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KC-Blätter · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · p. Seite 395

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 395 (sequence 13)
Language
German
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395 briefe ...." eine Ausnahme gelten lassen müssen, wenn man bedenkt, dass die berufsmäßigen Judenhasser sich nicht entblöden, auch in dieser Zeit Pamphlete, selbst gegen die im Felde stehenden jüdischen Soldaten zu verbreiten. Als Waffe im Kampfe gegen den Antisemitismus wird man daher das Büchlein auch schon während des Krieges willkommen heißen dürfen. Da der Herausgeber die Tatsachen für sich sprechen lassen möchte, offenbar Beiträge.quellenmäßiger Verwertbarkeit liefern will, ist es aych nur zu loben, daß die Briefe soweit ungekürzt und unbearbeitet wiedergegeben werden, als sich dies nur eben mit militärischen und familiären Rücksichten vereinen ließ. Daß dabei auch vieles unterläuft, was belanglos oder nur von jüdisch-partikularistischer Bedeutung ist, mag zwar den Wert der Sammlung als Kunstwerk beeinträchtigen, aber ein solches zu liefern ist ja auch nicht der Zweck des Büchleins. Mit dieser Einschränkung wird man sich dessen freuen dürfen, was es uns an positiven Werten bringt. Da zieht sich vor allem, abgesehen von der starken Betonung des religiösen Gedankens, wie ein roter Faden durch das ganze Buch die hohe sittliche Idee, die den jüdischen Soldaten leitet. Er liebt den Frieden und verabscheut rohes Blutvergießen, Abenteurerlust nnd Freude am Kampf an sich liegen ihm meist fern, aber: das Vaterland ist in Gefahr, kann nur gerettet werden, wenn alle bereit sind, auch ihr Leben für es hinzugeben, also ist er bereit und wagt das Aeußerste. Üeberall ist es die „doppelte Pflicht", die es zu erfüllen gilt! Nicht allein, daß Deutschland, sein Vaterland, heißt ihn sein Leben in die Schanze schlagen, als Jude hat er noch mehr als seine Pflicht zu tun; denn nun hat die Stunde geschlagen, da der deutsche Jude durch die Tat beweist, daß er ein Deutscher ist, so gut, wie nur immer seine christlichen Mitkämpfer auch. Heißt es „Freiwillige vor!", da fehlt auch der Jude nicht, und begreiflich ist der Stolz eines Briefschreibers, „daß er sofort als einziger Unteroffizier vorgetreten", um sechs aufgegebene Munitionswagen im Dunkel der Nacht aus dem vom Feinde besetzten Gelände herauszuholen. „Na, das Märchen von der jüdischen Feigheit habe ich wenigstens für unser Regiment wohl gründlich zerstört. Und wenn mir kein anderer Lohn wird, so ist mir dies Bewußtsein überreichlich genug" (S. 27». Oder: „Acht Freiwillige vor! Ich sprang vor und sonst keiner. Der Hauptmann drückte mir die Hand. Ich kroch auf allen Vieren vor." iS. 24). Oder: „.... Freiwillige vor! Ins Dorf, ob franzosenrein. Mein Leutnant und sechs Mann (drei Juden) als Freiwillige. Meinem Leutnant, einem feinen Kerl, gehe ich nicht von der Seite, also mit..." (S. 7». Dabei ist von Ruhmredigkeit nirgends eine Spur, eher eine geradezu rührende Bescheidenheit, die erst dann von einer besonderen Tat zu berichten gestattet, wenn die Verleihung des Eisernen Kreuzes die Erklärung für die Lieben daheim verlangt. „All , dies empfand ich als nichts Besonderes, aber es genügte der Division, mir das Eiserne Kreuz zuzuerkennen" (S. 119 >. Es würde den Rahmen einer kurzen Besprechung überschreiten, wenn ich über jeden bemerkenswerten Gedanken, der in den Kriegsbriefen zum Ausdruck gebracht wird, hier im einzelnen berichten wollte, es sei nur noch ein Wort über das Verhältnis der jüdischen Soldaten zu den jüdischen Einwohnern des okkupierten Feindesgebietes gestattet, das unsere Antisemiten, so klar ihre Böswilligkeit hierbei auch zutage treten würde, als Fraternlsieren mit dem Feinde und als Zeichen der Jnternationalität des Judentums auszulegen sich nicht entgehen lassen werden. Der unbefangene Beurteiler dieser Briefe wird es jedoch nur als natürlich empfinden, daß in den russisch-polnischen Landesteilen — um diese handelt es sich durchweg — die messt streng religiöse jüdische Bevölkerung, die, unter amtlicher Förderung der deutschen und österreichischen Heeresleitung, die einrückenden Deutschen und Oesterreicher nicht als Feinde, sondern als Besnier von dem schmachvollen russischen Joch begrüßt, nun die jüdischen Soldaten unter-ihnen besonders liebevoll aufnimmt; betrachtet doch der orthodoxe Jude es geradezu als ein Gott wohlgefälliges Werk, seinen fern der Heimat weilenden Glaubensgenossen, besonders an den Feiertagen, durch Gewährung der Gastfreundschaft die Jnnehaltung der Religionsvorschriften zu ermöglichen. Daß dann unfern wackern Feldgrauen jüdischen Glaubens, besonders soweit sie selbst noch orthodox gesinnt oder erzogen sind, diese gastliche und von Herren kommende Aufnahme mitten in Feindesland ein Stück heimatlichen Herdes zu bereiten scheint, ist eine so natürliche und harmlose Erscheinung, daß es keiner weiteren Verwahrung bedarf. Alles in allem wird die Sammlung der/Kriegsbriefe" dem weiten Kreise aller derer zu empfehlen sein, die für die Erlebnisse, das Verhalten und die Gesinnung der jüdischen Heeresangehörigen im gegenwärtigen Kriege besonderes Interesse haben. Wenn nach dem Kriege, wie leider vorauszusehen, unsere Parteiantisemiten versuchen werden, die breite Bresche wieder auszufüllen, die der Krieg in die anttsemittschen Vorurteile der Massen, besonders der Mitkämpfer, geschlagen hat, so werden wir den „Kriegsbriefen" wertvolle Waffen entnehmen können, um die Bresche nicht nur zu behaupten, sondern auch zu erweitern. Rechtsanwalt Mayer (Licariae, Rhenosilesiae). Die Psalmen. Herausgegeben von vr. B. May und S. B. Levy, Frankfurt a. M. (Rödelheim). Druck und erlag von M. Lehrberger & Co., 1915. (In zwei Ausgaben, deren eine den hebräischen Text nebst deutscher Uebersetzung, deren andere nur letztere enthält. Es ist zweifellos ein guter und glücklicher Gedanke, gerade in der schweren Zeit des Krieges eine Ausgabe der Psalmen in handlichem Formate zu veranstalten, die den Soldaten ins Feld geleiten kann. Kennzeichnend war ja für den Geist unseres Heeres die Tatsache, die Aufsehen und Bewunderung in aller Welt erregte, daß es gerade die wertvollsten und gedankenreichsten Werke der Literatur sind, die sich in den Tornistern unserer Krieger finden. Und so ist nicht nur zu hoffen, sondern auch anzunehmen, daß dieses Büchlein, das einen der kostbarsten Teile der heiligen Schrift enthält, bald ein treuer Kamerad der jüdischen Soldaten geworden sein wird. Zum Ruhme der Psalmen etwas zu sagen, ist gewiß überflüssig. Ihre tiefen Gedanken, ihr erchÄender Trost werden ebenso wie den Geschlechtern der Vergangenheit auch dem von heute Aufrichtung und seelische Erquickung gewähren, und ihre unendliche Mannigfaltigkeit wird jeder Stimmung und jedem seelischen Bedürfnis zu genügen vermögen. Die von den Herausgebern hinzugefügten Ueberschriften sind geschickt gewählt, und auch von der Auswahl der Uebersetzungen läßt sich nur Gutes sagen, obgleich man schmerzlich die besten deutschen Psalmbearbeitungen vermißt, die des verewigten M. A. Klausner, eines wirklichen Dichters, dem feines Gefühl für die deutsche Muttersprache ebenso eigen war wie tiefes Verständnis für den Urtext. Es ist dem Büchlein zu wünschen, daß es seinen doppelten Zweck erfülle, daß es zunächst unseren Kriegern eine wahrhafte religiöse Aufrichtung und Vertiefung vermittle und daß es sie aus der grausamen Welt der Wirklichkeit heraus zu idealem Denken und innerem Frieden führe. Dann aber möge es auch dazu beitragen, bei unseren Glaubensgenossen das Verständnis für unser biblssches Schrifttum, den lebendigen Quell unserer religiösen Vorstellungen und unserer Kulturanschauungen aufs neue zu erwecken.

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