KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 4 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- Seite 375 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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375 S. . . . 7.3.15. Lieber Mainzer! Vielen Dank für Dein so interessantes ausführliches Schreiben vom 29. vorigen Monats, vielen Dank auch für die 2. Kriegsausgabe der K.C-Blätter. Wenn man weiß, welche Arbeit die Redaktion, die Korrektur und der Versand der Blätter schon in Friedenszeiten macht, so kann man Eure aufopfernde Tätigkeit bei Herausgabe der Kriegsblätter — bei den ständig wechselnden Adressen — richtig rvürdigen, eine Tätigkeit, die um so anerkennenswerter ist, als Ihr*) durch Euren Beruf und Eure Arbeiten im Dienste des Vaterlands übermäßig in Anspruch genotiunen seid. Zeile für Zeile habe ich die K.C -Blätter — im Felde hundertfach geschätzt — gelesen, voll Trauer über den Tod so vieler braver Verbandsbrttder, aber auch stolz ob des Belvutztseins, daß die K. C.er überall, wohin sie das Vaterland gestellt hat, ihre Pflicht erfüllen. Die Zaül der Eisernen Kreuze an K.C.er ist außerordentlich groß. Den armen Erich Kahn habe ich kurz vor seinem Tode noch gesprochen. Wir ivaren so lustig und freuten uns so miteinander, und dachten riicht daran, daß nur uns nicht inehr Wiedersehen sollten. Daß Ihr Fritz Baum trotz seines vorübergehenden Ausscheidens aus dem K.C. als Bundesbruder aufgeführt und den Toten mit den studentischen Ehren des K.C. zur letzten Ruhe geleitet habt, zeugt von feineni Empfinden, für das alle, die Baum je näher gestanden haben, Euch dankbar sein müssen. Der Besten Einer ist mit ihm von uns geschieden. Trotz mancher Eigenart seines Charakters, mit der ich mich nicht befreunden konnte, habe ich Baum stets hoch geschätzt als einen äußerst iutelligenten und ehrlichen Menschen, auf den man sich in jeder Lage verlassen konnte. Hier draußen hat er sich bewährt tvie kein Zweiter. In den höchsten Worten der Anerkennung habe ich in Ripont, in Tahure von ihm sprechen hören. . Schade um ihn! — Was ich hier draußen treibe, rvillst Du wissen. Nun, so höre: Beim Kürassier-Regiment . . . . , bei dem ich mich am 3. Mobilmachungstage meldete, wurde mir mitgeteilt, daß ich zur Feldgendarmerie des ... . A. K. abkommandiert sei. Da ich über die Tätigkeit der Feldgendarmerie keine richtige Vorstellung hatte, war mir das Kommando anfangs nicht allzu sympathisch. Jedoch ich hatte keine Zeit zunr Ueberlegen, denn schon wenige Stunden später mußte ich (an der Spitze von 22 Leidensgenossen) den Weg zum Bahnhof antreten, um nach ., dem Sitz des Generalkommandos, zu dessen Stab derJeldgendarmerietrupp bestinlmt war, befördert zll rverden. Ein Kürassier-K C.er, war es Ettinghausen (Bav.)oder Altrnann (Rh.-S), drückte mir noch die Hand zuin Abschied, als wir aus der.Kürassierkaserne herausritten. — Der Jeldgendarmerietrupp besteht aus 62 Köpfen, einem Offiizier und 17 Landgendarmendie »veiteren 44 Feldgendarmen sind von den Kavallerie- Regimentern des Korps kornmandiert. In. konstituierten wir uns. Außer mir tvar noch ein früherer Einjähriger von seinem Regiment zu uns beordert. Atem Kommandeur, ein aktiver Gendarmerie-Major, bestimmte mich gleich zu seinem adlatus Ich hatte sänltliche Schriftsachen zu erledigen, daneben aber auch den sehr vielseitigen Außendienst zu versehen, der' bei dem großen Vorinarsch zur Marne und noch mehr bei dem Rückmarsch auf die Aisnelinie sehr anstrengend und oft recht gefährlich war Bei dem Rückmarsch aus Bitry-le-Fran^ois waren wir die letzten, die den Ort verließen, und nur einer äußersten Kraftanstrengung ist cs zu verdanken, daß ivir tlicht alle das Los von vier unserer Kameraden teilten, die gesangerr genommen wurden. Sonst säße ich auch jetzt in Pau an der Pyrenäengrenze. Wenn ich jetzt, lvährend des Stellungskrieges, mit meinem Kommandeur und dem genannten Einjährigen an wohlgedecktem Tische sitze und es itns *1 vr. Mainzer und Dr. Herma»» freitf}, ein srnherur Badens. an nichts fehlt, so tvar das doch anfangs höllisch anders. — Gebettelt habe ich an einer Feldküche schon um einen Teller Suppe und gegessen mit einem Löffel, aus dem vorher schon ungezählte hungrige Infanteristen gegessen hatten. Aber geschmeckt hat es — mindestens so gut wie der nicht zu verachtende Hase in Sahnensauce, den wir heute zu Mittag verzehrten. Die Feldgendarnterie gehört nicht zur kämpfenden Truppe, sondern hat ihren Wirkungskreis im Rücken des fechtenden Heeres. Hier übt sie die Heerespolizei aus, verhindert unberechtigtes Beitreiben, Plündern und Ausschreitungen aller Art, sorgt für Freihalten der Straßen, damit Munitionskolonnen und Lazarette im Notfall schleunigst nach vorne gebrächt werden können, aber auch ein Rückmarsch sich geordnet vollziehen kann, nimntt alle ohne Ausweis betroffenen Zivilpersonen und Soldaten, Nachzügler u. dergl. fest, sammelt Versprengte und fiihrt sie der nächsten Truppe zu, ordnet den Verkehr auf Bahnhöfen und Magazinen, entmannet und beaufsichtigt die Einwohnerin feindlichem Gebiet, hält ein wachsames Auge auf Telegraphenleitungen und Eisenbahnen, stellt die Bestände all Vieh und Feldfrüchten im okkupierten Gebiet fest, damit sie für das Heer nutzbar gemacht werden können, zieht Kriegskontributionen ein, sorgt für die Bestattung von Leichen und das Vergraben von toten Tieren, zu welchem Zwecke sie nach jeder Schlacht das Schlachtfeld abreitet, trifft Maßnahmen zur Verhinderung der Spionage, lvodurch häufige Haussuchungen erforderlich werden, beschlagnahmt öffentliche Gelder usw. Du siehst, wir haben einen recht vielseitigen Dienst. Meine spezielle Aufgabe ist vor allein die Erledigung von Ermittlungssachen, Regelung aller Fragen,' die die Bevölkerung betreffen, wobei ich meine Kenntnisse der französischen Sprache recht gut aufgefrischt habe, die Berbindungnahme mit dem Generalkommando, der Intendantur, dem Kriegsgericht etc., sowie die Bearbeitung aller schriftlichen Eingänge des Trupps. Sämtliche Meldungen der Gendarmerie-Patrouillen des ganzen Korpsbereichs sind durch meine Hände gegangen. Bei Revision der im ganzen Korpsbezirk verteilten Gendarrnerie-Patrouillen begleite ich meinen Kommandeur zu Pferd oder im Auto, bin so bald hinten bei der Etappe, bald vorne in den verschiedensten Stellungen und bekomme auf diese Weise so viel zu sehen, wie kaum einer meines Dienstgrades iln ganzen Korps. — Eine lveitere Beförderung beirn Trupp ist nicht möglich, da wir nur eine etatsmäßige Offizierstelle haben. Auch mit Eisernen Kreuzen werden wir nicht so reichlich bedacht, wie die Front. Das halte ich auch für durchaus berechtigt Wenn wir auch wichtige Funktionen, oft in schwierigen Lagen, ausführen, so kann man unsere Tätigkeit doch nicht mit den Fronttruppen vergleicheil, vor allenr mit den Pionieren und der Infanterie, die unter fast ständiger Lebensgefahr ganz Außergewöhnliches leisten. Ich habe einen Respekt vor unserer Infanterie bekommen, das kann ich gar keinem sagen. Erst 50-60 Km Marsch, dann Gefecht, ohne vorher ordentliches Esten oder Ruhe bekommen zu haben, dann Sturmangriff — und dabei immer noch gute Laune Unsere Infanterie macht uns keiner nach. Jetzt bei dein Stellungskampf hat die Infanterie es bester. Die Verpflegung ist brillant und in den sorgsam ausgebauten Unterständen, die teils mit elektrischem Licht ausgestattet sind, läßt sich's aushalten. Wenn der Frühling kommt, ivird die Infanterie wohl wieder anstrengendere Arbeit bekommen. Bei meinem Dienst ist es besonders angenehm, daß mir mein Kommandeur sehr viel Freiheit läßt, sodaß ich in der Lage bin, bei Patrouillen- oder Spazierritten meine Bekannten zu besuchen. So treffe ich wohl alle K.C.er, die in unserem oder den Nachbarkorps sind, häufig und tausche mit ihnen alle Neuigkeiten aus. Da ich auch bereits zweimal in Cöln auf Urlaub ivar, konnte ich Verbindung mit