KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 6 (Juli 1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 429 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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429 der den Tod Alfred Meyers gemeldet hat, für eine Sinnestäuschung ansprechen, so unfaßbar scheint mir die Wahrheit. Leichtverwundet glaubte ich ihn in englischer Gefangenschaft und hoffte mit den Wenigen, die sich zu seinem Freundeskreis zählen durften, aus die sichere Rückkehr des geliebten Freundes. Wußten wir doch alle, daß sein Körper den großen Anstrengungen des Feldzugs nicht gewachsen sein konnte und daß er nur mit dem Einsatz all seiner Energie seither die Strapazen ertragen hatte. Wir glaubten, daß seine Wunden schon geheilt seien, und lachten setzt schon, wenn wir uns vorstellten, wie der bei Friedensschluß Heinrkehrende in der ihm eigenen witzigen Art von seinen Erlebnissen berichten würde. Doch wir wurden schmerzlich enttäuscht: die aus dem Schlachtfeld bei einem Sturmangriff erlittenen Wunden waren viel schwerer, als wir ahnten. Am 5. Juni ist Alfred Meyer im Lazarett zu Le Treport seinen Verletzungen erlegen und ruht fern von den Seinen in fremder Erde. In München, wo er im Sommersemester 1911 Lieare geworden war, lernte ich den Brandfüchsen kennen. Ich erinnere mich noch so genau, als wäre es gestern gewesen, wie er geradewegs vom Bahnhof ins Bürgerbräu kam, wie er den dort wcilenden Bundesbrüdern von dem Ferienansenthalt in Bochum erzählte. Wenn er dabei den fast doppelt so großen Tipp Rosenthal schalkhaft lächelnd von unten herauf betrachtete und jede Neckerei mit einem geistreichen, treffenden Scherz beantwortete, dann wollten sich alle auSschiitten vor Lachen. Wir beide sprachen an diesen» ersten Abend nicht viel miteinander, und doch wußten wir, als wir uns trennten, daß wir Freunde würden sürs ganze Leben. Offenherzigkeit und schlichtes Wesen waren zwei Hanpteigenschaften seines trefflichen Charakters. Sie sicherten ihm auch die Sympathien seiner Bundesbrüder. Kraft seiner hervorragenden Geistesgaben gewann er die Achtung und'Wertschätzung fast aller, und wem es vergönnt war, einen Blick in die Seele des jungen Studenten zu tun, der mußte ihn lieben. Rührend war es mitanzuhören, ivenn er voll Stolz von der Tüchtigkeit seines verstorbenen Vaters erzählte und wenn er gar häufig in kindlich-herzlicher Liebe seiner Mutter gedachte. Als das jüngste von mehreren Kindern war er der Mutter noch allein geblieben, all ihre Freude, all ihr Stolz. Für sie wollte er leben und arbeiten, um ihr, die des Schicksals Schwere schon so oft hatte fühlen müssen, zum Dank für die erwiesene mütterliche Liebe und Güte einen wohlverdienten glücklichen Lebensabend zu bereiten. Es war ihm nicht vergönnt, seine edlen Vorsätze zu verwirklichen, allzufrüh hat er sie mit hinabnehmen müffen ins Grab. Ich glaubte abgestumpft zu sein durch das schon alltägliche Morden des Bölkerringens. Was ich früher' entsetzlich nannte, hielt ich für eine ernste, unabwendbare Notwendigkeit. Aber nun, da der Tod, der jetzt so reiche Ernte hält, zum ersten Mal hineingegriffen hat in meinen engeren Kreis, da saßt mich ein wilder Schmerz, eine unsagbare Trauer, daß gerade die Edelsten und Tüchtigsten in Zukunft uns nicht mehr angehören sollen im Leben, daß gerade die aus unserer Mitte geriffen werden, auf die wir so große Hoffnungen gesetzt hatten. Im äußeren Leben der Licaria hat Meyer keine Rolle gespielt. Er fühlte sich in seiner Bescheidenheit wegen seiner „kleinen Figur" nicht zum Chargierten berufen. Aber trotzdem trat er überall, wo es not tat, mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit für die Verbindung und für den Verband ein. Auf Ehrenrat, Ehrengericht und Konvent waren seine Ausführungen meist ausschlaggebend. Ueber alles ging ihm die Wahrheit und Gerechtigkeit. Mit klarem Blick und stets vorurteilsfreiem Sinn hat er nie das Rechte gefehlt. Beim Becherklang war er voll sprühenden Humors, auf dem Fechtboden war er voll Eifer. Und wer ihn auf Schläger- und Säbelmensur gesehen hat, der mußte die Energie bewundern, mit der „der kleine Meyer" — so nannte ich ihn, und den Namen hat er behalten — seiner körperlichen Ungewandtheit Herr zu werden wußte. In seinem vierten Semester ging er nach Bonn. Dort war er ein wertvolles Mitglied der Rheno-Silesia. Mit ungewöhnlichem Eifer begab er, den auch eine hervorragende juristische Begabung auszeichnete, sich dann an die Vorbereitung zum Referendarexamen. Er bestand es, als der Krieg schon entbrannt wardann trat der jüngste Ä. H. der Licaria, dem Rufe des Vaterlandes folgend, als Kriegsfreiwilliger ins Heer. Nicht' mit zur Schau getragener flammender Begeisterung zog er aüsmit tiefem sittlichen Ernst setzte er sich ein für die Größe und Ehre des Vaterlandes, und er stritt mit als wackerer Kämpfer, bis ihn bei den Stürmen um Neuville die feindliche Kugel traf. Mit Alfred Meyer verliert der K. C. einen seiner Besten. Alle werden ihn schmerzlich vermissen, keiner wird ihn je vergessen. Theodor Engel. (Licariae.) Gustav Bernhardt. (Spreviae.) Am 10. August 1915 fiel mein Vetter, unser lieber Bundes- und Kartellbruder, Rechtsanwalt Gustav Bernhardt aus Berlin, Offizierstettvcrtreter imMeserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 1.