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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · p. Seite 381

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 381 (sequence 39)
Language
German
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381 habe ich mir außer erfrorenen Händen und Füßen eine Herzattacke zugezogen, die mich derartig auf den Hund brachte, daß ich, als ich in das hiesige Lazarett enigeliefert wurde, die Kleinigkeit von 99 Pfund wog, womit ich wohl für ewige Zeiten einen Rekord aufgestellt habe. Daß ich bei einer Bäckereikolonne war, weißt Du, daß es die vornehmste Aufgabe einer solcher Kolonne ist, zu backen, kannst Du Dir wohl denken) um so mehr wird es Dich wundern zu erfahren, daß wir, solange ich bei der Kolonne war, kein einziges Mal gebacken habendoch halt, ich lüge, lvir haben gebacken und zwar in Deutschland in P . . . , jedoch ohne ausdrücklichen Befehl, so daß das Brot auch nicht von anderen Kolonnen abgeholt wurde und vermutlich jetzt noch in irgend einer Scheune liegt. Die in der Geschichte der Kriegskunde wohl einzig dastehende Tatsache, daß eine Bäckereikolonne nicht backt, wird dadurch erklärt, daß wir in dein Augenblick in Ostpreußen ausgeladen wurden, wo die Winterschlacht in den Masuren begann. Als unser Vormarsch begann,waren wir etwa 10 -12 km hinter der Front, als ich die Kolonne verließ, d. h. nachdem wir 4 Wochen ununterbrochen, oft auch nachts gefahren waren, befanden wir uns 70 -80 km hinter der Feuerlinie, und wer war daran schuld, nun, Du kannst es Dir wohl denken: die russischen „Wege". Zu diesen Meisterwerken moskowitischer Kultur brauche ich Dir wohl keine Erläuterungen zu geben, nur eins will ich erwähnen, daß wir oft lieber aufs Geratewohl querfeldein fuhren, als auf solch einem Unding von einer russischen Heerstraße. Mittlerweile hatten sich meine Finger und Zehen in niedliche Eiszapfen verwandelt, so daß es mir schließlich nicht mehr möglich war, einen Knopf zuzumachen. Zn S. . . verließ ich ineine Kolonne. Auf dem Marsch zum Lazarett hatte ich in P ... ein gelungenes Erlebnis: Ich ging mit einen! Dragoner an einem Transport russischer Gefangener entlang (es war bereits dunkel), als plötzlich ein Landsturmmann mit aufgepflanztem Bajonett aus mich zuspringt und mich anschnauzt „ich verdammter Russenkerl sollte mich mal ins Glied scheren". Der Dragoner und ich brachen in ein heilloses Gelächter aus, und da entdeckt der gute Mann seinen Irrtum, er entschuldigt sich mit dem Hinweis auf meinen Bart, der mir ein russenähnliches Aussehen gäbe und auf meinen, wie er meinte, etwas allzu dreckigen Mantel, an dem man fast kleben blieb. Was einem nicht alles passieren kann! Ich bitte Dich noch, Deine werten Eltern bestens von mir zu grüßen, und verbleibe ich mit herzlichen! Gruß für Dich Dein Kurt Löwenthal. B . . . , den 17. 2. 1915 Lieber Mainzer! Herzlichen Dank für Deinen interessanten Brief und für die leckere Schokoladesendung Mit beiden hast Du mir eine große Freude bereitet. Besonders interessierte mich, von Deiner regen Tätigkeit zu hören. Die geringe Einschätzung Deiner Tätigkeit hinter der Front ruft allerdings meinen lebhaften Protest hervor. Wenn uns hier vorne die Franzosen mit Granaten, Minen, Kugeln und sonstigen Liebenswürdigkeiten bedenken oder uns der Himmel durch seine Wasserfluten das Leben hier sauer macht, »vir können wirklich nichts dafür und haben keinen Verdienst davon. Jedenfalls wird Deine Leistung, sich für die Arbeit unrs Vaterland nur »nit 4 Stunden Nachtruhe zu begnügen, hier nicht übertroffen. Bedenke, daß es auch eine Pflicht zur Schonung gibt. Gerade die letztere Tätigkeit üben wir augenblicklich in reicherem Maße. Wir sind nämlich seit einer Woche aus den Schützengräben herausgezogen worden, um nach genau einem Vierteljahr Frontdienst als Armeereserve einige Zeit der Ruhe zu pflegen. Natürlich wird die Zeit benutzt, um alle Bestände und Sachen aufzufrischen, den Mannschaftsbestünd zu ergänzen und die Truppe durch Exerzieren in ihrer Leistungsfähigkeit zu steigern. Ich selbst bin Verpflegungsoffizier meines Bataillons geworden und jetzt beritten. Mit Felix Loeb komme ich häufig zusammen. Auch vom Schlarnpes (Robert Kahn) hatte ich dieser Tage einen sehr interessanten Brief. Auch er ist preußischer Offizier geworden. Er scheint sich an einem besonders gefährdetet! Posten zu befinden und ist zudern über die Schreibfaulheit der l. Kb. Kb. sehr gekränkt. Auch mit anderen K. Cern stehe ich im ständigen brieflichen Konnex, besonders höre ich häufiger von Alfred Alsberg, der sich als Gendarrnerieivachtmeister bei der Etappe sehr rvohl zu fühlen scheint. Mit meinem Bruder Leo spreche ich sehr oft telephonisch, meist des Nachts zwischen 12 und 4 Uhr, rvenn die Leittmgen nicht so besetzt sind. Er liegt in P ..., östlich la B ..., und beschäftigt sich mit Erfindungen auf artilleristischem Gebiet. Mit den besten Grüßen für Dich und Deine Frau Gemahlin Dein stets getreuer Karl Löwenstein. Frankreich, den 29. Dezember 1914. An die Bundesschwestern. Die Schrecken des Krieges sanken dahin Vor Eurer Liebe und Güte. Mein Herz wurd' leichter und froh mein Sinn, Leis' singt's in meinem Gemüte: „Die deutschen Frauen sind Engel all' — Vom Schützengraben gesehen — Was schiert uns der Kanonen Hall Und der Stürrne eisiges Wehen'?! Solang uns Eure Lieb bescheert Recht häufig Zucker und Wolle, Führ'n tapfer wir unser gutes Schwert Für Euch und die heimische Scholle. Kehr'n heimwärts rvir bald im Lenzeshauch, Dann werden wir's Euch lohnen) Euch huld'gend nach gutem alten Brauch! Seid umschlungen, Millionen!" Verzeihung für die schlechten Verse und besten Dank für das ausgezeichnete Weihnachtspaket. Euer Bbr. _ Max London. H . . . . bei N. CH . . . . , 9.2.1915. Mein lieber Alter Herr! Ein düsterer, verschimnielter Weinkeller, dem rnan leider von seiner früheren Bestimmung nichts inehr anmerkt, in der Mitte ein wackliger, nicht sehr couleurfähiger Tisch, um ihn herum 18 noch weniger couleurfähige Gestalten, deren Gewandung dem Betrachtenden bei einiger Einbildungskraft Erinnerungen an feldgraue Uniformen wachrufen und unter diesen vorsintflutlichen Erscheinungen ich als Selbstherrscher aller Reuffen oder, um mich militärisch auszudrücken, als Befehlshaber der Ortswache — sie nämlich wird durch die eben vorgestellten Höhlenbewohner repräsentiert — des schönen französischen Dörfchens H . . . , das 20 km südwestlich L . . . . und dicht neben dem Mitte März durch die dort tobenden heftigen Kämpfe bekannt gewordene N .... Ch ... . gelegen, meine derzeitige Haupt- und Residenzstadt bildet. Du siehst, es wird auch hier außen im Feld dafür gesorgt, daß wir die gewohnte Frühjahrsluftveränderung nicht entbehren. An meinem Winteraufenthaltsort M.hat sich indessen A. H. Zucker niedergelaffen, der hoffentlich den K. C. dort oben weiter vertreten wird. Unsere Division kam am 19. März von ihrer bisherigen Stellung weg, um einige Zeit hinter der Front sich von den Strapazen des Winters erholen zu können. Allein Du weißt ja sicher als belesener Herr, daß selbst der Beste, in diesem Falle ich und mit mir die Division, nicht in Frieden leben kann, wenn's den bösen Nachbarn, dargestellt von Engländern und Schottländern, Hindus, Gurkhas und Senegalnegern, nicht gefällt, und dieses schöneWort besagt

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