KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 6 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 434 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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434 geworden sind. Die Ziffer der elfteren mag sich auf etwa 5000, die der letzteren ans 1000 belaufen, was eine Gesamtbeteiligung der deutschen Universitätsstudentenschaft am Weltkriege von mindestens 42000 Mann (und 400 Frauen) ergibt, gleich etwa 80 Prozent ihrer Zahl. Bon den 9000 reichsdeutschen Besuchern der Technischen Hochschulen sind nach den Personalnachrichten der Hochschulen etwa 8000 gleich 83 Prozent ins Feld gezogen, es stehen demnach mindestens 50000 akademische Bürger im Feld. Bücher- und Blätterfchau. Lamms Jüdische Feldbücherei. (Verlag Louis Lamm, Berlin). Ein kurzes Wort der Empfehlung für diese kleine Feldbibliothek. Sie hat bisher den Umfang von 0 9iummcvn erreicht. Auch das ist schon eine stattliche Leistung, und der Verleger verdient einen besonderen Dank, daß er sich mit größter Rührigkeit an die Herausgabe der Sannnlung gewagt hat. Denn leider ist es imuier noch ein Wagnis, für jüdische Kreise bestimmte Literatur erscheinen zu lasten. Wir Juden ,verden um unserer regen geistigen Interessen mitten selbst von Gegnern anerkannt, als bücherkaufendes Publikum gerühmt, aber — die „jüdischen" Verleger haben gemeinhin ein anderes Lied zu singen. Ich habe den Eindruck, als ob selbst heute, wo bei unseren Feldgrauen zumal das Bedürfnis nach Schriften jüdischen Inhalts stärker erwacht ist oder ihre Empfänglichkeit dafür größer ist als sonst, dieser Tatsache nicht genügend Rechnung getragen würde. Unsere großen jüdischen Verbände, unsere Gemeinden, von welchem Umfang auch immer, unsere Privaten sollten nicht versäumen, ihren Liebesgaben möglichst oft auch eine geeignete Schrift jüdischen Inhalts beizufügen. Geeignet macht für diesen Zweck — man kann diese Aeußerlichkeit nicht außer acht lasten — Umfang und Format, ganz abgesehen von dem Inhalt. Diesem Umstand trägt Lamms Jüdische Feldbücherei in durchaus zufriedenstettender Weise Rechnung. Ueber den inneren Wert der bisher herausgekommenen Hefte mag sich streiten-lasten. Gute Literatur, die allen Anforderungen entspricht, läßt sich für diesen Zweck nicht aus dem Boden stampfen. Darum hat der Verlag mit Recht auf bereits Vorhandenes, vor allem Altbewährtes, zurückgegriffen. Neu ist nur, was Nr. 1: „Der Krieg und wir Juden" bietet. Dies Heftchen liegt mir augenblicklich nicht vor. Als ich es seiner Zeit flüchtig einsah, habeich nicht allzu günstige Eindrücke empfangen. Hoffentlich bringt die veränderte und verbefferte Auflage, die angekündigt wird, wirklich das, was sie verspricht. Nr 4: „Makkabäa. Jüdisch-literarische Sammlung" stellt eine Mischung von Neuem und Altem dar. Manches in der A»»swahl ist recht hübsch, wie die Lieder von Zuckermaull, die Gedichte von Löiverlberg und S. Stiebel, anderes wiedermri ist zu wenig auf den Krieg gestirnmt und gehört, ganz abgesehen vom literarischen Wert, nicht in diese Sammlung. Vergriffen ist Nr. 5: „Feld- Hagada". Hoffentlich tritt für sie ein Bedarf nicht mehr ein. Schließlich weise ich auf Nr. 2-3: „Die Psalmen in deutscher Uebertragung von Dr. Michael Sachs" und Nr. 0: „Feldbibel für den Bölkerkrieg 1914—15" hin. Ob diese Ilebertragungen unserer alten, eivig jungen Bibel ganz auf der Höhe stehen, laffe ich dahingestellt. Darüber liehe sich wiedermn streiten. Aber rvir wollen nicht nörgeln, sondern den guten Willen anerkemien. Daß bis zu,» heutigen Tage das deutsche Judentum eine rvirklich gute, wissenschaftlich wie sprachlich einwandfreie deutsche Bibelübersetzung noch nicht hervorgebracht hat, ist tief beklagenslvert. Der Verleger der Feldbttcherei konnte diese Tatsache gewiß im Handumdrehen llicht ändern. Er hat jedenfalls mit der Wahl der Psalmen das Richtige getroffeil. Auch mliß rühmend hervorgehoben werden, daß die Zusammenstellung der Feldbibel gerade diejenigen Kapitel der Bibel, die für lmsere Stimmung charakteristisch sind, in hervorragendem Maße berücksichtigt. Möge Lamms Jüdische Feldbücherei bei unseren Feldgrauen draußen an der Front, hinter ihr in den Etappen und Lazaretten, aber auch bei uns in der Heimat iveite Verbreitung finden. A. L. Rasse und Judentum von R. Kautsky. Ergänzungshefte zur „Neuen Zeit". Nr. 20, 1914/15. Ausgegeben am 30. Oktober 1914. Herausgegebeu von der Buchhandlung „Vorwärts", Paul Singer, G. m.b. H., Berlin, für den Verlag I. H. W. Dietz Nächst, G. m. b. H., Stuttgart. Es scheint von vornherein immerein großes Interesse zu bieten, wenn berühmte Leute zu Zeitfragen, die ihrem Arbeitskreise ferner stehen. Stellung nehmen, obgleich man immer wieder die Erfahrung macht, daß der erhoffte Vorteil ausbleibt. Statt daß solche Ausführungen eine geniale Erfaffung der Probleme verraten und Streiflichter werfen, die der wirklichen Höhe, der Sphäre der Ueberlegenheit und Großzügigkeit' entstammen, beweisen sie nur immer wieder, daß ein „durch Sachkenntnis nicht getrübtes" Urteil auch des allerberühmtesten Menschen höchstens verwirrend und keineswegs fördernd wirkt. Kautsky, der große marxistische Theoretiker der Sozialdemokratie, hat in der vorliegenden Broschüre den Versuch gemacht, über die Frage der Rasse in besonderem Hinblick auf das Judentum und den Zionismus ein Urteil zu fällen Da er aber im Grunde vom Judentum genau so wenig weiß wie vom Zionismus, da er ferner in der Rastenfrage nur wiedergibt, was längst die allgemeine Ansicht verständiger Leute ist, so lag ein Bedürfnis zu seiner Veröffentlichung nicht vor, und stände nicht der Name Kautsky auf dem Umschläge, würde wahrscheinlich kein Mensch sich darirm kümmern. Was er über das Rastenproblem sagt, ist gewiß gut und richtig, aber längst bekannt; was er dagegen vom Judentum und dem Zionismus erzählt, ist zwar neu, dast'ir aber verkehrt. In der Beurteilung der Rassen frage verweilt Kautsky mit vollem Rechte am längsten beim Wertproblem. Den modernen Rastenfexen, tvie Chamberlain und in gewissem Sinne auch seinem geistesverwandten Antipoden und Gegner Zollschan gegenüber will er von einem absoluten Raffenwert, der die Fähigkeiten und das innere Werden des einzelnen bestimmt, nichts wissen. Mit Recht tritt er der Lehre entgegen, die Rastenzugehörigkeit zu einen» unabänderlichen Fatum in bezug aus Charakter wie Art und Grenzen menschlicher Betätigung machen will. Kautsky betont nicht nur die Bedeutung der Umgebung für das Werden dessen, was rnenschliche Individualität ausmacht, sondern auch das Recht und die Macht der Persönlichkeit. Das Neue in allen diesen Feststellungen liegt aber lediglich in der Form. Kautsky verfügt über einen wundervollen Spott und versteht es ganz ausgezeichnet, die Rastentheorie lächerlich zu machen. Man mag nun solche Methode sonst gewiß nicht als wissenschaftlich und nachahmensrvert betrachten, aber die Rassentheorien unserer Zeit, deren völliges Versagen, deren törichtes Phrasentnm der Krieg zur Genüge erwiesen haben dürste, gehören »virklich nicht zur »virklichen Wissenschaft, so daß sie auf ernsthafte Behandlung Anspruch.'erheben könnten. Es