KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 4 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- Seite 377 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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377 wir in das Kriegslazarett oder per Lazarettzug in die Heimat. Ein vollkommen eingerichtetes Dampfbad ermöglicht es uns, Katarrhe und Rheumatismus hydrotherapeutisch zu behandeln. Das Elektrizitätstverk versorgt uns glänzend mit Licht, ist aber ständig das Ziel der französischen Granaten. Einen erhebenden Eindruck macht es, wenn die Truppe aus dem Schützengraben mit Sang und Klang hier ihr Ruhequartier bezieht. Zur Erheiterung unserer Verwundeten spielt täglich eine Militärkapelle vor unserem Lazarett. Im übrigen gibt's hier viel friedliche Arbeit. Die Felder werden bestellt, Weizen gedroschen und in die Heimat gesandt. Ein Urlaub nach Lille zeigte mir zum ersten Male seit einem halben Jahre wieder Großstadtleben Die elektrische Bahn fährt, auf den Straßen sieht man nur Offiziere Aber Punkt 6 Uhr erlischt alles Leben auf den Straßen. Mir selbst geht's nur gut. Eine große Freude ist es mir immer, wenn ich so recht unvermutet einen K. C.-er treffe. Herzliche Grüße an alle Bundesbrüder _ Beissinger. Cr... , 20. 12. 1914. Liebe Bundesbrüder! Habt herzlichen Dank für Euer treues Gedenken an die im Felde sich befindenden Bundesbrüder. Ich hoffe, daß die Verbindung auch im Kriege ihre Pflichten erfüllen tvird und gerade jetzt einen Nachwuchs ausbildet, der sich den großen Anforderungen nach Kriegsschluß gewachsen fühlen wird. Denn unser Abwehrkampf muß später - das steht schon heute fest — mit erneuter Schärfe ausgenommen tverden, ivenn es uns gelingen soll, die bestehenden und neu aufstehenden Vorurteile zu beseitigen. Gerade deshalb ist jetzt die Zeit — und der Wegfall von äußerer Verbindungstätigkeit ermöglicht es — im Sinne unserer Tendenz unsere Jungmannfchaft heranzubiiden. Die große Zahl der Aktiven bietet die Gero ähr, daß auch finanziell die Verbindung durchhalten kann und der Notivendigkeit wohl dadurch enthoben wird, mit der Aufgabe des uns liebgewordenen Hauses zu rechnen. In Treue gedenke ich der leider im Kampfe für Recht und Ehre gefallenen Bundesbrüder, zumal beide ein gewisies Freundschaftsband mit mir verknüpfte. Möge der Krieg keine iveiteren Opfer aus unseren Reihen fordern! Mit bundesbrüderlichem Gruß! Euer A. H. Dr. Julius Bier. Lieber Kartellbruder! Gestern abend habe ich Ihr ausführliches Rundschreiben erhalten. Sie haben nrir eine große Freude damit bereitet und ich danke Ihnen, lieber Kb., recht herzlich dafür. Sie haben es darnit mal wieder, wie schon so oft, verstanden, die K.-Cer enger aneinander zu ketten und diesmal noch dazu in einer Zeit, wo ivir in alle Windrichtungen verstreut sind und dabei täglich Tod und Gefahren entgegen sehen. Briefe aus der Heimat sind mir, der ich großer Musikfreundbin, wie volle harmonische Akkorde, die in mir angeschlagen rverden, und die die Disharmonien, in denen man jetzt fast ständig lebt, übertönen und eine gehobene Stimmung bei mir Hervorrufen, die mich über die Misere des augenblicklichen Daseins hinwegversetzen. Ich bin seit dem 3. Mobilmachungstage als Truppenarzt beim Bataillon Nr. 5. Gleich am 18. 8 kamen wir in die Schlacht bei Weiler, an der auch Kb. Jacobovies teilgenommen zu haben scheirit, ohne daß ich ihn aber gesehen hätte. K.-Cer sind hier in den Vogesen auffallend wenig, ich habe im Anfänge des Feldzuges nur Oberarzt Walter Leon und Leutnant Moritz ^Weinberg ganz kurz gesehen. Wie sehr wir gleich in den Kriegsbetrieb hineinkamen und wie anstrengend dieser für uns war, geht daraus hervor, daß wir in der Zeit vorn 18. August bis 1. September im ganzen 2 Schlachten und 11 Gefechte mitgemacht haben. Und doch! Trotz aller körperlichen und seelischen Strapazen war man immer froh, dabei sein zu können und mitzuwirken für die Ehre unseres Vaterlandes. Nie werde ich vergefien, wie ich mit an der Spitze meines Bataillons stolz und hoch zu Rotz in Frankreich eingezogen bin. Ich hätte mit keinem König getauscht. Mitte September haben wir dann die Stellungen eingenommen, in denen wir uns noch jetzt befinden. Im Laufe der Zeit sind sie zu förmlichen Festungen ausgebaut, an denen sich der Feind seinen Kopf blutig rennen kann. Täglich finden kleine Scharmützel mit dem nahen Feinde statt und täglich ist Artilleriekonzert hüben und drüben. Es ist nun schon über ein Monat her, daß die letzte Granate in mein Haus eingeschlagen hat. Das macht meist nur ein Loch .... und man bleibt wohnen. Das alles nennt sich dann „Stellungskampf". Während die Truppe vorn in den Schützengräben in selbst gebauten Blockhäusern haust, haben wir Aerzte — bisher wenigstens — das Glück, in einem richtig gehenden Hause und in einem richtigen Bett uns aufhalten zu können. Unsere ärztliche Tätigkeit ist dabei recht bequem. Da der Gesundheitszustand der Truppen bisher ganz ausgezeichnet war, und Verwundungen doch auch nicht, mehr so häufig Vorkommen, besteht unsere Arbeit hauptsächlich in der Hygiene. Dabei habe ich fast täglich Zeit, eine oder mehrere Stunden spazieren zu reiten, obwohl ich erst am 1. Mobilmachungstage das erste Mal in meinem Leben einen Gaul bestiegen habe. Im übrigen herrscht kameradschaftlicher Verkehr im Offizierkorps. Mittags und abends egen wir, d. h. der Bataillonsstab, zusammen mit dem Regimentsstab in der Wohnung unseres Obersten, einer kleinen Villa und fitzen vor allem jeden Abend bei bayrischem Bier zusammen. Die Verpflegung ist dank der Unterstützung unseres Obersten ausgezeichnet. Nun bin ich doch so in das Schreiben hineingeraten, daß ich doch vielmehr von mir selbst erzählt habe, als ich eigentlich wollte. Besonders hat mich doch eigentlich zu diesem Briefe angereizt, zu Ihren Ansichten vom Kriege und seine Folgen für uns Juden Stellung zu nehmen. Der Krieg ist wirklich für uns hier draußen ein großes herrliches Erleben, ist es uns doch vergönnt, mitzuleben in einer historischen Zeit und mitzuwirken an dein großen Weltdrama. Endlich halten und hören wir nicht nur Tendenzreden, sondern wir fühlen uns ganz und nur als Deutsche, und wir können unser Deutschtum durch die Tat beweisen. Ich habe aus meinem Judentum nie ein Hehl gemacht, aber man hört auch nichts von den häßlichen antisemitischen Hetzereien, nie habe ich einen Unterschied im Verkehr meiner Kameraden mit anderen oder mir gemerkt. Das Deutschtum ist doch das, was uns allen gemeinsam ist. Und ich schaue auch mit vollem Vertrauen in die Zukunft! Nichts kittet fester als Blut, sagt man, und das gemeinsam vergossene Blut wird uns immer fester zusawmenkitten zu einem großen ganzen deutschen Volk, das sich seines gemeinsamen Deutschtums bewußt ist. Ich grüße Sie herzlich und bitte mich Ihrer Frau bestens zu empfehlen. Ihr treuer Kb. _ Artur Blank (Sic.) P...., 8. 2 1915. Mein lieber Keddo! Wir sind immer noch hier, aber nur noch kurze Zeit. Auf einige Tage sind wir nach L.... versetzt, doch kommen wir hoffentlich bald wieder an die Front. Mir persönlich geht's immer noch gut. Ich freue mich, aus Euren „Monatlichen" stets so viel Gutes über unsere Bb. zu hören Ich war jetzt zwei Wochen in Deutschland, sogar in Frankfurt, hatte aber leider keine Zeit, Dich aufzusuchen. Kürzlich habe ich unser Auto zur Reparatur gefahren; dabei habe ich wieder allerlei erlebt und war