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KC-Blätter · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · p. Seite 407

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 407 (sequence 25)
Language
German
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407 es uns überhaupt zurückweisen? Kann es, wenn sich das deutsche Wesen und das jüdische Wesen beide klar erschauen, eine Trennung geben? Ich sage: niemals! In dieses starke Herz Europas sind wir hineingezogen mit dem Blute, aus dem diese alte Welt sich erneuern will. Wir entschließen un§ nicht, wir wählen nicht, wir leben die Entscheidung. Das Reich ist wieder nahe herbeigekommen und unsere Wahl ist Gottes Wahl. $ $ Der Weltkrieg und die soziale lkultur. Bon Dr. Arnold Lazarus lBiadrinae-Darmstadt) -Frankfurt a. Main. Es mag dreist erscheinen, nachdem schon unendlich viel über den Weltkrieg geredet und geschrieben worden ist, noch einmal das Wort zu dem Thema zu ergreifen. Eine Berechtigung hierzu mag darin gefunden werden, daß wir heute mehr und mehr geneigt und gehalten sind, die Zeit nach dem Kriege ins Auge zu fassen. Bisher wurde von ihr noch weniger gesprochen. „Was wird sein?" Das ist die Frage, mit der jetzt die Optimisten wie die Pessimisten, ein jeder nach seiner Art, beginnen, sich abzuquälen. Welche von diesen beiden Gruppen, die uns Günstiges prophezeien oder die eine schwarze Zukunft' ausmalen, hat recht? Ich meine, wir müßten diesem Problem begegnen mit der Widerfrage: „Was war vorher?" Dabei handelt es sich nicht um die Tatsachen oder Behauptungen, die uns in den verschiedenen Weiß-, Rot- und Blaubüchern — es gibt bereits eine ganze Regenbogenliteratur dieser Art — aktenkundig gemacht worden sind. Nicht die äußeren Gründe, sondern einiges von den inneren Ursachen dieses großen Krieges gilt es hier auszudecken. Er selbst erscheint uns als ein grollendes Gewitter, das sich mit elementaren Kräften über unfern Häuptern entlädt. Aber ihm ging ein Wetterleuchten vorauf, dessen fahler Schein wieder und wieder weithin den Horizont unseres Seins in grellem Aufzucken überstrahlt hatte. Wir hatten schon vorher alle das Gefühl, an einem Wendepunkt der Zeiten zu stehen. Die „Umwertung aller Werte" wollte sich vor unfern Augen vollziehen. Der alte tragische Gegensatz zwischen dem Seienden und dem 'Seinsollenden, der das Herz des Menschen ewig auswühlt, wurde als allzu stark empfunden. Er verlangte dringend nach einem Ausgleich. Die so bewirkte Zerrissenheit unserer Kultur, der das einheitliche, zusammenhaltende Band fehlte, war aber am schärfsten zu erkennen in der Zuspitzung der wirtschaftlichen und sozialen Gegensätze der Klassen und der auf solchem Grunde sich bildenden politischen Parteien. Besitz und Nichtbesitz ließ die Massen in Gruppen auseinanderfallen, daß sie in schierunüberbrückbarer Zerklüftung ihre egoisttschen Interessen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vertraten. Unpersönliche Gewalten, denen der Mensch sich fügen mußte, regierten in diesem letzten. Jahrhundert. Der Markt mit Angebot und Nachfrage, die wirtschaftliche Lage, vor allem das Geld herrschten mit unerbittlicher Tyrannei. Die Technik, deren gewaltige und gewaltsame Steigerung in derselben Zeit mit 'lebhaftestem Staunen von uns erfahren wurde, drückte obendrein das Persönlichkeitsbewußtsein, das höhere Empstnden des Menschen erst recht herab. „Wir lebten nicht, wir wurden gelebt", um im Sttl einer bekannten Formel zu reden. Unserm modernen Leben fehlte die tiefere Grundlage, das unmittelbare Verhält-. nis zu den großen Fragen des Daseins. Wir ermangelten einer einheitlichen großen Bestimmung unserer Existenz. Die Kulturwelt glich einem brodelnden „Kessel", in dem heterogene Elemente sich eher flohen als sich zu mischen trachteten. Diese auf ihr lastende Spannung kam nun zum schrillen Ausdruck im Konflikt der am Weltkrieg beteiligten führenden Nationen. Wirtschaftliche Momente sind auch da letzten Endes die treibenden Faktoren der Polittk. Und dann welch schroffe Gegensätze in der kulttlrellen Geartung dieser Völker! Sie können hier nur mit einem kurzen Wort angedeutet werden. Rußland und Frankreich erscheinen, das eine als Vertreter einer brutal-materialistischen, das andere als Typus einer gewissermaßen liebenswürdig-materialistischen Kultur. Englands Kultur, sofern sie nicht überhaupt nur als Zivilisation anzusprechen ist, stellt eine Mischung dieser beiden Elemente dar. Und Deutschland? — Es schwebte in der gleichen Gefahr. Die idealistische Grundstimmung im Leben seiner Bewohner drohte zu schwinden. Was aber hat unser Vaterland vor dieser Gefahr bewahrt? Seine starke soziale Kultur! Sie trat am hellsten in Erscheinung, als der Weltkrieg, als die Not des Vaterlandes mit einem Schlage die ttefsten Gegensätze, die uns trennten, überbrückte und jene wuchttge, geschlossene Einheit schuf, in der unsere beste Kraft sich vollauf bewährt. Dieser Geist wurde nicht erst im Augenblick der höchsten Gefahr geboren. Diese Mächte hatten — trotz allem — in unserer Mitte gelebt. Es ist kein Zufall, daß gerade in Deutschland die der Zahl nach bedeutendste polittsche Partei, die Sozialdemokratie, eben die heiß ersehnte und viel umstrittene Lösung des alten Menschheitsproblems, die soziale Frage, auf ihr Panier geschrieben hatte. Bon ihrer Arbeit und ihrem Mühen berührt, suchten fast durchgängig auch alle andern Parteien des Reiches, jede in ihrer Art, einem nähern oder fernern Ziel solcher Lösung zuzusteuern. Von gleichem Geiste war auch unsere Regierung getragen. Ihre gegenüber /

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