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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · p. Seite 382

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 382 (sequence 40)
Language
German
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rsfr im konkreten Falle, datz mir nach einlagiger Rühe schleunigst alarmiert wurden und wenige Stunsen später bereits wieder eine wackere A. H.-Partie gegen vielfache Uebermacht geschlagen hatten. Seitdem liegen wir wieder in unseren „Laubhütten" fest, und tvenn wir auf die „Erholung" zu sprechen kommen, so begingen wir, wie bei einem Märchen: „Es war einmal". Allein lvir können's noch aushalten, zumal das Wetter sich stetig bessert und wir schon eine Reihe wundervoller Frühlingstage hatten. Freilich kouunt mit dem jubelnden Aufblühen der Welt so manches Mal eine wilde Sehnsucht nach der deutschen Heimat über einen, die dpch gerade in dieser Zeit unsere Herzen stets hat aufjauchzen lasten, eine solche Heimat zu besitzen. In diesen Augenblicken kann ich wohl träumend die Hände in den Schoß legen und in den blauen Himmel starren und an Heidelberg denken, das jetzt wieder im Brautschleier seiger Mandelblüte erglüht, und an den Neckar, an besten Usern wohl wieder junge frohe Mädels in Helsen Kleidchen spazieren gehen. Es wird sein wie imngrr, und doch wird auch dort manches liebe Alte fehlen. Ganz unkriegerische Gedanken, nicht wahr- Du rvsrst mich auch noch schelten und mit Recht sagen, dag jetzt keine Zeit zum Träumen ist und dag man sein Herz hart machen mutz. Aber nimm Du Dein Herz tu feste Hände, wenn's ein Aufzucken ist vor Freude an neuerwachendem Leben. Grütze mir den deutschen Frühling und die Deinen Dein tretter F. Mayer. (Bau.) R ..., den 10. März 191». Lieber Leibfuchs l Ou wirst erstaunt sein, von mir, beit Du bis jetzt nicht ejnmal durch eine Karte erfreut hast, etwas zu erfahren. Ich habe Dir aber die wichtige Mitteilung zu machen, datz sich hier ein K. C.-Stammtisch gebildet hat, der bis jetzt 7 Mitglieder zählt, die durch die großen Kämpfe bei B. Gelegenheit hatten, ihrem Baterlande große Diettste zu erweisen. Viele Grütze Dein Leibbursch Wilhelm Mayer (Bau.), In diesettt Sinne und viele herzliche Grütze Dein Karl Rosenthal (Rhen.-Sil.). Kbr. Grütze Katz (Lic.) Herzl. Grütze Dein Albert Griesbach (Rhen.-Sil ). Grutz Herlitz (Lic.). Viele Grütze Julius Weinberg (Ghib.). K ..., 19. 3.1915. Lieber Mainzer! Du Hast mit Deinem ausführlichen Berichte mir, wie jedem im FÄde stehenden K. Cer, der Deinen Brief erhielt, eine sehr große Freude gemacht. Man ist so froh, mal etwas von einem Mann zu hören, der wie Du über den Dingen steht. Vielen Dank. — Du möchtest gerne etwas über die Tätigkeit von uns drautzen hören. Das ist unglaublich geringfügig, soweit es sich um einen Trupvenarzt, wie mich, handelt. Wohl habe ich mit meiner Aoteilung den Feldzug im Osten vom Beginn bis zur jetzigen ruhmvollen Zeit miterlebt, wohl haben wir manch bitteren Tag, manch Härte Nacht durchgemacht, aber die eigentliche ärztliche Arbeit ist mehr als bescheiden. Mpn wird das Gefühl nicht los, datz man nichts leistet. Das Auflegen des Verbandpäckchens, die Morphiuminjektion macht jeder Sanitätssoldat genau so gut wie der Arzt. Da ist Eure ärztliche Leistung in den nriegslazaretten, den Lazaretten zu Haus doch ganz anders. In der Hauptsache ist die Gegenwart des Truppenarztes eine psychische Notwendigkeit für die Truppe. Die Achtung des Sanitätsoffiziers ist dank dem Opfermut und Tüchtigkeit der Aerzte sehr gestiegen. Ueber meine Erfahrungen als jüdischer Sanitätsoffizier habe ich einen kleinen Aufsatz für die K. C.-Blätter geschrieben. Ich schätze den Einfluß des jüdischen Sanitätsoffiziers auf die Offiziere hoch ein. Jeder einzelne von . uns kann da viel schaffen. Und wird es auch. Herzliche Grütze und nochmals Dank Dein Ludwig Meyer. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! Wir liegen-seit dein 19. Dezember in einer Reservestellung und sind seit dem 24. Januar im Schützengraben. Unser Kanrpf gilt weniger dem Feinde als dem Schmutz. Nach einigen schönen Frosttagen ist wieder Tauwetter eingetreten. Das im Boden eingefrorene Wasser bringt uns immer neue Einstürze, so datz wir fortgesetzt arbeiten müsten, um unfern Grabett nicht verschlannnen zu lasten. Artillerieseuer bekotnnten tvir genügend, bis jetzt Gott sei Dank ohne erhebliche Folgen. Aber sortst geht es uns gtlt, Verpflegung reichlich, Gesellschaft gentütlich unb kameradschaftlich. Mit kartellbriiderlichen Grützen! _ Ihr Joseph Piza. Lieber Alter Herr! Mal wieder einen bekannten K. C.er getroffen. Diesmal in einent Neste von ca. 50 Einwohnern in Nordpolen. — Senden Dir und allen K. C.ern freundliche Grütze. Ludwig Schönholz. Sehr geehrter Herr Rosenthal! Erst jetzt erfahre ich, daß Sie den lieben, den einzigen Sohn beklagen, ich einen guten Freund misten werde. Welch schmerzhaftes Gefühl gerade dieser Heldentod in mir tvachruft. aber zugleich auch welch unvergeßliches, warmes Gedenken! Manche Stunde während meines diesjährigen Studiums au der Universität Heidelberg sah Ihren Fritz und mich vereint, und wie ich ihn so oft gehört, werde ich ihn immer sprechen hören: „Zwischen Judentum und unserem gemeinschaftlichen Vaterlande, zwischen beiden Wesensrichtungen ist nicht der mindeste Zwiespalt vorhanden; soll einmal der Patriotismus nach der Art des GlaubenSbekenntniffeS eingeschätzt werden, dann werden die Juden an erster Stelle mit aufmarschieren können." Unser geliebtes Vaterland mußte endlich den Kriegszustand erklären. Zweimal schon hatten wir Abschied genommen, da kehrt der Freund spät abends nochmal bei mir ein, um, so sagt er, mir zum letztenmal die Hand zu schütteln: „Jetzt gilt es blutig zu zeugen für den Sinn der oft geführten Rede, ich fühle, ich werde es!" Wenn nach glorreich beendetem Kampfe wir wieder Alltag leben werden, dann werden manch einfältige Vorurteile auf immer geschwunden sein, und die Bücher für und gegen Antisemitismus, die in Fritzens Bibliothek so zahlreich zu finden waren, werden ein kleines Jntereffe höchstens noch für den Historiker haben. Versuche ich, den hartgeprüften Eltern ein Wort des Trostes zuzurufen, daß ihr heißgeliebter Sohn den besser gerundeten und noch fester gefügten Bau unseres machtvollen Staates nicht schaun, sich dessen in seinem von Hetzen kommenden Patriotismus freuen.kann? Nein, selbst wenn ich es vermöchte, es wäre zwecklos. Was mir aber, werter Herr Nosenthal, zu tun übrig bleibt, ist Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin die Hand zu drücken, so kräftig, wie der Freund sie mir drückte am Vorabend des Krieges und mich bat, ihn und vor allem unsere häufig geführten Gespräche nicht zu vergesten. H...., den 30. September 1914. vr. Wilhelm K. Anmerkung. Obiger Brief ist von einem nichtjiibischen Studiengenossen unseres gefallenen Verbandsbruders Fritz Rosenthat (Sic.) an dessen Eltern gerichtet. Als ein schönes Zeugnis für die Gesinnung der deutschen Juden haben wir ihn gern zum Abdruck gebracht. » (Die Schriftleitung.) Verleger und verantwortlicher Redakteur für den ge- Re^erendar vr. Kurt Alexander, Erzfeld, Königstratze 116; verantwortlich für den kriegsstatistischen Teil: l)r. Max Mainzer, Frankfurt a. M., Neckarstr. 5. Druck: Aachener Verlags- und Druckerei-Ges. Kastenverwaltung: Rechtsanwalt S. Bohssen, Düsseldorf, Blttcherstraße 69.

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