KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 4 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- Seite 374 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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374 Aus unserer Zel-post-vriesmappe.*) Letzte Grüße. j In Feuerstellung bei T... , den 18. 2. 1915. j Lieber Junge! Endlich einmal eine kurze Gefechts-! pause, die ich gleich benutzen will, um Dir zu sagen, wie sehr ich mich mit Deiner lieben Sendung gefreut habe. Ich hatte niemals gedacht, daß Du auf mein Schreiben hin überhaupt reagieren würdest und hatte es auch nur scherzhaft gemeint. Wirklich! ich habe schon allerlei geschickt bekoMinen, aber noch nichts hat mich so gefreut ivie das Paketchen des Rhenosilesenfuchsen, pardon: Rhenosilesenburschen. Nun eine kurze Schilderung meiner jetzigen Lebensrveise. - 19. 2. Da kannst Du sehen, wie's geht. Nun wollte ich gestern diesen Brief zu Ende schreiben, da ertönte wieder der monotone Ruf: „An die Ge-! schütze!" Keine Ruh bei Tag und Nacht! Ich will jetzt weiter schildern. Unsere Stellung, ganz in der Nähe des Ortes gelegen, wo Kb. Dr. Fritz Baum gefallen ist, war in der ersten Zeit sehr gemütlich. Es rvar allerdings allerlei Arbeit zu tun, um uns hier einzubuddeln, und geschlafen haben wir kaum eine Nacht. Aber wir konnten ivenigstens schießen, solange und soviel wir Lust hatten, ohne Feuer mitzubekommen. Das ist jetzt anders geworden. Wir sind mit ziemlicher Genauigkeit von feindlichen Fliegern festgesteüt und kriegen nun den ganzen Tag allerlei „dicke Sachen" herübergepfeffert. Aber was schadet das! Die Hauptsache ist, daß die Franzmänner hier nicht durchkommen. Wie gerne mochten sie das! Aber gegen deutsche Tapferkeit und deutsche Ausdauer ist nichts zu machen. Sie haben uns nicht 1 m Graben abnehmen können, dafür haben sie grauenhafte und unermeßliche Verluste gehabt und über 1000 Gefangene verloren. Und wenn man das bedenkt, so ist's einem gleich, ob hier die Geschosie herumsausen. —! Sehr gefreut habe ich mich über die vielen Auszeichnungen, die die K.C.er erhalten haben. Jede Auszeichnung, die ein Jude bekommt, erwirbt er nicht für sich selbst, sondern für das gesamte Judentum. Wer wird nachher noch an unserem Mute zweifeln wollen! — Zu Deiner wirklich verdienten Rezeption meinen herzlichsten Glückwunsch. Hoffentlich wirst Du baldigst Gelegenheit haben, auch mal eine scharfe Klinge in die Hand zu bekommen. Schreibe bitte möglichst oft und bald- Deine Zuschriften werden mich immer nur sehr erfreuen. Viele Grüße Dein tr. Bb. Alfred Cohn. In Feuerstellung 22. 2. 1915. Sehr geehrter Herr Kartellbruder! Sie glauben nicht, welche Freude Sie mir durch die Uebersendung der K.C.-Blätter gemacht haben. Wer weiß, wie sehr ich an unserem Verband hänge, kann allein ermessen, wie sehr mich alles interessiert, was im Verbände vorgeht. Und ich bitte Sie deshalb, dafür zu sorgen, daß ich immer rechtzeitig in den Besitz unseres Organs komme. Wir liegen hier in der Gegend von Tahure, also wohl nicht weit von der Stelle, wo unser Kb. Baum efallen ist. Ich habe ihn persönlich nicht gekannt, abe aber sehr viel von ihm gehört, so daß ich ihn sehr gerne kennen gelernt hätte. Nun ist er tot, wie leider schon so viele. — Wir haben hier fast eine doppelte Uebermacht gegenüber, tmd die Franzosen haben schon die rasendsten Versuche gemacht, hier durchzukommen. Aber wir sorgen dafür, daß sie mit blutigen Köpfen heimkehren. Mit vielen Grützen verbleibe ich Ihr Kb. Alfted Cohn (Ghib.) *) Ans Raummangel mitfticn wir in letzter Stunde noch zurückstellen. (Die Schristlcitung.) A . . . , 14. Februar 1915. Lieber Alex! Endlich sollstDu und darnit auch der Verband ein Lebenszeichen erhalten. Wie Du weißt, hatte ich mich freiwillig bei den 160er gestellt, bin dann zum Regiment 28 versetzt worden und jetzt schon fast 2 Monate auf Frankreichs schönen Auen. Mittlerweile bin ich zum Gefreiten befördert wordenweiter bin ich noch nicht gekoulmen. Nach einiger Zeit der Ruhe erwarten wir stündlich die Einladung nach vorne. Die K.C.- Blätter vom November habe ich erhalten. Du sorgst wohl bitte für die Zusendung der folgenden Nummern. Lebe wohl! Auf frohes Wiedersehen! Herzliche Grüße Dein Erich Ferse. Bor L . . . , 11. 11. 1914. Sehr geehrter Herr 8m)!*) Im herzlichen Mitgefühl mit Ihnen und den Ihrigen soivie in tiefer Trauer rrm den Verlust eines mir lieb gervordenen und tapferen Untergebenen muß ich Ihnen zu meinem tiefsten Leidwesen heute die traurige Botschaft übermitteln, daß Ihr Herr Sohn am 7. November beim Sturmangriff auf die feindliche Stellung vor L. den Heldentod gefunden hat. Infolge seiner Unerschrockenheit auch im stärksten feindlichen Fener ist er einer feindlichen Kugel zum Opfer gefallet!. A,«r 2. November traf Ihr Sohn ganz unerrvartet wieder bei der Kompagnie ein und schien sich sehr ivohl zu fühlen. Insbesondere gab er seiner Freude darüber Ausdruck, mit der Kompagnie wieder gegen den Feind marschieren zn können. Nachdem man unserer Brigade im Walde vor H. nach den schweren, verlustreichen Kampftagen aur Iser-Kanal einige Tage Ruhe gegönnt hatte, wurde unser 2. Bataillon in der Nacht vom 6. zum 7.11. u»n 2,30 Vorm, nach P. in Marsch gesetzt. Das Bataillon traf frühmorgens bei P. ein, und unsere Koinpagnie wurde zur Unterstützung eilies Angriffs auf die feindliche Stellung in die vordersten Schützengräben vorgezogen. Hier ereilte Ihren Sohn die feindliche Kugel, als er sich davon überzeugen lvollte, ob der Feind abgezogen sei und er sich zn diesen- Zwecke unerschrocken über die Brüstung der vom feinolichen Feuer bestrichenen Schützengräben erhob. Er ist als Held gestorben. Das Andenken an ihn, als an einen vortrefflichen, unerschrockenen, pflichttreuen und lieben Kameraden tvird von seinen Vorgesetzten, besonders von mir, sowie von seinen .Kameraden und seinen Mannschaften stets in Ehren gehalten werden. Seine Grabstätte befindet sich innerhalb der Schützengräben, auf einer Wiese, ettva 1 km südwestlich P. in der Nähe der Straße von P. über St. I. nach Ä). Hier ruht Ihr tapferer Sohn in einem Grabe zusammen mit einem Feldwebel der 4. Koutpagnie des Res.-Jnf.-Regt. .., der von einer Granate in demselben Schützengraben getötet wurde. Auf den! Grabe sind die Namen der Gefallenen angegeben. Die Wertsachen sind Jhrern Sohne abgenonunen lvorden und werden tm Wertbrief Ihnen zugehen, ebenso werden sein Koffer und die sonstigen Ausrüstungsstücke Ihnen zugesandt werden. Indent ich Ihnen und Ihrer sehr geehrten Frau Gemahlin nochmals meine herzlichste Teilnahme ausspreche, bin ich Ihr ergebenster mit Ihnen um den vortrefflichen Menschen und tapferen Soldaten trauernder D ..., Hauptmann n. Kompagnieführer. *) Dieser Brief ist von dem Kompagnieführer unseres gefallenen Vcrbandsbrnders Adolf Levy (Ghib.) an dessen Eltern gerichtet. ganze Anzahl bereits gesetzter Feldpostbriefe für die nächste Nummer