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KC-Blätter · 1915-07-01 · Heft 6 (Juli 1915) · p. Seite 430

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 6 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
Seite 430 (sequence 7)
Language
German
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430 Keines Menschen Feind, allen ein Freund und seinen Bundes- und Kartellbrüdern ein treuer Bruder, das war Gustav Bernhardt. Alle, die ihm näher traten, erkannten bald, daß er ein Mensch von vornehmster Gesinnung war, aber nur diejenigen, die ihm in jahrelanger Freundschaft nahe standen, haben seinen wahren Wert kennen gelernt. Zu diesen gehörte auch ich, der ich mit ihm seit seiner frühesten Kindheit eng verbunden war und mit ihm bis zu seinem Tode treueste Freundschaft gehalten habe. Sein Wahlspruch war: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", und nach diesem Wahlspruch hat er jederzeit gehandelt. Wer auch immer an ihn sich wandte, stets war er bereit, mit Rat und Tat zu helfen, ohne Rücksicht auf seine Person und seine Interessen,' aus ihn konnte man sich verlassen. Von der Tendenz des K. C. war er bereits als Schüler begeistert. Ich entsinne mich, wie er, als ich nach einem meiner ersten Semester über die Ziele unseres Verbandes sprach, auf mich zntrat und voll Begeisterung leuchtenden Auges erklärte, daß er, sobald er sein Abiturium gemacht, bei uns eintreten würde. Tatsächlich ist er dann auch schon am ersten Tage, als er die Universität bezog, K. C.er geworden. Von Anfang an zeichnete er sich aus durch seinen Ernst und seine Zuverlässigkeit, durch seine Bescheidenheit und seine Zurückhaltung. Seine Begeisterung für den K. C. hat niemals nachgelassen, bis zu seinem Tode blieb er ein eifriges Mitglied unseres Verbandes, ein Förderer des K.C.-Gedankens. Als echter K. C.er ist er auch in den Kampf gezogen und als echter K. C.er ist er gefallen. Kaum war sein Fußleiden, wegen dessen er bei Beginn des Krieges Zurückbleiben mußte, behoben, da meldete er sich gesund, und als er dann nicht sofort einberusen wurde, meldete er sich immer wieder und wieder, in Angst, die Behörde könne ihn vergessen haben und der Friede werde kommen, ohne daß er seine Pflicht getan habe. Bald kam dann auch seine Einberufung. Voll Begeisterung zog er in den Krieg, und voll Begeisterung hat er acht Monate lang die schweren Kämpfe in den Argonnen an der Spitze seines Zuges milgemacht, geliebt von seinen Untergebenen und geschätzt von seinen Vorgesetzten, wie der Kompagnieführer in einem Schreiben über ihn ganz besonders hervorgehoben hat. Nun ist er tot, getroffen von einer feindlichen Kugel mitten ins Herz. In tiefftem Schmerz trauert um ihn seine Witwe mit seinem sechs Monate alten Knaben. Sein Andenken wird uns unvergeßlich sein! l)r. Julius Arnheim. * (Licariae.) Aus meinem Kriegstagebuch. Krieg! Es wird mir eine stete Erinnerung sein. Wir gingen durch die wunderhelle Sommernacht der Hirschgasse zu. An den Usern des Neckars drängten sich fröhliche Leute und grüßten das Fanal des alten Schlosses, das wie ein feuerdurchglühter Rubin im Schatten seiner dunklen Wälder flammte. Aus dem Strome tänzelten buntbewimpelte Boote und junge Kehlen jauchzten das Hohelied Heidelberger Schönheit. Sommernachtstraum! Da plötzlich drängt sich die wilde Kunde aus den engen Gäßchen der Stadt heraus, sie gellt von den Türmen, sie heult durch die Wälder und rauscht in den Wogen. Und sie wird immer größer und wilder und füllt das Tal und krampst harte, schwere Hände um fröhliche Herzen. Krieg! Das Leben stockt, ein Ahnen kommenden Grauens starrt aus irren Augen in die Nacht und das langsam verglühende Feuer des Schlosses kündet von trauriger Vergangenheit. Aber nur einen Augenblick. Dann jauchzen wieder junge Kehlen das Hohelied Alt- Heidelbergs und den Ruhm der deutschen Lande. Die Jugend freute sich der Stunde. Nur die Fäuste ballten sich und die Herren schwuren aus dem Altar der Vergangenheit ein Gelöbnis für die Zukunft. Wir aber drückten uns die Hände und wußten, daß es auch unser Hoffen war, das in dieser Nacht emporwuchs, und grüßten die nahende wundervolle, heiße, todbringende Zeit. Neben mir klingelt das kleine Telephon. Es ist schon fast nicht mehr zur Ruhe gekommen, seitdem ich vor einigen Tagen für einen erholungsbedürftigen Freund die Redaktionsgeschäste übernommen habe. Aber ich fühle keinen Verdruß ob der dauernden Störung, die mich in früheren Wochen zur Verzweiflung hätte bringen können. Es ist ja allerdings auch nicht mehr der alte Kasten, aus dem man sonst irgendwelche Weisheiten bezog, nur damit die Spalten der Zeitung voll wurden. Heute eilt durch die dünnen Drähte die Kunde von ungeheuerm Geschehen, und jedes Klingeln des Apparats kann das Zeichen dafür sein, daß sich der Vorhang hebt für eine Tragödie, wie sie noch keines Menschen Hirn hat schrecklicher ersinnen können. Und während man sich zu trösten sucht und hofft, daß der Brand der Kriegssackel von geschickten Händen noch im Keime erstickt werden könne, erhorcht das gierige Ohr am kleinen Schalltrichter, wie hinter den Vorhängen des Welttheaters bereits die letzten Vorbereitungen für das völkermordende Schauspiel getroffen werden. Es hört daS Dröhnen ungezählter Hufe und das gierige Schnauben von

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