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KC-Blätter · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · p. Seite 397

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 397 (sequence 15)
Language
German
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397 Der Verfasser führt nun aus, wie es das ausschließliche Bestreben aller französischen Staatsmänner der letzten 44 Jahre war, den Revanchekrieg vorzubereiten. Weil die Republik fühlte, daß sie allein zu schwach war, um den mächtigen Gegner mit Erfolg anzugreifen, so leitete sie eine Bündnispolitik ein, die sie mit äußerster Geschicklichkeit durchführte Es gelang ihr nicht nur, die Entente mit Rußland und England zu schließen, sondern die französische Diplomatie wußte auch die mitunter geradezu bedrohlichen Gegensätze zwischen diesen beiden Staaten auszugleichen, und sie sah ihre Bemühungen im Jahre 1907, dem Geburtsjahre der Tripleentente, mit vollem Erfolge gekrönt. Gleichzeitig begann man, den Dreibund zu unterminieren: In der Mittelmeer- und der nordafrikanischen Frage wurde das italienische Königreich durch Sonderverträge an den Dreiverband gekettet. Daß man in Rom diese Verpflichtungen als bindender erachtete wie die mit dem Dreibund 'eingegangenen, haben die Ereignisse der letzten Wochen gezeigt. Aber so leichten Kaufes kam Frankreich bei seinem Werben um Bundesgenossen doch nicht davon. Es geriet in eine immer größere Abhängigkeit zu seinen Freunden, England und Rußland. Vor allem wußte den blinden Hatz des französischen Chauvinisten die kühle Berechnung des englischen Geschäftsmannes auszunutzen. Und so ist denn Frankreich allmählich der Trabant Englands geworden. Das hat nun auch der bisherige Verlauf des Krieges bewiesen, in dem die Republik militärisch und wirtschaftlich die schwersten Opfer zu bringen hat und doch nicht einmal mehr Herr im eigenen Hause ist. Nachdem der Verfasser in klarer, aber lebhafter Darstellung, deren logischer Aufbau besonderes Lob verdient, den Gegensatz zwischen Deutschland und Frankreich, der die ersten lieferen Ursachen des Völkerkrieges in sich birgt, vorgeführt hat, schließt er mit der — vielleicht etwas stark utopistischen — Hoffnung, daß, „wenn Frankreich auf die Revanche und die »preponäerance legitime" ehrlich und für immer verzichtet und Deutschland als gleichberechtigte Macht in Europa und der ganzen Welt anerkennt, der Jahrhunderte alte deutschfranzösische Gegensatz einem friedlichen Zusammenarbeiten Platz machen könnte". Die Platzhoffsche Schrift unterscheidet sich durch ihren wissenschaftlichen Wert von dem vielen, was in dieser Zeit auf dem Bücherrnarkte zu finden ist. Sie wird dem, der die Grundstimmungen der kriegführenden Staaten, deren Kenntnis allein das Völkerwirrwarr enträseln kann, zu erforschen trachtet, außerordentlich viel Wissenswertes bieten. Kurt Alexander. Die studentische Wohnungsfrage in Vergangenheit und Gegenwart von Dr. Fritz Elsas; Stuttgart 1914; Verlag von Kohlhammer. Preis M. 1,50. Schon seit längerer Zeit befassen sich die akademischen Kreise in besonderem Matze mit der studentischen Woh. nungsfrage. Der Verfasser der vorliegenden Arbeit hat nun in erfreulicher Weise eine kurze zusammenfassende Darstellung dieses Problems der Oeffentlichkeit übergeben: Zunächst bietet Elsas eine Uebersicht über die Wohnungsfrage der Vergangenheit, beginnend mit der Schilderung der sozialen Verhältnisse der Studentenschaft bis zur Reformation. Dem religiös-klösterlichen Charakter der vorreformatorischen Zeit entsprechend wurde die Lebensweise der „Scholaren" durch Vorschriften von seiten der Universität bis ins Kleinste geregelt; sie mutzten in sogen, „Bursen" wohnen, „in gemeinschaftlichen Wohnungen mehrerer Studierender unter Aufsicht eines Magisters oder Baccalaureus der Künste. In diesen Bursen — für Arme bestanden sogen. „Koderien" (Armenbursen) — war die Zeit des Aufftehens,des Schafengehens, der Mahlzeiten, Kleidung, Unterricht, Repetitionsstunden genau vorgeschrieben; und nur der galt als Student, der in der Burse wohnte, schlief, aß und disputierte. Mit der Reformation und dem Humanismus trat nun eine völlige Umwälzung in der Lebensordnung der Scholaren ein: an Stelle des Bursenzwanges trat das Einmieten des Studenten in Bürgerhäusern, die Einzelbude, wodurch der Student frei wurde von obrigkeitlichem Zwang und Aufsicht; mit dem Verfall des Bursenwesens begann somit die „akademische Freiheit". Im vergangenen Jahrhundert nahmen nun die Universitäten und Hochschulen einen großartigen Aufschwung, der bis in die Gegenwart anhält. An der Hand preußischer und Prager Statistik führt nun der Verfasser die wirtschaftlichen Verhältnisse der Studentenschaft vor Augen. Die Erhebungen in Prag ergaben, daß nahezu die Hälfte der Studierenden (46,3%) monatliche Einkünfte hatte, welche nicht genügen konnten, die Ausgaben für die notwendigen Lebensbedürfnisse zu bestreiten; eine Folge dieses Mangels an Mitteln ist, daß bei Hunderten Studenten Wohnungsverhältnisse vorliegen, die geeignet sind, ihre Gesundheit dauernd zu schädigen. Auch ergab sich, daß Studierende für ihre Wohnungen durchschnittlich 40% über dem allgemeinen Durchschnitt zu bezahlen haben. Die Ergebnisse der Prager Untersuchungen veranlaßten nun auch die deutschen Studenten und Professoren, sich näher mit der studentischen Wohnungsfrage zu befassen. Hierbei zeigte sich, daß auch in Deutschland der Preis der Wohnungen im Verhältnis zu dem Gebotenen zu teuer ist. Der Verfasser macht nun auf die wesentlichen Gesichtspunkte aufmerksam, betont die Mängel der Einrichtung der Buden und die dadurch hervorgerufene Ungemütlichkeit derselben (Budensurcht!) und kommt zum Ergebnis, daß die Wohnungsverhältnisse unserer Studentenschaft durchschnittlich in gar keiner Weise den Anforderungen entsprechen, die eine Berufsgruppe von der kulturellen und sozialen Bedeutung der Studentenschaft mit ihren kulturellen und sozialen Verpflichtungen für die Befriedigung ihres Wohnungsbedürfnisses zu stellen hat. Der Verfasser zeigt nun die Mittel und Wege zur Abhilfe der bestehenden Mißstände. In erster Linie empfiehlt Elsas die Errichtung von Wohnungsämtern, die die Aufgabe haben, den Studierenden die Wahl ihrer Wohnungen zu erleichtern, vor allem aber bessernd auf die Wohnungsverhältnisse einzuwirken, Errichtung einer Wohnungsinspektion und Beratungsstelle für Innenausstattung, Herausgabe eines Wohnungsanzeigers, der in sämtlichen Instituten autzuliegen hat, Ausstellung eines Normalmietvertrages und Zentralisierung der Wohnungsvermittlung (etwa durch Anlegung eines „Grundbuchs für Studentenwohnungen"). Daneben fordert der Verfasser die Errichtung von Studenten-(Aufenthalts-) und Wohnungsheimen, und daß auch' in den Hochschulen selbst Aufenthaltsräume (Lesezimmer usw.) geschaffen werden. Endlich will der Verfasser Maßnahmen getroffen sehen zur Verbesserung der sozialen Lage der notleidenden Studentenschaft. Beizupflichten ist dem Verfasser auch darin, daß er die Belastung der Tätigkeit des akademischen Wohnungsamtes mit Aufgaben sittlicher Art bekämpft. In der Anlage fügt der Verfasser noch den vom Wohnungsamt der Universität Berlin herausgegebenen Normalmietverirag (mit seinen bedauerlich vielen Fremdwörtern) und zwei Fragebogen an. Es wäre zu wünschen, daß dieses treffliche Büchlein in den weitesten Kreisen Verbreitung fände. Justizreferendar Richheimer, Stuttgart. * *

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