KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 416 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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416 heiligsten Güter hat bestehen müssen, hervorgegangen ist, dann wird es sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß dort im Osten die Juden Polens, jene Stiefkinder des Glücks, danach lechzen, die Bannerträger der deutschen Kultur in den Grenzlanden des Deutschtums zu werden. Und auch wir deutsche Juden werden vor allem uns bemühen, unfern östlichen Glaubensgenoffen gerecht zu werdenwir vor allem werden, sollte sich die Gelegenheit dazu bieten, Sorge zu tragen haben, daß ihnen nach der langen Nacht des Leidens ein sonniger Morgen des Glücks leuchtet; denn auch uns wird ihre Befreiung ein Segen sein. q- * * Korporation und Krieg. Von canö. iur. Lothar Dessauer (Saxo-Bavariae). Als wir noch im Mai vorigen Jahres auf unseren Kneipen all die schönen Lieder sangen vom teuren Vaterland, für das wir jederzeit freudig in den Kampf ziehen würden, wenn der Ruf an uns erging, da dachte wohl keiner von uns, wie bald wir in die Lage kommen würden zu beweisen, ob wir imstande sind, dys Gelöbnis, das in all jenen Liedern zum Ausdruck kommt, auch in die Tat umzusetzen. Schon in den ersten Tagen des Krieges zeigte sich gleich die Frucht unserer Erziehung. Als die Alten Herren und Inaktiven hinauszogen, um den Feind von Deutschlands Grenzen verjagen zu helfen, strömte die Aktivitas zu den Kasernen, um sich als Kriegsfreiwillige zu melden. Da zeigte sich, daß uns unsere Lieder nicht nur am Biertisch begeistern konnten, sondern daß sie der Ausfluß unseres eigensten, innersten Wesens waren. Da offenbarte sich, vielleicht zum ersten Mal, am herrlichsten und größten, daß unsere Korporationserziehung doch mehr war als alter überlebter Comment-Drill: die jungen, frohen Burschen, die noch wenige Wochen vorher stolz ihre grünen, roten und blauen Mützen in den Musenstädten trugen, erwiesen sich nun als tüchtige und tapfere Soldaten. Wie unrecht hatten doch die, die das Korporationswesen als etwas Ueberlebtes, nicht mehr in unsere reale Zeit Gehöriges verworfen hatten. Hinter all den zahllosen Sitten und Gebräuchen, die dem Fernstehenden gewiß als unnütz und zwecklos erscheinen konnten, verbarg sich ein tiefer Sinn und ein großer Zweck: das' frische, freie Studentenleben, das sich losgelöst hat von dem Zwang des Alltags, vermag gerade durch die Romantik, die ihm innewohnt, den Sinn für das Ideale zu erhalten. Idealismus aber ist es, der in Zeiten wie den jetzigen vor allem imstande ist, Taten solch selbstvergessenen Opfermutes zu zeitigen, wie sie heute die deutsche Studentenschaft vollbracht hat, die auf den Rus des Königs, freudig, begeistert, von dem Hörsaal und derKneipe zum blutgetränkten Schlachtfeld zog. Die Pflege treudeutscher Gesinnung, die Uebung des Körpers im Fechten, Schwimmen und Turnen, die Pflege der Kameradschaft und der Brüderlichkeit, das unbedingte Sichunterordnen des einzelnen unter den Willen einer Gesamtheit, war eine gute Schule für den Krieg und hat sich außerordentlich bewährt. Nun fragt es sich: „Was wird und was muß der Krieg der Studentenschaft Neues bringen?" Sicherlich ist das große Völkerringen wie nicht leicht ein zweites Ereignis imstande, gewaltige Aenderungen und Umgestaltungen hervorzuzaubern. Allerdings, wie die Verhältnisse bei der deutschen Studentenschaft liegen, ist es wohl nicht anzunehmen, daß der Krieg fundamentale Aenderungen bringen wirddazu spielen im Leben der Korporationen zu viele historisch-traditionelle Begriffe mit. Aber Aenderungen muß der Krieg bringen, und es lväre für uns Studenten ein trauriges Zeichen, wollten wir nicht aus dem reichen Born seiner Lehren schöpfen. Da wird der Krieg uns K. C.ern vor allem sagen, daß sich unser Kampsprinzip, das wir schon im Frieden verfochten haben, auch im Krieg bewährt hat. Er wird uns lehren, nicht davon abzul affen, sondern unsere ganze Persönlichkeit einzusetzen für das Ideal, das wir erwählt haben. Gelegentliche Mißerfolge, wie sie bei einem Kampfe wie öem unsrigen nicht ausbleiben können, dürfen uns nicht entmutigen. Unentwegt müssen wir unser Ziel verfolgen. Wir haben aber auch an dem Beispiele Deutschlands gesehen, daß in einem solch mächtigen Ringen nur der Sieger bleiben kann, der vollkommen und in jederWeise gerüstet ist. Auf unsere Rüstung wollen wir K. C.er von nun an besonders bedacht sein. Wir dürfen die Waffen, die wir von den Aelteren übernommen haben, nicht einrosten lassen, sondern immer von neuem müssen -wir prüfen, ob sie noch schlachtbereit sind, ob sie unter den augenblicklichen Verhältniffer,die sich seit dem Abtritt der Aelteren vom Kampfplatz vielleicht geändert haben können, auch noch genügen. Der Krieg wird uns ferner eine noch weitgehendere Betätigung im Sport und Spiel, im Fechten, Turnen und Schwimmen zur Pflicht machen. Denn er zeigt uns täglich, daß trotz fortgeschrittenster Technik unls glänzendster Strategie körperliche Gewandheit und Widerstandskraft mit die wesentlichsten Faktoren zur Erreichung des Sieges sind. Und noch eine Aufgabe weist uns der Krieg zu, die wir vorher zu sehr vernachlässigt haben: es ist die Pflicht, uns sozial zu betätigen. Heute, wo es einer großen Mehrzahl der deutschen Studentenschaft vergönnt ist, als Führer