KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 417 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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417 die Soldaten kennen zu lernen, werden sie es doppelt schwer empfinden, daß sie der Volksseele oft zu sehr entfremdet find, daß sie nicht wissen, wie der Mann aus dem Volke denkt und suhlt, daß fie ihn so ost mißverstehen oder gar nicht begreifen können. Es ist im höchsten Maße bedauerlich, daß der Akademiker, der durch seinen Bildungsgrad berufen ist, ein Führer des Volkes zu werden, oft so wenig von der Psyche des Volkes versteht. Wie soll er da Fühlung gewinnen mit dem Volke, wie soll da das Volk Zutrauen zu ihm fassen? Dazu kommt, daß die soziale Frage immer mehr zu der wichtigsten im Staatsorganismus wird. Ganz beherrschen aber wird sie nur der, der alle Schichten des Volkes kennt, der nicht einseitig von dem Standpunkt der Gesellschaftsklasse, in der er erzogen ist, urteilt. Und da macht man die Erfahrung, daß, wenn man in den Entwicklungsjahren sich zu sehr in den Jdeenkreis einer bestimmten Klasse eingelebt hat, nachher nur sehr schwer imstande ist, Menschen anderer Schichten objektiv zu beurteilen. Diese Gefahr tragen die Korporationen in sich. Durch ihre starre Exklusivität, durch ihr strenges Sichabschließen zwingen sie den jungen Studenten, sich jahrelang vornehmlich mit Menschen zu beschäftigen, die alle denselben Kreisen entstammen. Jeder, der in sozialer Hinsicht tiefer gestellt ist, wird mit einer gewissen Verachtung angesehen. Das muß anders werden. Der Krieg hat den Beweis erbracht, wenn es dazu überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, daß nicht gesellschaftliche Stellung entscheidend für die Tüchtigkeit des einzelnen ist. Mit dieser Erkenntnis müssen unsere Korporationen eine Reihe von veralteten Vorurteilen fallen laffen. Ich will damit nicht etwa sagen, daß die Schranken, die Exklusivität und das Sichabschließen ausrichteten, nun niedergerissen werden müssen. Keineswegs! Aber die Korporationen müssen von sich aus dafür Sorge tragen, daß ihre Mitglieder durch Fühlungnahme mit Angehörigen aller Schichten in die Lage versetzt werden, durch reife Menschenkenntnis und umfassende Erfahrung an der Lösung der hochbedeutsamen sozialen Frage mitzuarbeiten. Die Volksunterrichtskurse, jetzt im Kriege die überall eingerichteten sozialstudentischen Organisationen, Hilfe in der kommunalen Arbeit und beim Roten Kreuz, bieten reichlich Gelegenheit dazu. Die späteren Richter, Aerzte und Lehrer werden unseren Korporationen für eine derartige Erziehung Dank wissen. Dies alles bedeutet aber nicht, daß wir unser frohes, studentisches Leben, unsere Kneipen und Mensuren ausgeben oder nur vernachlässigen sollen. Ganz im Gegenteil, sie verleihen uns den Idealismus, den wir auch in dieser ernsten und gewaltigen Zeit nicht vermissen dürfen und können. Sie müssen wir weiter pflegen und weiter ausbauen als Hort der Treue und Kameradschaftlichkeit, der Vaterlandsliebe und der Brüderlichkeit, so daß wir auch in den fernsten Zeiten wie heute mit derselben Begeisterung unser Versprechen erfüllen, das wir bei jedem Landesvater dem Vaterland geben: Hab und Leben dir zu geben, Sind wir allesamt bereit, Sterben gern zu jeder Stunde, Achten nicht der Todeswunde, Wenn das Vaterland gebeut. Berichtigung. Bei der Veröffentlichung des Gedichtes „Kriegslied" auf S. 303 der vierten Kriegsausgabe ist uns ein bedauerlicher Irrtum unterlaufen. Das Gedicht war uns von einem Verbandsbruder auf einer Feldpostkarte, die dieser erhalten hatte, zugesandt worden. Aus der Fassung der Karte muhten sowohl der Verbandsbruder als auch wir mit Notwendigkeit annehmen, daß das Gedicht von einer Heidelberger Dame verfaßt sei. Nach Erscheinen der Zeitung wurden wir aber darauf aufmerksam gemacht, dah es bereits von einer anderen Zeitung gebracht worden ist. Durch Anftage stellten wrr fest, dah der Verfasser des Gedichtes der steyrische Dichter Kernstock ist, der es in Nr. 3633 der Münchener „Fliegenden Blattes unter dem Titel «Oaucieamus ieitur» veröffentlicht hat. Die Schriftleitung. Mitteilungen der Schristleitung. Die nächste Nummer der K. C -Blätter erscheint voraussichtlich Anfang September/ Schluß der Redaktion für diese Nummer ist am 20. August. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dah nach wie vor alle kriegsstatistischen Mitteilungen Herrn vr. Mainzer, Frankfurt a. M., Neöfarstratze 5, alle übrigen die Schristleitung und den Versand^ betreffenden Zuschriften mir einzusenden sind. Eine ganze Reche von Adressen der nicht in» Felde stehenden Verbandsbrüder sind der Schriftleitung nicht genau bekannt. Ich bitte daher alle Verbandsbrüder, die die K. C.-Blätter nicht regelmäßig erhalten, umgehend die Verzögerung unter Angabe ihrer augenblicklichen Adresse unr mittellen zu wollen. Damit die Kartothek der Redaktion ständig in Ordnung bleibt, ist es nötig, daß jede Adressenänderung sofort angezeigt wird. Crefeld, Königstr. 116. Fernsprecher 3806. Dr. Kurt Alexander. Mitteilungen -es K. C.-Kaffemvarts. Ich bitte die Alt-Herrenverbände und die l. K. B. K. B., soweit sie ihren Verpflichtungen der K. C -Kaffe gegenüber noch nicht nachgekommen sind, die K. C.-Beiträge mir baldigst einsenden zu wollen. Düsseldorf, Blücherstraße 69. Rechtsanwalt I. Vohssen. An Geschenken für die K. C.-Kasse haben wir erhalten: Von Herrn A. Abraham in Oppeln zum ehrenden Gedenken an seinen so früh dahingeschiedenen Sohn, unseren lieben Kb. Bruno Abraham (Ghib.), der am