KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 4 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- Seite 379 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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379 u. n. bringt sie mir von Dir einen fabelhaft interessanten Brief und Schokolade, die schmeckt mie Ambrosia. Für beides Dir und Deiner lieben Frau meinen herzlichsten Dank. Beides waren wahrhafte Erquickungen in diesem verwünschten unfreundlichen, unwirtlichen und verlausten Lande. Wäre man nur erst einmal wieder richtig bei „Mainzers". Ich habe die ganze Winterschlacht als Ordonanzoffizier beim Stabe der .... Division mitgemacht und bei Tage auf den Gefechtsständen, bei Nacht im Funkenspruchzimmer des Stabsquartiers unvergängliche Kriegs- und Gefechtseindrücke gewonnen Dir und Deiner Frau herzlichste Grütze! Ludwig Fasse. Regimentsunterstand in einem Schützengraben in der Champagne, 26. 3. 15. Lieber Alexander! Herzlichen Dank für Deine l. Zeilen. Du hast rnich in meiner ganzen Schönheit — wenn auch unrasiert —, im Buche Sven Hedin's*) richtig erkannt. Das Bild betitelt sich aber nicht „Offiziere Himer der Front", sondern „Aerzte in einer Soldatenhütte hinter den Schützenlinien". Es lvar unser erster Aerzteunterstand — an einem Steilabhang gelegen — während des Stellungskrieges in der Champagne. Gar manchen lieben Tag sausten die Granaten über unsere Köpfe, oder krepierten vor uns auf der Höhe. Bis zuur letzten Schützengraben unseres Regiments war es nicht allzuweit, und legte inan mitunter den Weg, wenn die Geschosse allzusehr sausten, in Marsch, Marsch! zurück. Eines Tages Ende September, während einer Gefechtsruhe, näherte sich unserem Unterstände, gerade als wir unser leckeres Mahl einnehmen wollten (es war zwar sicher nicht so gut, wie auf unserem Bonner Haus» einige Offiziere und ein Herr in Zivil. Der sie begleitende Brigadeadjutant flüsterte uns zu: „Das ist Sven Hedin, der beriihmte Tibetforscher, kommt aus dem Hauptquartier, ivo er als Gast von S. M. weilt." Sven Hedin bat, uns photographieren zu dürfen, — Du siehst also, auf welche Weise man berühmt werden kann! Besten Dank für Deine löbliche Absicht, mir das Buch zu stiften; ich bekomme es von Freunden und Bekannten zugeschickt und fange nächstens einen Bücherladen an. Dediziere es für die Bibliothek unserer l. Bonner Verbindung. — Mir geht es weiter noch recht gut, ich habe vom 3. Mobilmachungstage an mit meinem Regiment durchgehalten. Aentzerst nette Kameradschaft mit den Kollegen und Offizieren. Leider hat schoir mancher unserer Offiziere, den man gern gewonnen hatte, ins Gras beißen müsien. Bon den blutigen Kämpfen hier in der Champagne hast Du ja sicher gelesen, und auch von dem Lob, das dem 8. Armeekorps und 8. Reserve- Armeekorps gezollt wurde. Es ist bewundernswert, rvas die Leute in den Kämpfen, die doch seit November-Dezember tobten, hier geleistet haben. Große Freude bereitet uns jedesmal das Erscheinen der St. C.-Zeitung, und auch Nicht-K. C.-er sind eifrige Mitleser. Leb' wohl, Du alter Landsturmmann ohne Waffen! Ich grüße Dich herzlich Dein tr. Bdb. Dr. Paul Jacoby (Rh.-Sil.). Lieber Mainzer! Für die Schokolade und vor allem für die interessanten Neuigkeiten durch Dein Rundschreiben herzlichsten Dank. Ein genaues Studiunr und besonders ein Nachfühleit ist mir erst im Frieden möglich Ich selbst bin am 27. Januar zum preußischen Leutnant der Reserve ernannt worden. — Wir liegen im Schützengraben in dem sehr hart mnkämpften B. l. P... Unser Graben liegt durchschnittlich höchstens *j Sven Hedin „Ein Volk in Waffen". 20 m vom französischen entfernt, an einigen Stellen nur 8 m. Ich glaube, daß Du Dir das nicht vorstelleit kannst. Jeder Finger, der sich unvorsichtigerweise zeigt, wird abgeschosseu. Ich selbst wurde übrigens vor einer Woche durch eilten Minensplitter leicht an der Stirn verwundet. Man wird hier vorne äußerst ruhig und kalt^vie eine Hundeschnauze. Wehe, lvenn es bei der kolopalen Verantwortung als Offizier anders wäre. Außer lneinenr Zug unterstehen mir übrigens noch ein halber Zug Pioniere, 2 Maschinengewehre und eine Gruppe Minen- und Handgranatenwerfer. Wir arbeiten hier vorne eben mit allem grausamen Komfort der Neuzeit. Zum Schluß noch ein Donnerluetter über die K. C.-er! Außer Dir, Karl Löwenstein und Alfred Alsberg haben mich alle vergeffen. Ganz zum Schluß meinen atterherzlichsten Dank für den rvarmen Nachruf, den Du meinem lieben gefallenen Bruder Erich gewidmet hast. Schreibe bald ivieder. Herzlichste Grüße Dein Robert Kahn. Lieber Mainzer! Ich erhielt gestern bei einer geradezu mörderischen Artilleriebeschießung mit nachfolgendem abgewiesenen Jnsanterieangriff die ziveite leichte Verlvuudung (durch Helm abgeschwächt). — Sonst geht's recht gut. — Schreibe mir bald. Hast Du meinen Brief erhalten'? Herzlichft Dein Robert Kahn «Bad-Rh-S.). Lieber Mainzer! Ich erhielt diese Woche die K. C - Blätter, mit denen ich mich naturgemäß sehr freute. Es ist ein eigenartiges Gefühl, das man bei,» Lesen hier in der Fremde empfindet, inan spürt wieder, wo man mit seinen besten Kräften wurzelt. Auch die für Max Liebmann bestimmten Blätter kamen hier an; Liebmann gehört aber nicht zu meiner Kolonne. Wir teilen die Tätigkeit der anderen Kolonnen, fahren Brot, Mehl, Holz und Mist und bestellen das Feld. Herzliche Grüße, auch für Deine Frau Gemahlin Dein Kirschüaum. Lieber Mainzer! Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt! Dies gilt auch für unsere ernsten Tage, für den Krieger, der unserem Vaterland auf den verschiedenen, in bisher nicht gekannter Vervielfältigung fast über ganz Europa sich erstreckenden Kampfplätzen dienen darf. Wir begannen in Belgien und Frankreich, kamen Mitte November nach dem polnischen und russischen Kriegsschauplatz, jetzt sind wir in den Ostkarpathen, mitten zwischen und auf den in Schnee gehüllten Bergen, die uns landschaftlich so viel Schönes bieten, militärisch freilich große Schwierigkeiten bereiten. — Ich erhielt heute das Nooember-Dezember-Heft der 5k. C.-Blätter, für depen Uebersendung ich herzlichft danke. Ich habe das Heft nicht eher aus der Hand gelegt, als bis ich es bis zur letzten Zeile durchgelesen hatte, und hatte, als ich fertig war, das frohe Gefühl, einmal wieder eine Stunde im Kreise der trauten Freunde und Gesinnungsgenossen verbracht zu haben. Leider habe ich hier K. C.er bisher nicht getroffen. Ich hoffe, daß die Dinge sich weiter so gestalten, wie ivir alle es für unsere gerechte Sache erflehen, und daß dann auch uns K. C.ern die Gelegenheit gegeben wird, im hoffentlich recht vollzähligen Kreise von all den ernsten und auch frohen Erlebniffen berichten zu können. Ich grüße Dich und Deine Frau herzlichft, ebenso alle Kartell- und Bundesbrüder Dein treuer David Krombach. Lieber Kartellbruder! Endlich ist es mir auch vergönnt, für mein liebes Vaterland in den Kampf zu ziehen, denn morgen rücken ab. Allen meinen lieben Kartellbrüdern entbiete ich nochmals recht herzliche