KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 5 (Mai 1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 396 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Und nach dieser Richtung möge es nachhaltig fortwirken, auch wenn einst der Friede geschlossen ist und die Welt ihr altes Gesicht wieder zeigt. F. G. Wenn es gilt fürs Vaterland! Ein Kriegsbüchlein für Studenten. Merlin 1915. Verlag Ernst Siegfried Mittler 8- Sohn, Königliche Hofbuchhandlung). In den letzten Jahren war es in gewissen Kreisen Mode geworden, verächtlich über den deutschen Studenten, vor allem über den Korporationsstudenten, zu reden. Man hat über ihn und sein Treiben gespöttelt und gelächen. Aber die Spötter mutzten verstummen ob des Anblicks, den ihnen unsere jungen Akademikex zu Beginn des Krieges boten. Durchglüht von dem Feuer einer edlen Begeisterung, getragen von dem grotzen Freiheitsgedanken, der seit einem Jahrhundert das leuchtende Gepräge unserer Hochschulen bilden, verliehen unsere Musensöhne Bücher, Kneipe und Pauksaal, um ein anderes Studium zu treiben, andere Lieder zu singen und eine andere Klinge zu schlagen. Ohne die Eigenart unseres Studentenlebens wäre eine solche jubelnde Begeisterung, die zu jener „heiligen Freiwilligkeit treibt, durch die der Mensch sich selbst für den Opferdienst am Vaterland bestimmt", nicht möglich gewesen. Unser deutsches Studentenideal verteidigt auch das vorliegende Schriftchen. ' „Ein Kriegsbüchlein für Studenten" wird es genannt. Es soll unserer akademischen Jugend drautzen im Feindesland unter dem Getöse der Waffen für eine kurze Spanne Zeit geistige Erholung und Erfrischung gewähren. So werden in ihm auch nicht tiefe Probleme aufgerollt. In kurzen, markigen Worten schildern 24 kleine Aussätze und Gedichte die Ursachen der deutschen Kraft, der deutschen Siege. Männer der Kanzel und des Katheders, die mit dem Hochschulleben stets in Berührung gewesen sein müssen, suchen die Fragen zu beantworten, „auf die der forschende Verstand und die suchende Seele der Kämpfenden Antwort heischten". Aus jedem Satze spricht die Begeisterung für die grosse Sache des Vaterlandes; nicht die Begeisterung, die sich in stolzen Worten kundtut, sondern die, die einer tiefinnerlichen, wohlgefestigten Ueberzeugung entspringt So wird z. B. in dem Auffatz „Deutschlands Menschheitsberuf", wohldem besten des ganzen Büchleins, treffend dargetan, was deutsche Art ist: „Weil von Deutschland am wenigsten Mihbrauch seiner Macht zu fürchten ist, weil es die Fähigkeit besitzt, fremde Volksseelen zu verstehen und so Erzieher und Lehrer, der erste Diener der Völker zu werden, darum gebührt ihm die Weltgeltung, um die es jetzt blutig ringen muß". — In „Ver sacrum" schildert Universttätsprofeffor Deitzmann die gigantische Kraft, die Deutschlands Jugend erwiesen hat, als sie aus freister Entschließung zuHunderttausenden: „sechs Kaiserprinzen, hunderttausend Proletariersöhne, Adel und Volk, alle Falkultäten, alle Berufe, alle Stämme, alle Konfessionen" ihre blühende Zugend und ihre ganze Zukunft dem Vaterland auf Leben und Tod gewecht haben — In anderen Aufsätzen werden Begriffe, die nur das studenttsche Leben berühren — z. B. in den Arbeiten „Studentischer Korporattonsgeist" und „Studentische Romantik — einer Untersuchung unterzogen und es wird gezeigt, welchen bedeutsamen Einflutz all diese Faktoren zur Stunde ausgeübt haben. — Man mag es vielleicht nicht billigen, datz in einzelnen Beiträgen der christliche Glaube allzusehr betont wird; doch muh zugegeben werden, datz aus vielen anderen Auffätzen Töne herausklingen, die nicht durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession entstanden sind, sondern aus denen ein grosser, allumfassender Glaube spricht. Das Büchlein wird sicherlich seinen Zweck erfüllen. Es wird unseren Kommilitonen, die für des Vaterlandes Ehre die Waffen ergriffen haben, Ursache, Wesen und Zweck ihres Tuns veranschaulichen; es wird ihnen aber auch, da es in ihnen die Erinnerung an die herrlichen Zeiten im Kreise der Freunde wachhält, die Kraft geben, die nöttg ist, um durchzuhalten in diesem blutigen Ringen, bis der deutsche Aar zum Siegesfluge sich erhebt. Kurt Alexander. Deutschland und Frankreich. Von Dr. Walter Platzhoff, Prrvatdozent an der Universität Bonn. lA Marcus und E Webers Verlag svr. iur. Albert Ahnj Bonn). Uns allen ist wohl in diesem Kriegsjahr, in dem ein Feind nach dem andern wider uns ausstand, und wir uns vergeblich nach einem Freunde umschauten, die Frage nach dem Gegensätze zwischen uns und den anderen aufgesttegen. Es liegt auf der Hand, datz nicht ein einzelnes, flüchtiges Ereignis die Spannung heraufbeschworen hat, sondern, dass ihre Ursachen unendlich viel tiefer liegen, datz sie mitunter Jahrhunderte weit zurückreichen. So wird in der vorliegenden Schrift, die den Gegensatz zwischen Deutschland und Frankreich behandelt, dargetan, datz der Antagonismus zwischen den beiden benachbarten Völkern so alt ist wie sie selbst. Der Vertrag von Verdun, geschloffen im . Jahre 843, schuf den Zankapfel. Zwischen das Ostreich Ludwigs des Deutschen und das Westreich Karls des Kahlen wurde das Mittelreich gestellt, das nach seinem zweiten Beherrscher den Namen Lotharingien erhielt. „Mit der Hauptstadt Aachen erstreckte es sich als ein langer, schmaler Streifen von der Nordsee bis nach Burgund und zum Mittelmeer." Um dieses Zwischenreich entbrannte der Kampf, der nun schon über ein Jahrtausend andauert. Das Sehnen nach der Rheingrenze wurde im französischen Volke immer stärker, je mehr sich die Auffassung Bahn brach, datz das jetzige Frankreich nur eine Verstümmelung des grotzen, wahren Frankreichs sei. Datz der Hatz gegen die deutschen Barbaren nicht ein durch das Geschrei neuzeitlicher Kriegshetzer erzeugtes Gefühl ist, das mögen die von dem Verfasser angeführten Worte des Historikers Suger aus dem 12. Jahrhundert beweisen, die dieser anlätzlich des Einfalles Heinrichs V. in die Champagne geschrieben hat: „Ziehen wir den Deutschen kühn nach in ihr Land, damit sie sich bei ihrer Rückkehr nicht ungestraft rühmen, sie hätten Frankreich betreten, die Herrin der Länder. Sie wollen den Lohn der Frechheit nicht in unserem, sondern in ihrem Lande empfangen, das kraft fränkischen Königsrechts von den Franken oftmals bezwungen und ihnen untertan ist.... Dian möge sie ohne Erbarmen hinschlachten wie Heiden und die Leichen der Barbaren den Wölfen und Raben vorwerfen ohne Grab." Mit dem Verfall des deutschen Reiches beginnt das Vordringen Frankreichs: 1735 war ganz Lothringen einverleibt, 1707 die Rheingrenze erreicht, und 1807 erreichte die Expansionspolitik der grande nation in dem Siegeszug Napoleons, der ihn bis Memel führte, ihren Höhepunkt. Während der Deutsche zunächst zu sehr in kosmopolitischen Anschauungen befangen war, um die Schmach über die Verletzungen zu empfinden, die Frankreich dem Lande zufügte, entflammte um die Wende des Jahrhunderts gerade der Druck der Fremdherrschaft das Nationalgefühl und lietz einen glühenden Hatz gegen die Tyrannen entstehen. In den Befreiungskriegen begann das erwachende deutsche Volk unter Preutzens Borantritt die Wiedereroberung der verlorenen Gebiete. Während 1814 den berechtigten Forderungen Preutzens nach der Herausgabe des Elsatz nicht Rechnung getragen wurde, erfüllte der Frankfurter Friede die alte Sehnsucht der deutschen Patrioten. Der deutsche Teil des ehemaligen Zwischenreiches — vor allem Stratzburg — wurde wieder deutsch. Damit war die Hegemonie Frankreichs in Europa gebrochen. Aber es war vorauszusehen, datz das französische Volk diese „Kränkung" nicht verwinden würde.