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KC-Blätter · 1915-07-01 · Heft 6 (Juli 1915) · p. Seite 435

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 6 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
Seite 435 (sequence 12)
Language
German
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435 sei noch hinzugefügt, daß diese Form das Büchlein leicht lesbar inacht, und in seinem ersten Teile ist es sicherlich eine ausgeichnete kurze Orientierung für jeden, der den Raffenproblemen ferner steht. — Was nun Kautsky über Judentum und Zionismus sagt, ist weit weniger zu schätzen. Er ist gewiß unser Freund, aber er gehört zu jener berühmten Art, vor der man gern geschützl sein will. Er glaubt und hofft — übrigens teilen anch viele liberale Judenfreunde seinen Standpunkt — daß die Judenfrage an» besten auf der» Wege einer restlosen Assimilation, der selbst die Religion anheiinfälll, gelöst werden könne. Daß er von» Werte unseres Glaubens und seiner Lehre, von unserer geistigen und seelischen Kraft und Würde, von unserem Lebenswillen und unserem Zukunftshoffen, also von den vielen idealen Gütern der Judenheit nichts weiß oder wissen will, wollen wir dem Propheten des historischen Materialismus noch hingehen laffen, daß er aber von dein Rechte unserer Gemeinschaft, die doch gewiß hervorragende Kulturwerte hervorgebracht hat, auf Leben und Zukunft nicht durchdrungen ist, bedeutet eitlen traurigen Beweis dafür, daß auch die größten Köpfe plötzlich alle ihre sonstigen politischen und wissenschaftlichen Grundsätze radikal vergessen, daß sie die Schauklappen einer törichten und unverständlichen Befangenheit anlegen, sobald es sich „nur" unr Juden handelt. Völlig unrichtig sind auch seine Anschauungen vom Zionisntus, dessen Bezieaen zur Raflentheorie er stark überschätzt. Von den en Gedanken und Zielen des Nationaljudentums, die man wohl bekämpfen kann, aber nicht abzuleugnen vermag, schweigt er ganz. Das physische und psychische Judenelend, aus dem der Zionismus einen — nach unserer Ansicht gewiß falschen utld verderblichen — Rettungsweg zeigen will, tut er mit einigen nebensächlichen Sätzen ab. Und wenn auch die Beziehungen zwischen der nationalen Idee und der Raflentheorie unverkennbar sind, so ist es doch grundfalsch, beide miteinander stehen und fallen zu laffen. Die heutige Raffcnanschauung hat nur die Form einer Bewegung bestimmt, deren Entstehung aus dem Zusammenwirken von Juden- »lot und dem Schwinden der Religiösität unverkennbar ist, die ohne Raflentheorie eben in anderer Gestalt erschienen wäre, weil sie kommen mußte. Diese falsche Grundlage ist natürlich die Ursache, daß Kautkys Urteile über den Zionismus — trotz mancher richtigen Einzelheit — auf derselben Höhe stehen wie seine Meinungen über das Judentum. — Des großen Forschers Meinungen über unsere Gemeinschaft laffen sich dahin zusammenfaffen, daß er die vorwärts drängenden „revolutionären" Juden von der Last des reaktionären Judentums erlösen möchte Nun ist es noch immer eine Forderung der persönlichen Freiheit gewesen, der auch Kautsky zustimmen wird, daß der Patient selbst vor der Operation gefragt wird. Und wenn der Patient seine Meinung äußern darf, wird Kautsky über die 'Antwort staunen. Ob er sich an Liberale, Konservative, Orthodoxe, Zionisten oder sonst irgendwelche Vertreter bewußten Judentums wendet, überall wird er lebensfreudiges Zukunftshoffen und die felsenfeste Ueberzeugung von der Kraft und der Aufgabe des Judentums finden. Recht anmaßend behauptet er aus der Fülle seiner Vorurteile und seiner Unkenntnis jüdischen Wesens heraus: „Wir sind nicht völlig aus dem Mittelalter heraus, solange das Judentum noch unter uns existiert." Wir aber, gestützt auf die Erfahrung der Jahrtausende, dürfen getrost sagen: Nie wird die Welt aus dem Mittelalter herauskommen, solange nicht das Judentum als Träger der höchsten sittlichen und sozialen Menschheitsldeen eine freie und achtunggebietende Stellung einnimmt, eine geistige Macht bedeutet" F. G.-Thur. Die Ueberlegenheit der germanischen Rasse. Zeitgemäße Betrachtungen von Ludwig Wilser. Verlegt bei Strecker & Schrveder in Stuttgart. 1915. Es erscheint merkwürdig, datz in der Kriegsliteratur Schriften sich finden, die den Charakter eines Volkes durch Raffeneigentümlichkeiten zu erkläre»» suchen. Denn gerade mit den Raffetheorien hat doch der Krieg gründlich gebrochen. Man hat gesehen, daß die Konstellation der Mächte in der Weltgeschichte nicht bedingt »vird durch das Gefühl irgendeiner Blutsverwandtschaft, sondern datz lediglich die nationalen Interessen ausschlaggebend sind. Gezeigt hat sich ferner, daß die Lebensauffassung gewisser Völker, die nach den Lehre»» der Raffenpropheten als nahe verivandt zu bezeichnen sind, durchaus verschieden ist. Ludlvig Wilser »vill in feiner kleinen Abhandlung, die die Gedanken eines i»n Jahre 1908 gehaltenen Bortrages wiedergibt, dartun, datz der Krieg letzten Endes nichts anderes ist, „als der Ansturm »ninderrvertiger Völkerhorden auf die höchstentivickelte, vorrviegend i»n Deutschen Reiche, der gegebenen Bormacht aller Germanen, vertretenen Menschenart". Dieser Leitsatz des Vorrvortes wie auch der Titel der Schrift legen die Vermutung nahe, daß der Verfasser die Vorzüge der Deutschen anthropologisch ergründen will. Das geschieht aber nicht. Es »verden zunächst die verschiedenen Raffetheorien skizziert, und dann wird einfach die Behauptung aufgestellt, daß jeder Fortschritt in der Kulturentrvicklung den Germane»» zuzuschreiben ist, daß eben die germanische Raffe alle andern weit überragt. Soweit sich aus den Darlegungen des Verfassers Standpunkt zur Raffenfrage ersehen läßt, ist festzustellen, daß er zwar nicht die Möglichkeit einer organischen Entivicklung des Raffencharakters völlig ablehnt, daß er auch nicht jede Einrvirkung des Milieus ausschaltet, aber Schädelform und Haarfarbe haben auch nach ihm eine überragende Bedeutung. Wohltuend berührt es aber, daß Wilser im Gegensatz z»» vielen andern Vertretern der gleichen Anschauung sich von den unsinnigen Uebertreibungen der Raffetheorien fernhält, ja sie ausdrücklich rügt. Gobineau und sogar Chamberlain »verden von ihm sehr objektiv beurteilt, und vornehmlich die Unwiffenschaftlichkeit des letzteren, des ^rischen Höhenmenschen", wird ins rechte Licht gesetzt. Dagegen stndet der Schwärmer A»nmon Wilsers Beifall. Wie es sich für jeden zünftigen Raffentheoretiker geziemt, mutz auch Wilser den Juden zum mindesten einen kleinen Seitenhieb geben. Unter den Gegner»» der Raffenwiffenschaft nennt er auch die Schriftsteller, „die zwar vollberechtigte Staatsbürger eines der europäischen Reiche sind, aber einer fremden Raffe angehören oder entstammen." „Gerade unter diesen — ich nenne nur Hertz in Deutschland und Finot, der »»rsprünglich Finkelstein geheißen haben soll, in Frankreich — finden sich die leidenschaftlichsten, wenn auch nicht sachverständigsten Bekämpfer des Raffegedankens, der von »hnen geradezu als ,Schwinde? bezeichnet oder als überlebtes ,Vorurtei? verdammt wird." Daß das deutsche Volk ein Kulturvolk ist, mit dem sich kein anderes messen kann, daß es unvergleichliche Kulturleistungen auf allen Gebieten vollbracht hat, vermag wohl kaum einer heute noch zu bestreiten. Aber die Ausführungen Ludwig Wilsers haben u»»s nicht über- Sen können, daß irgendwelche anthropologische Merkt die Ursachen dieser Ueberlegenheit sind. Wir sind nach »vie vor der Ansicht, die Friedrich Hertz in seinem Werke „Raffe »»nd Kultus in die trefflichen Worte kleidet: „Es fällt uns nicht ein zu leugnen, datz den germanischen Völker»» die vortrefflichsten Eigenschaften zukommen, die sie unbestritten an die Spitze der großen Kuliurraffen stellen, rvobei freilich das reiche Erbe der Antike und des alten Oric»»ts, die freinden Einwirkungen von außen, die unschätzbare Mitarbeit zahlloser, der Abkunft nach

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