KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 399 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Es geht mir hier ausgezeichnet. Denke Dir, Speierlein, wir schlafen hier in richtig gehenden Betten und effen an einem normalen Tisch. Vorgestern bekam ich zum ersten Male K.C.- Blätter zugeschickt, und zwar sämtliche Nummern von Kriegsbeginn an. Mit Stolz sah ich da auch meinen Namen unter so vielen „Leuchten der Wissenschaft" verzeichnet. Wenn der Krieg nicht gekommen wäre, so hätte ich mich jetzt auch nach einer Studentenbude umsehen müssen, so aber will ich vorläufig bloß mit dem Bajonett sondieren und mit der Büchse Arznei eingeben. Für heute, mein lieber Paul, muß ich Schluß machen. Schreibe, bitte, recht bald wieder und sei vielmals gegrüßt von Deinem Georg Karger. 12. Mai 1915. Lieber Bier! Heute erhielt ich zum erstenmal die K.C-Zeitung im Felde. Nachrichten vom Verbände habe ich immer schon gewünscht. Du kannst Dir die Freude vorstellen, mit der ich alles durchgetesen habe. So kommst Du zu diesem Briefe von mir, denn als mein Fuchsmajor kannst Du wohl verlangen, daß ich Dir schreibe. In diesen Zeiten ist es ja erlaubt, von sich selber zu sprechen. Als Kriegsfreiwilliger meldete ich mich in H. bei den Pionieren, wo ich zeitweilig als einziger Jude, immer als einziger K. C.er war. Mein Bestreben ging dahin, soweit angängig, meine Kameraden mit unserem K.C.-Standpunkt vertraut zu machen. Auf dem Transport nach Rußland erkrankte ich; mein Hauptmann, oer mir sehr wohl wollte, schob das auf den Dienst, dem ich nach seiner Ansicht nicht gewachsen sei. Er rief mich zu sich und sagte mir, er wisse, daß es mir unangenehm wäre, wieder in die Garnison zurückgesandt zu werden; er habe einen leichteren Posten für mich, und zwar als Schreiber beim Divisionsstab. Dort blieb ich denn 3 Wochen. In H. meldete ich mich dann wieder freiwillig zu einem Trupp, der als Nachersatz nach Frankreich kam. So mache ich hier seit mehr als 3 Monaten Dienst, mal im Schützengraben, mal außerhalb desselben am Drahthindernis, mal in schwindelnder Höhe, mal tief in der Erde. Da befinde ich mich augenblicklich wieder: mein Tisch ist ein Minenbrett, mein Bett sind zwei Minenbretter, mein Kopfkissen ein Sandsack. Es gelang uns vor einigen Tagen, einen Minengang des Feindes zu sprengen. Die Wirkung der Sprengung habe ich heute nacht beobachtet. Erschwert wurde dieser Gang dadurch, daß ein in der Nähe befindlicher Teich durch die Erderschütterung ausgelaufen ist und sowohl unseren, als auch den feindlichen Stollen „ersäuft^ hat. So trabte ich los, tastend mit einem Stocks daß ich auch noch Boden unter mir fände; denn solche Sprengungen reißen tiefe Löcher. Ich kehrte mit der Meldung zurück: der Feind arbeitet noch, die und die Teile unseres Schachtes sind zerstört und müssen erneuert werden. Unser Zugführer wurde auf Grund meiner Meldung sofort heroeigerufen und trat mit mir auf einem gangbaren Weg die Reise nach dem angegebenen Punkt an, wo ein stärker gewordenes Geräusch meine Meldung bestätigte. Jetzt heißt es „Ohren auf", damit uns nicht das Gleiche mit Gleichem vergolten wird. Wie geht es Dir? Hast Du anstrengend zu tun? Es grüßt Dich Dein Ko. Felix Levy (Sprev.) Bor P..., den 12.5.15. Lieber Mainzer! Mit großer Freude erfüllte mich die Zusendung der K.C.- Llätter. Ich bin im Kriege so ganz außer Fühlung (wenigstens persönlicher) mit den meisten K. C.ern geraten, daß mir die Blätter eine hochwillkommene Gabe sind.. Mir selbst geht es gut. Du wirst von meinem Vetter erfahren haben, daß ich den Anfang des Krieges in Frankreich mitmachte. Am 25. August wurde ich im Gefechte bei H.verletzt (Granatsplitter am linken Unterarm). Durch Zufall kam ich auf den Verbandplatz eines bayerischen Truppenteils, wo Lorenz Lehmann, dessen tragischer Tod mich tief erschüttert hat, als Samariter seines Amtes waltete. Da meine Wunde äußerlich nicht sehr gefährlich aussah, hielt es Lorenz für nötig, mich als K. C.er sofort, nachdem er mich verbunden hatte, zur Front zurückzuschicken. Leider war die Verwundung denn doch ernsterer Natur, so daß mich unser Stabsarzt, nachdem er wochenlang mich mit allen möglichen Mitteln fruchtlos behandelt hatte, ins Lazarett nach Metz schickte, wo ich sechs Wochen lag. Ende Dezember kam ich wieder ins Feld nach Rußland. Zuerst lag ich an der Bzura, dann an der Rawka, um endlich in den Schützengräben vor Pr... zu landen. Hier haben wir es zurzeit herrlich. Wir wohnen in einem Luxusschützengraben mit prachtvollen Unterständen, sind wunderbar verpflegt und haben, Gott sei Dank, nicht unter Artilleriebeschietzung zu leiden. Die Ruffen liegen an manchen Stellen nur 40—50 Meter von uns entfernt und werden von uns recht schikanös mit Handgranaten usw. „behandelt". Nachts schießen die Kerle wie wahnsinnig, da sie offenbar einen Angriff befürchten, wogegen wir zur selben Zeit ruhig schlafen, von dein Satze ausgehend, daß „die Ruffen nicht kommen, solange sie schießen". Tagsüber ist es dagegen sehr ruhig, und wir liegen hinter unserem Schützengraben bei herrlichem Wetter im Wald und halten da Pikniks ab, ja baden sogar! Letzteres ist in Anbetracht der russischen Bundesgenoflen (Läuse!) sehr nötig. K. C.er treffe ich gar keine. Karl Elsaß steht bei einer Munittonskolonne unserer Division; ich kann ihn aber nicht treffen, da die Kolonne zu weit entfernt ist. Dagegen habe ich sonst ein paar sehr nette Freunde in der Kompagnie und komme auch nnt den Offizieren recht gut aus. Wir Juden haben es in diesem Feldzuge auch verdient, gleich behandelt zu werden mit unseren Kameraden! Ich hoffe besttmmt, daß.der Krieg dem K.C. ein gut Teil seiner Aufgabe erleichtern wird. Dieser Gedanke läßt mich alle Mühen des russischen Feldzuges gern ertragen. Freilich die große Aufgabe der Selbsterziehung wird der K.C. noch lange, lange Zeit durchführen müssen. Mit bundesbrüderlichen Grüßen Dein Jakob Adler (Bavariae). 15.4.15. Lieber Alex! Damit Du siehst, daß ich noch lebe, bringe ich mich wieder einmal in Erinnerung. Bon den verschiedenen Bundesbrüdern höre ich, mit Ausnahme von meinem Leibfuchsen Sender, gar nichts. Desto mehr freue ich mich auf die K. C.-Blätter, die sich gerade jetzt als äußerst angenehm erweisen. Herzliche Grüße- Dein Joseph Alttnann. Liebe Keddosine! Jetzt ist es Dux endlich gelungen, einen Verbandsbruder zu treffen, und wir nehmen bei diesem zufälligen Zusammentreffen Gelegenheit, an unsere liebe Verbindung zu denken und ebenso an Sie, liebe Bundesschwester, als Verweserin. Auch ich bin gleich froh, einen regelrechten Viadrinen getroffen zu haben, und grüße recht herzlichst Ihr Bb. Erich Auerbach. Sehr verehrte Keddosine! Die Freude können Sie sich vorstellen, als ich heute früh zufällig Auerbach traf. Auerbach war der erste, der mir zu meiner neuen Auszeichnung gratulierte. Heute früh erhielt ich von Seiner Exzellenz von Lindequist überreicht: »Die Preußische Rote-Kreuz-Medaille 3. Kl." für Verdienste um die freiwillige Krankenpflege im Felde. Nun staunen Sie...