Ziel, die religiöse Sicherung, erreicht war. Das religiöse und das nationale Selbstbewußtsein der Juden erstarkte, um Tempel und Tempeldienst gruppierte sich in dem unabhängigen jüdischen Staat nicht nur das religiöse, sondern auch das nationale Leben. Die Juden waren eilte Atacht geworden, die in der Geschichte der Auflösung des syrischen Reiches eine hervorragende Rolle spielte. Das veränderte ihre Stellung m der nichtjüdischen Welt von Grund aus. Denn dieses Volk hatte außerhalb des Mutterlandes nicht nur an den Grenzen der hellenistischen Welt in Babylonien eine Kolonie, sondern im Lause eines knappen Jahrhunderts war in der ganzen griechischen Welt kaum eine Stadt von Bedeutung, in der nicht jüdische Bewohner zu finden waren. Die religiös-nationale Zwitterstellung der damaligen jüdischen Diaspora mußte eigenartig auf die hellenistisch-römische Welt einwirken. Die wilden Ausbrüche des Hastes der kleinen Nachbarvölker zur Zeit der Religionsverfolgung und des Aufstands können außer Betracht bleiben. Sie sind die natürliche Wirkung der politischen Verhältnisse. Die Duodezstaaten und Stämme stürzten sich auf das von dem Lehnsherrn geächtete Völkchen in der Hoffnung, aus seinem Untergang Vorteil zu ziehen. Es blieb in jenem Gebiete der Neid gegen das jüdische Reich, desten Fürsten eine unruhige expansive Politik trieben. Unter dieser Abneigung hatten dann natürlich auch die jüdischen Bewohner griechischer Städte im syrischen Reiche gelegentlich zu leiden. Dazu kam die oben skizzierte Veränderung der Stellung und das lebhaft erwachte Selbstbewußtsein der Juden, das seinen Ausdruck in einer umfangreichen literarischen Produktion in griechischer Sprache fand. Es bleibe hier ununtersucht, inwieweit diese literarische Produktion, die alles Große in Wissenschaft und Kultur auf jüdische Quellen zurückführte, die Reaktton gegen Darstellungen von der Art Manethos gewesen ist oder ihrersetts solche Darstellungen als Reaktion hervorgerufeil har. Die Wirkung dieser jüdischen Literatur konnte eine zweifache sein. Entweder mußte Bewunderung oder feindselige Haltung gegenüber dem Judentum erweckt werden. Denn die Stellung des Judentums hatte sich auch insofern verändert, als man allerorten Juden sah und Gelegenheit hatte, jüdische Bräuche zu beobachten und dennoch bei der Fremdartigkeit dieser Sitten und Gebräuche diesen selbst, wie dem Judentum überhaupt, verständnislos gegenüberstand. Es ist allgemein bekannt, daß griechische und römische Schriftsteller eine hervorragende Unkenntnis der einfachsten jüdischen Bräuche zeigen, z. B. berichten, daß die Juden am Sabbat fasten, daß sie Fische, die Schuppen und Flossen haben, nicht genießen u. dgl. m. Es liegt in der menschlichen Natur, daß jeder, der in Anschauung und Lebensführung offenkundig von der großen Menge abweicht, mit einem gewiffen Mißtrauen, ja mit Abneigung betrachtet wird. Namentlich Abweichungen im religiösen Leben werden, weil sie das eigene Empfinden tief berühren, mißtrauisch angesehen. Nun war allerdings das Griechentum wie alles Heidentum in gewiffer Hinsicht religiös tolerant, sein weiter Götterhimmel bot Raum auch für zahlreiche bisher unbekannte Götter, und die zunehmende Nnterwühlung des alten griechisch-römischen Götterglaubens, die infolgedeffen gesteigerte Sehnsucht nach religiöser Befriedigung des Gemütes, ließ Mysterien und Mysterienkuttezum Teil schlimmster Art Eingang finden. Aber das Judentum war anders als alle diese orientalischen Mysterienkulte. Da war ein Punkt, in dem die Griechen so intolerant waren, wie in späterer Zeit nur die

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