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KC-Blätter · 1915-05-01 · Heft 5 (Mai 1915) · p. Seite 389

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 5 (Mai 1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 389 (sequence 7)
Language
German
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389 zu gehen, wie er es fest vorhatte. Da man ihm das letzte Kriegssemester für sein Studium nicht in Anrechnung brachte, fehlte ihm noch eins. Aber auch dieses „Pech" trug er leichten Herzens, leuchteten ihm zum Entgelt doch noch rosige Tage in seinem Freiburg, die er sich schon in den herrlichstenFarben ausgemalt hatte, und die darnach ein würdiger Abschluß dereinst geworden ivären. Das alles beherrschende Geschick hat es anders gewollt. An Stelle seiner selbst wird sein Name nur vertreten sein. Der aber wird für alle Zeiten in ehernen Lettern die Heldentafel seiner Alberto Ludowica schmücken, den christlichen Kommilitonen Achtung vor dem Juden, dem jungen Ghibellinen Ehrfurcht vor dem Bundesbruder einflößend, und ihm so ein dauerndes Andenken sichern. Bei uns Alten bedarf es dieses äußeren Zeichens dazu nicht; für die trefflichen Worte im Nachruf seiner Verbindung: „Wir werden ihn nie vergessen", bürgern wir — auch ohne das. vr. Ludwig Neugarten, (Ghibeüiniae)', z. Zt. im Felde. Aegsrie- Amon lBadeniae-Bavariae). Ich weiß, es ist nicht in seinem Sinne, wenn ich ibm einen Nachruf widme. Denn, auch als er noch unter uns weilte, wollte er nicht, daß man von ihm oder seinen Leistungen sprach. Er war vornehm bescheiden, viel zu bescheiden. In aller Stille und Ruhe lebte er für sich und seine Eltern sein allzukurzes Leben. Wenige nannte er „Freund", aber die sich zu den Seinen rechnen dursten, die konnten auf ihn bauen. Jedem zu helfen, war sein Bestreben. Für ihn war das Gute so selbstverständlich, daß er für jeden Fehltritt eines anderen Beweggründe und Entschuldigungen suchte und fand. Er kannte das Schlechte nicht. Zum 25. Mal trifft uns die Nachricht, daß einer der Unseren den Tod fürs Vaterland gestorben ist. Am 30. April fiel in den Karpathen unser lieber Bundesbruder, Gerichtsaffessor Dr. iur. Siegfried Simon. Er war vom S.-S. 1906 an bis Ende S.-S. 1907 in Heidelberg aktiv. Nicht die Sucht nach Vergnügungen, nicht das Streben, sich studentisch auszuleben, nicht der Wunsch nach Mensuren führten ihn zu uns, die Tendenz allein war es. Obendrein aber stand er seinen Mann, auch aus Mensur. Seine letzte Partie kostete ihn drei Monate Festung. Er nahm sein Aktivsein ernst wie alles im Lebenim dritten Semester gehörte er dem C.-C. an. Er war akttv im wahren und guten Sinne des Wortes. Seine weiteren Semester in Berlin und Marburg widmete er ganz dem Studium. Geachtet von seinen Richtern und Kollegen, verbrachte er seine Referendarzeit in Frankfurt am Main. Ueber die Tatsache, daß er sein Doktor- und Assefforexamen mit Prädikat machte, hat nur er sich gewundert. Bald nach seinem Examen, während er sich eine Existenz suchte, brach der Krieg aus. Wie oft klagte er mir sein Leid, daß er mit Rücksicht auf seine Familie, der der Krieg ungeheure Opfer auferlegte, und seiner eben von schwerer Krankheit genesenden Mutter, seinem Herzenswünsche nicht folgen konnte, als Freiwilliger dem Vaterland zu dienen. Mit um so größerer Freude aber folgte er seiner Landsturmpflicht. So schwer ihm, dem Süllen, in sich Gekehrten, auch der Dienst wurde, er murrte nicht, er tat ihn ja für sein Vaterland! „Auf der Fahrt ins Karpathenland, hinter Dresden, Pirna und Schandau", schrieb er „am 22. April 1915" an unseren lieben Mainzer: Lieber Mainzer! Es geht ins Feindesland! Gestern vormittag Abfahrt von Mainz. Kurz vor dem Ueberschreiten der deutsch-österreichischen Grenze sende Dir noch die herzlichsten Grütze. Umstehendes ist nicht meine Feldadresse, die kenne ich selbst noch nicht. Auf Wiedersehen! Dein Bundesbruder Siegfried Simon." Schon acht Tage später traf ihn die Kugel. Ein Schuß durch die Halsschlagader und das Halsmark hatte seinen soforügen Tod herbeigeführt. Ein früherer Bundesbruder, sein ehemaliger Leibfuchs, den er nach 8 jähriger Trennung als Bataillons-Arzt seines Bataillons in den Karpathen wiedertras, machte uns die traurige Mitteilung. Die ihn gekannt, werden den wahrhaft vornehmen, gewissenhaften, von seltenem Pflichtgefühl beseelten, klugen und allzu bescheidenen Freund und Bundesbruder nie vergeffen. Krankenpfleger Di*. Theodor Rothschild, lBadeniae-Bavariae). * » * Georg Karget. (Ghibeüiniae.) Einem im K. C. noch Unbekannten will ich in diesen Blättern wenige Worte des Gedenkens weihen: .meinem jungen Freunde Georg Karger, der am 2. Mai beim ersten Sturm aus die russischen Gräben den Heldentod gesunden hat. Im August machte der Siebzehnjährige sein Notabiturium und stellte sich, begeistert wie nur einer, in den Dienst des Vaterlandes. Und zur selben Zeit weihte er sich noch einem anderen Dienst: der Sache des K. C. Unsere Ideale trug er schon lange im Herzen, als er sich in jenen > herrlichen Augusttagen beim K. C. aküv meldete.

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