KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 6 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 432 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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432 in das Gefecht, unser erstes, einzugreisen. Jnzwischen liegen wir in einem schönen großen Bauernhof in Quartier. Unsere Wirtsleute sind Vlamen, gutes, altes deutsches Blut, das sich nicht verbergen läßt, und bald sitzen wir zusammen am offenen Kamin, aus dem sich der Hausvater ab und zu eine glühende Kohle holt, um seine Tonpfeife in Brand zu stecken. Auf meinen Knien schaukeln sich zwei 3- und 4jährige Jungens, blondköpfig und mit blauen Augen, und in der naheliegenden Küche hören wir die Hausfrau sich tummeln, welche uns Kaffee und große, dicke Butterbrote bereitet. Es ist alles 'wie daheim. Und der Alte erzählt uns von der Vergangenheit seines Volkes, von dem Heldenmut seiner früheren Kämpfe und seinem neuen Sich-wehren gegen welsche Einflüsse. Er zeigt mir seine Bücher und Zeitungen, in denen Deutsche in deutschen Worten zu Deutschen reden. Es ist eine große Sehnsucht in diesem Volke. Es fühlt die Quellen seines Stammes, die hineinfließen wollen in den großen deutschen Strom. Und doch wehrt es sich gegen den Gedanken, ganz deutsch zu werden. Es hat seinem unglückseligen Herrscher- Treue geschworen und die bricht es nicht, wenngleich sie zum Verbrechen am eigenen Stamm wird. Noch singt man das Lied von d'erNibelungentreue auf den Höfen des Vlamenvolkes.*) cand.rer. pol. Fritz Mayer (Blwariae), z. Z. Kriegsfreiw., Bizefeldwebel im 17. bayer. _ Res.-Jnf.-Reg. *) Anm. der Schriftleitung. Die Skizzen werden in der nächsten Krkegsausgabe der K. C -Blätter fortgeführt werden. Akademische und Allgemeine Nachrichten. □ja Paritätische Behandlung der Juden in der neuen städtischen Selbstverwaltung Russisch-Polens. Wie bekannt, werden jetzt nach der neuen „Städteordnung" für die unter deutscher Verwaltung stehenden Gebietsteile Russisch-Polens die Mitglieder des Magistrats (Schöffen) und des Stadtverordnetenkvllegiums bei der erstmaligen Bildung ernannt. In Lodz, Pabianice, Wielun und vielen anderen Städten haben die Ernennungen schon stattgefunden. Wir hören aus bester Quelle, daß die jüdische Bevölkerung ihrer Stärke gemäß neben den anderen Nationalitäten bei der Bildung der städtischen Selbstverwaltungökörperschaften voll und ganz berücksichtigt wird. So sind in-Lodz unter den 10 Schöffen drei Juden vertreten. Unter den 36 Stadtverordneten befinden sich 12 Juden. In Pabianice wurden zu Schöffen drei Deutsche, zwei Polen und ein Jude ernannt. Die 23 Stadtverordneten sind, wie wir hören, durch 12 Deutsche, 7 Polen und 4 Juden vertreten. In Wielun befinden sich unter den Schöffen4Deutsche, 4 Juden und 4 Polen. Vom Akademischen Hilfsbund E. B. Weite Kreise unserer Bevölkerung — auch Nichtakademiker — beweisen ihr Interesse an dem Bunde, der „aus dem Gefühl der Pflicht heraus die besonderen Nöte und Sorgen der kriegsbeschädigten Akademiker zu mildern", gegründet ist. So stiftete der Schriftsteller I. Buchhorn den Reinertrag eines demnächst im Verlage A. Hoffmann, Leipzig, erscheinenden Buches: ,,O, Deutschland, Vaterland!" Geheimrat Sudhoff von der Leipziger Universität überwies der Reichsbank eine ihm von der italienischen Negierung verliehene goldene Medaille mit der Bestimmung, den Markioert (104 M.) dem Hilfsbund zu überweisen. Ebenso stiftete Prof. Dietrich Schäfer, Steglitz, eine ihm anläßlich eines Gedenktages überwiesene Summe (245 M.). Prof. Dr. L. Bernhard, der Berliner Nationalökonom, stellte dem preußischen Kultusminister sein Gehalt zur Verfügung. Dieser überwies davon 1000 M. dem Akademischen Hilfsbund. Die historische Kommission der kgl. bayrischen Akademie der Wissenschaften überwies ihre Ersparnisse durch Fortfall der Plenarversammlung 1V15 in Höhe von 3400 M. Weitere Stiftungen werden in der akademischen Preffe bekanntgegebenbisher sind 3 Quittnngslisten den Schriftleitern der studentischen Zeitschriften übersandt. Neben der immer größer werdenden Zahl von Anfragen und Gesuchen von kriegsbeschädigten Akademikern, die die Notwendigkeit der Schaffung des Bundes beweisen, wurde der Ausbau der Stellenvermittlung, für die ein Ausschuß unter der Leitung des Magistratsrats und Reservelazarettdelegierten Herrn Wölbing eingesetzt ist, sehr gefördert. Den. Sanitätsämtern und Reservelazarettdelegierten wurden zur Erinittlung von Hilfsbedürftigen Anschläge und Drucksachen übersandt. Auf Vorschlag des Rektors der Universität Freiburg, Professor Df. L. Aschoff, beschloß der Vorstand, die Fürsorge auf kriegsgefangene Akademiker auszudehnen. Deshalb wurden Verhandlungen mit dem schweizerischen Akademischen Hilfsbund angeKrupft. Der Landesdirektor der Provinz Brandenburg ersuchte um Entsendung eines Abgeordneten in den brandenburgischen Landesbeirat für Kriegsbeschädigtenfürsorge. Dem Ersuchen wurde gern durch Entsendung eines Vorstandsmitgliedes, des Herrn Pros. Dr. Koernicke, entsprochen. Eine Rektorenzusammkunft in Berlin vom 10. Juni beschloß einsttmmig den Anschluß an den Akademischen Hilfsbund. Der Anschluß soll möglichst geschloffen (Hochschulen, einzelne Lehrkörper, oder freie Dozentenvereinigungen) erfolgen. Damit ein fruchtbringendes Zusammenarbeiten zwischen Hochschulen und dem Akademischen Hilfsbund gewährleistet wird, wurde die Entsendung eines Mitgliedes der Hochschulen in den Vorstand des Akademischen Hilfsbundes beschlossen. Auf Einladung des königl. sächsischen Ministeriums des Innern fand am 5. Juli in Dresden eine Besprechung zwischen Rektoren der sächsischen Hochschulen und Vertretern des Hilfsbundes statt, die die Schaffung eines Landesverbandes bezweckte. — Die Gründung der Ortsausschüsse in den Hochschulstädten haben die Rektoren in die Hand genommen. Ihr Ausbau wird, da ihnen eine wertgehende Selbständigkeit in Bezug auf Gründung, Verfassung und Wirkungskreis zugesichert ist, gefördert. In anderen größeren Städten bereiten Berufsvereine (so der Bezirksverein Effen des Verbandes deutscher Diplom- Jngenieure), Alt-Herrenoereinigungen und einzelne Personen (so in Eisenach, Magdeburg, Bremen, Görlitz u. a.) die Bildung der Ortsausschüsse vor. Alt-Herrenvereinigungen oder akademische Berufsvereine werden gebeten, die Gründung von Ortsausschüssen zu übernehmen und sich mit der Geschäftsstelle in Verbindung zu setzen. Bon