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KC-Blätter · 1915-07-01 · Heft 6 (Juli 1915) · p. Seite 428

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 6 (Juli 1915)
Date
1915-07-01
Page
Seite 428 (sequence 5)
Language
German
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428 flüssige Feder waren Dir eigen. Nnd gar erst im Ballsaal, in großer Gesellschaft fühltest Du Dich nicht wohl. Beim Militär brachtest Du es während Deines Münchener Dienstjahres trotz heißen Bemühens — ich glaube — bis zum Gefreiten. Zum Offiziersunterricht wurdest Du nicht zugelassen. Deine juristischen Examina machten Dir, obwohl Du es mit Deinen Kollegen wohl aufnehmen konntest, mancherlei Kopfzerbrechen. Und wenn Du kurz vor dem Kriege zum Gerichtsassessor ernannt, im Kriege — mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet — zum preußischen Reserveleutnant befördert wurdest, so ist Dir dieser Aufstieg nicht leicht geworden. Deinem Freundeskreis waren Deine Fähigkeiten woh! bekannt. Wir wußten, daß Du über einen klaren Kopf, über eine scharfe, sichere Aufsassungsgabe verfügtest. Wir schätzten Deine vornehme Gesinnung, Dein zurückhaltendes, bescheidenes, wohlerzogenes Wesen. Wir liebten Dich wegen Deiner herzlichen Anhänglichkeit und Deiner über jeden Zweifel erhabenen Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit. Daß auch Fernstehende Deinen Wert erkannten, war uns eine freudige Genugtuung. Der Krieg trennte Dich von Deinen Freunden, brachte Dich in die Hölle des heißumstrittenen Priesterwaldes, wv Du unter größten Entbehrungen und Gefahren — oft monatelang ohne Ablösung — dem mörderischsten Artilleriefeuer und den entsetzlichen Formen des Nahkampfs, dein „grausamen Komfort der Neuzeit", wie Du einmal schriebst, ausgesetzt warst. Alle Deine Freunde bangten sich um Dich in dem ungewissen Gefühl, daß das Geschick, das uns die Besten raubt, an Dir nicht Vorbeigehen würde. Wir atmeten auf, als uns, nachdem wir monatelang ohne Verbindung mit Dir waren, gute Nachrichten von Dir zukamen, als wir hörten, daß Du — zweimal verwundet — doch mit halbwegs heiler Haut davongekommen warst. Wir wähnten fast, daß Du, nachdem Du so lange Glück gehabt, die schwere Prüfung des Krieges bis zum Ende gut überstehen würdest. Dich selbst bangte vor dem bisherigen Glück. Als Du nach dem Heldentode Deines Bruders von Freundesseite darauf hingewiesen wurdest, Dich nicht unnötig Gefahren auszusetzen, damit wenigstens Du Deinen Eltern erhalten bliebest, da schriebst Du etwa zurück: Ich weiß, daß ich die Verpflichtung habe, zurückzukehrenich fühle das wohl. Aber ich habe wenig Hoffnung. Wenn meine Leute Gefahren zu bestehen haben, da muß ich als ihr Zugführer bei ihnen sein. — Meine Nerven sind zwar infolge der unsagbaren Strapazen überanstrengt, zweimal bin ich „angekratzt" worden. Da wäre es mir ein Leichtes, für Monate von der Front wegzukommen. Aber ich bringe es nicht über mich, mich in Deutschland herumzudrücken, während die Soldaten in der Front ihre schwere Pflicht tun. — Nur einen kurzen Urlaub zu notdürftiger Ausspnnnnng glaubtest Du vor Dir verantworten zu dürfen. Dann rief die Pflicht Dich wieder vom Elternhause in die vordersten Reihen. Deine Tage waren gezählt. Am Abend des 18. und in der Nacht zum 19. Juni, als Du die Aussicht fl'ei den Schanzarbeiten haltest — so schildert Dein Kompagnieführer Deine letzten Stunden —, setzte plötzlich Artilleriefeuer ein. Du ließest die Leute in die Stollen treten und, „nachdem der letzte Mann verschwunden war", setztest D:i Dich unter einen gedeckten Postenstand. Ein unglücklicher Volltreffer gegen den Stand traf Dich und den bei Dir stehenden Posten tätlich. Du wurdest hinter die Front getragen — ein Ehrenposten stand bei Deiner Leiche.' „Ihr Sohn ist uns ein beliebter Kamerad gewesendie Kompagnie verliert einen sehr tüchtigen Offizier. Bis zum letzten Augenblick har Ihr Sohn treu für seine Untergebenen gesorgt . . . Den Verlust Ihres Sohnes, der seit Kriegsbeginn bei der Kompagnie gestanden hat, empfinden alle Offiziere und alle Mannschaften schmerzlich. Friede seiner Asche." Mit diesen herzlichen Worten der Teilnahme an Deine Eltern und der Anerkennung Deiner treuen Pflichterfüllung bis zum Tode nahm Deine Kompagnie Abschied von Dir. Auch tvir müssen von Dir Abschied nehmen — Abschied für immer. Wir müffen uns daran gewöhnen, Deinen Rat und Deine stets gern gewährte Unterstützung zu entbehren. Wir müffen auf Deine uns so lieb gewesene Gesellschaft verzichten, werden Dein Helles, herzliches Lachen nicht mehr Horen. Noch oft wird Dein Name bei uns genannt werden. In den Annalen Deiner Korporationen wird er mit ehernen Buchstaben eingetragen werden. Du hast den Treueschwur, den Du einst auf das Burschenschwert leistetest nnd den Du als Student und als Alter Herr hieltest, mit dem Tode besiegelt. Möge Dein Blut nicht vergeblich geflossen sein! Hart geht uns der Abschied von Dir an. Aber nicht schwächliche Klage ist Deiner würdig. In ernster, gefaßter Trauer grüßen wir Dich. Du hast Dich bis zur letzten Stunde bewährt — wir sind stolz, Dich zum Bundesbruder, zum Freunde gehabt zu haben. vr. Alfred Alsberg. (Licariae, Rheno-Silcfiae.) Alfred Meyer. (Licariae.) Noch immer mochte ich die Nachricht für einen bösen Traum halten, den vor mir liegenden Brief

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