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KC-Blätter · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · p. Seite 394

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 394 (sequence 12)
Language
German
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394 Wer immer die Waffen tragen kann, ist draußen im heldenmütigen Kampf gegen den Feind. Und hier im Lande ist alles von dem Gedanken beseelt, dem Vüterlande zu dienen und beizutragen zu seinem endgültigen Siege. Bei so hoch gespanntem vaterländischem Empfinden wird auch dieses Ziel völlig unter dem vaterländischen Gedanken stehen. Es führt uns von selbst zu unserem Kaiserlichen Herrn, der dem deutschen Volk das Vaterland verkörpert. Mehr als je schlagen ihm die deutschen Heiden entgegen und heiße Gebete steigen zum Himmel empor. Gott schütze und erhalte den deutschen Kaiser und laffe ihn siegreich an der Spitze seiner heldenmütigen Armee einziehen in seine Hauptstadt, um dann von neuem die in höchstem Glanze erstrahlende Macht des Deutschen Reiches einzusetzen für den Frieden der Welt. Die Rede schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. Schulrat Sakobielski besprach die Ziele der deutschen Burschenschaft unter Hinweis auf den Ernst unserer Zeit, die viele deutschen Burschenschafter in den Kampf gegen zahlreiche Gegner des Vaterlandes sehe. Der Kaiser sandte auf das an ihn gerichtete Huldigungstelegramm ein in sehr herzlichen Worten gehaltenes Antworttelegramm. Freie vaterländische Vereinigung. Anr 28. Februar fand im Reichstagsgebäude eine Zusammenkunft von etwa 70, den verschiedensten Berufen und Parteien ungehörigen Männern unter Vorsitz von Prof. Dr. Kahl statt. Man beabsichtigte, eine Vereinigung zu gründen, deren Zweck eS sein soll, die großen inneren Errungenschaften des Krieges zu erhalten, um vorzubeugen, daß die Sonderintereffen der einzelnen, der politischen Parteien, der religiösen Richtungen, der Berufe, Stände und Klaffen das Gemeingefühl ungebührlich zurückdrängen. Das Ergebnis der mehrstündigen Beratung war die Gründung einer „Freien vaterländischen Vereinigung". Die Ziele, deren Verwirklichung sich die Bereinigung zunächst angelegen sein laffen will, sind in folgenden Sätzen enthalten: 1. Dem Deutschen darf niemand in der Welt näher stehen, als sein Reichsgenosse. Wer sich dazu bekennt, hat auf die rückhaltlose Anerkennung seiner nationalen Gesinnung Anspruch. Bon diesem Gesichtspunkte aus ist das geltende Recht einer Durchsicht zu unterziehen. 2. Unbeschadet der durch Natur und Kultur gegebenen Gemeinschaftsaufgaben der Völker und Staaten ist die Geschlossenheit des deutschen Volkstums stärker zu betonen und durchzuführen, die Ueberschätzung ausländischer Art abzustellen, Betätigung deutschen Wesens in allen seinen Erscheinungsformen zu pflegen. 3. Alle Aemter sind nicht nur verfaffungsrechtlich, sondern auch tätsächlich den für sie geistig und sittlich Befähigten zugänglich zu machen. An den Gaben der Wissenschaft und Kunst ist allen Kreisen eine gesteigerte Teilnahme zu ermöglichen. 4. Die Anforderungen der nationalen Sicherheit und Wehrhaftigkeit sowie der Fürsorge für die Kriegsinvaliden und die Hinterbliebenen der gefallenen Krieger sind von einem Standpunkt zu prüfen, der ' über die Unterschiede der Parteien hinausragt. 5. Was zur Erhaltung und Steigerung unserer Bolkskraft dient, ist überall zu pflegen und zu fördern. Die in dieser Richtung bereits erprobte, auch der inneren Festigung des Reiches dienende soziale Fürsorge ist bei gebührender Rücksicht auf die Tragfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft stetig fortzuentwickeln und noch stärker im Sinne der Schadensverhütung auszugestalten. Der heimische Boden ist dichter zu besiedeln, seine Ergiebigkeit zu steigern, und die wirtschaftliche Erfahrung der Kriegszeit für die künftige der Erzeuger rote der Verbraucher nu^ar zi?machen. 6. Das Verhältnis zwischen der Regierung und Volksvertretung in der inneren wie der äußeren Politik ist mehr als bisher auf Offenheit und Vertrauen zu gründen und dadurch die Arbeit beider zu heben, zu entlasten und zu vereinfachen. 7. Endlich ist die Einheitlichkeit unseres Volkes auch inr gesellschaftlichen Zusammenleben und im freien Verkehr nicht zu vergessen und durch die Ueberwindung jeder Art von Kastengeist, von Mißtrauen und Gehässigkeit zu betäügen. Die Freie vaterländische Vereinigung will keine politische Partei bilden, sondern sie will nur ein besonderes Organ der öffentlichen Gemeinde sein. Die Bereinigung hat sich, seitdem sie mit ihrem Aufruf im März an die Oeffentlichkeit trat, erfreulich weiterentwickelt. Zwar gestattet der Gang der großen Kriegsereignisse noch nicht, an Einzelarbeit für die kommende Friedenszeit heranzutretendoch hat sich die Sammlung der dem Programm der F. v. B. Zustimmenden im ganzen Reich stetig vollzogen — ganz wesentlich hat sie ihre Mitglieder in den Reihen der Akademiker gefunden —, so daß sich bereits eine Dezentralisation nach den einzelnen deutschen Bundesstaaten und preußischen Provinzen notwendig gemacht hat, und überall die Gründung selbständiger Provinzial- und Landesgruppen eingeleitet worden ist. Die gemeinsame Geschäftsstelle der I. v. B. ist in Berlin W. 8, Behrensstr. 63. Bon ihr kann die zur Orientierung geeignete Broschüre „An die Deutschen im Reiche" bezogen und bei ihr die Mitgliedschaft angemeldet werden. Bücher- und Blätterfchau. Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden. Herausgeaeben von Di*. Eugen Tannenbaum, Neuer Verlag, Berlin 1915. Seit Jahresfrist stehen nun die Völker Deutschlands und Oesterreichs für ihren nationalen Fortbestand unter den Waffen. Vom höchsten Offizier bis herab zum Gemeinen weiß jedermann, daß es einen Kampf auf Leben und Tod gilt, daß er mit seinem Baterlande zugleich auch für Weib und Kind, Eltern und Freunde kämpft. Was Wunder, wenn wohl in keinem Kriege noch das Bedürfnis aller Heeresschichten, mit den Lieben daheim ihre Gedanken und Empfindungen über Kämpfe und Gefahren auszutauschen, so rege gewesen ist, wie in dem jetzigen. Wer später einmal die Geschichte dieses Krieges nach den Quellen schreiben will, ist nicht wie in früheren Zeiten auf spärliche Chroniken oder trockene Dokurnente der amtlichen Archive angewiesen, der muß sich vor allem auch hineinarbeiten in die Flut der Briefe aus dem Felde, die, unter dem unmittelbaren Eindruck des eben Erlebten entstanden, namentlich für den Geist, der unsere Heere zum Siege führt, unschätzbares Material liefern. Wie sehr man nun auch in dieser Zeit wünschen mag, daß alle parteipolitischen und konfessionellen Gegensätze verschwinden möchten, und deshalb eine Sammlung von Kriegsbriefen, die unter anderen als rein menschlichen, die unter politischen und religiösen Gesichtspunkten zusammengestellt ist, an sich als eine bedauerliche Erscheinung zu betrachten genigt .ist, so wird man doch für die hierher gehörende Sammlung der „Kriegs-

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