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KC-Blätter · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · p. Seite 414

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 414 (sequence 32)
Language
German
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414 Zum Schluß zieht Perles die Folgerungen aus seinen Betrachtungen und gibt einige kurze Winke, wie man in Zukunst den Juden gegenüber zu verfahren habe. Das Bildungsstreben der Ostjuden weist sie nach Westeneuropäische Kultur ist ihnen identisch mit deutscher Kultur. Uns allen ist es ja auch nicht unbekannt geblieben, wie alljährlich Scharen polnischer Juden unsere Hochschulen aufsuchen, um ihren Bildungsdrang, den sie im Heimatland nicht stillen können, hier zu befriedigen. Voll Bewunderung haben wir beobachtet, wie die polnischen Studenten häufig unter den beispiellosesten Entbehrungen ihrem Bildungsziel zustrebten. Sie alle sind Pioniere deutscher Kultur überall da, wohin sie kommen. So wird denn auch das Deutschtum in dem mit deutschem Geiste durchtränkten polnischen Judentum die besten Helfer bei der Germanisierung polnischer Gebietsteile finden. Damit die Juden aber dieser Aufgabe gerecht werden können, ist es erste und unaufschiebbarste Pflicht und Voraussetzung jeder weiteren Entwicklung, daß ihre körperlichen Fähigkeiten, die durch den Druck der Sklavenketten verkümmert sind, regeneriert werden. — Unbefangen soll man an sie heräntreten und ihnen Vertrauen entgegenbringen, dann werden auch sie sich bestreben, alles zu tun, um den Rettern aus ihrer Leidenszeit, denn als solche begrüßen sie schon heute die Deutschen, entgegenzukommen. Die Summe unverbrauchter, lang niedergehältener Intelligenz, wie sie im polnischen Judentum ausgespeichert ist, bedeutet — wir stimmen dem Verfasser auch darin vollkommen zu — bei den ungeheuren Verlusten an kostbarem Menschenmaterial einen nicht zu unterschätzenden Gewinn für das Deutschtum. In einfacher, schlichter Darstellung gibt uns Perles, unterstützt durch seine persönliche Erfahrung, die er als Rabbiner in reichem Maße an seinem Amtssitz Königsberg, an der Ostecke unseres Vaterlandes, sammeln konnte, ein treffliches Charakterbild der polnischen Juden. Seine Schrift wird allen denen, die sich mit der Polenfrage beschäftigen wollen und müssen, wertvolle Aufklärungen geben, die unbedingt notwendig sind zu einer richtigen Bewertung unserer östlichen Glaubensgenossen. Es ist freudig zu begrüßen, daß der Verfasser sich nicht in'hypothetische Erörterungen über die zukünftige Gestaltung der Lage ergeht, sondern sich mit einigen kurzen Andeutungen begnügt, ohne sich mit der politischen Seite des Problems zu beschäftigen. N Dieser Vorsicht befleißigt sich der Verfasser des zweiten Buches, dessen Besprechung wir uns zur Aufgabe gernacht haben, nicht. Im Gegenteil: Kaplun-Kogan setzt mit seinen Erörterungen an der Stelle ein, an der Perles mit wohlerwogener Zurückhaltung geschlossen hat. Er befaßt sich, nachdem auch er, allerdings nur flüchtig, die Beziehungen der polnischen Juden zum Deutschtum gestreift hat, in erster Linie mit Vorschlägen zur Lösung des Zukunstsproblems. Er muß natürlich dabei, da die reale Grundlage fehlt, der Phantasie weiten Spielraum lassen. Sehen wir uns nun einmal sein Werkchen genauer an. Wenn man den Titel der Schrift liest: „Eine Schicksalsstunde des jüdischen Volkes", so kommt sogleich zum Ausdruck, daß hier eine das gesamte Judentum berührende Frage behandelt werden soll. Hauptthema ist zwar der Einfluß des Krieges auf die Oftjuden, aber mit stark national-jüdischer Tendenz weiß der Verfasser > schließlich die territoriale Frage zu einer universalen zu gestalten, indem er eingehend die Rückwirkung der veränderten Verhältnisse im Osten auf die Stellung der westeuropäischen Juden darlegt. Kaplun-Kogan mußte naturgemäß von der Voraussetzung ausgehen, daß Teile Polens nach dem Kriege dem Deutschen Reiche einverleibt, jedenfalls aber von Rußland losgelöst werden. Der Verfasser ist deshalb genötigt, selbst zuzugeben, daß infolgedessen seine Erörterungen Hypothesen sind: „Ich leugne nicht, daß meine Betrachtungen zum Teil Hypothesen sind. Mein Zweck ist, auf Grund einer historischen Betrachtung und unter Berücksichtigung der gegenwärtigen politischen Konstellation die Linien zu verzeichnen, auf denen sich die zukünftige Entwicklung der jüdischen politischen Angelegenheiten nachwahrscheinlicherBerechnungvollziehen könnte". Auch er weist nun zunächst auf die mannigfachen Beziehungen hin, die die Juden mit dem Deutschtum verbinden, und auch er glaubt mit ihrer Hilfe die Schwierigkeiten, die eine Germanisierung der polnischen Gebiete im Gefolge haben wird, lösen zu können. „Es gibt im Osten wohl kein anderes Volk, das so viel Ursache hätte, mit dem Deutschtum so stark zu sympathisieren, wie das jüdische. Diese Sympathien haben einen dauernden festen Charakter, so werden die Juden die zuverlässigsten Pioniere des Deutschtums im Osten." Zur Durchführung der Emanzipation der Ostjuden, die nicht eine Emanzipation des einzelnen, sondern eine „völkische" Emanzipation werden soll, schlägt der Verfasser eine ganz eigenartige Organisatton vor. Halb abhängig, halb selbständig, sollen sie sich zu einem bedeutenden Kulturvolk entwickeln. Militärisch, politisch und zollpolitisch sollen die neuen Landesteile unter einer obersten Reichsgewalt stehenauf dem Gebiete der kulturellen Vervollkommnung aber und der reinen Wissenschaft soll man die nationalen Forderungen ungestört zu ihrem Recht kommen lassen. Aus der allgemeinen Reichsgesetzkompetenz müßten da bei einzelne Teile ausgesvndert und der Kompetenz der verschiedenen Nationen überlassen

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