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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · p. Seite 373

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 373 (sequence 31)
Language
German
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S.-S. 1914 in die Ferien fuhr, da weinte er bitterlich im Zuge, von einer dunklen Ahnung beseelt, daß er Freiburg nie mehr Wiedersehen werde. Durchdrungen von ehernem Pflichtgefühl stand er auch auf dem Fechtboden seinen Mann. Und er mag eine gewisse Genugtuung empflmden haben, als der Krieg ausbrach, daß er nun zeigen konnte, wie tief die Früchte der K. C.-Erziehung, der er nach seinen eigenen Worten so viel verdankte, bei ihm Wurzel geschlagen hatten. Denn äußerst bescheiden und zurückhaltend, nicht gleich jedem zugängig, gehörte er zu denen, die nicht nach außen hin viel Wesen von sich machen und glänzen, die aber doch für den, der tiefer in ihr Innerstes hineinschauen und ihnen näher treten darf, viel, sehr viel als guter Mensch und treuer Freund bedeuten) ein vornehmer, offener und ehrlicher, mit einem Wort gesagt, ein „ganzer" Charakter! — Von treuer, edler Gesinnungsart und ausgestattet mit dem echten goldenen rheinischen Humor wußte er all die für sich zu gewinnen, denen er etwas sein „wollte". Unvergeßlich werden uns die Kneipen sein, auf denen er durch den Bortrag seiner Rheinlieder — er verfügte über eine klangvolle Tenorstimme — so viel zur Erhöhung der Stimmung beitrug. — Schweren Herzens nahmen rvir alle, die wir ihn näher kannten und schätzten, von ihm Abschied, als er kampfbegeistert und frohen Muts als Kriegsfreiwilliger hinauszog. Leider hat er nun für immer seine Freunde verlassen! Sein unerschütterliches Pflichtgefühl und sein innerstes Wesen kennzeichnen wohl am besten die Worte: „Für des Königs Ehr' und des Landes Wehr' verließ er ja gern die Welt!" Curt Simons (Ghibelliniae). Karl zrankenbach. (Spreviae, Ghibelliniae). Am 28. März starb in einem Berliner Lazarett unser lieber Bundesbruder, mein Leibbursch Karl Frankenbach. Gleich zu Beginn des Krieges hatte er sich zusammen mit einer Reihe von Bundesbrüdern, Spreven und Ghibellinen, als Kriegsfreiwilliger gemeldet) zwei Monate später zog er freudig hinaus in Feld, nach abermals zwei Monaten, am 7. Dezember, wurde er in Russisch- Polen verwundet und kam ins Lazarett. Kaum war er genesen und hoffte wieder ins Feld zu kommen, da hat eine tückische Krankheit den Eltern den einzigen Sohn, uns den lieben Freund weggerafft. Im Sommer 1913 trat er in die Ghibellinia ein. Rach einem schön verlebten Fuchsensemester ging er in seine Heimatstadt Berlin. Bald verlieh ihm die Sprevia, der er mit Leib und Seele angehörte. als einem der ersten Füchse des Semesters das Burschenband. Dann zog es ihn wieder zurück in die holde Musenstadt im Dreisamtale, und noch einmal genoß er hier die Freuden des Korporationslebens in vollen Zügen) da kam der Krieg und setzte mit einem Schlage allen weiteren Plänen ein jähes Ende. Karl Frankenbach gehörte nicht zu denen, deren Vorzüge gleich jedem in die Augen fallen, der ihnen naht. Man mußte ihn tiefer und näher kennen gelernt haben, um den inneren Wert seiner Persönlichkeit richtig würdigen zu können. Da? hatte er — bei aller sonstigen Verschiedenheit des Wesens — gemeinsam mit Alfred Cohn, dem andern „Genossen froher Stunden", den der Krieg aus der Reihe der aktiven Ghibellinen gerissen hat. Beide zeichnete in hohem Maße jene Eigenschaft des deutschen Korporationsstudenten aus, die man am besten mit dem Ausdrucke „Bierehrlichkeit" bezeichnet. Die Bierehrlichkeit im schönsten und tiefsten Sinne des Wortes, die Unbekümmertheit um die Konsequenzen des eigenen, einmal für richtig erkannten Handelns beseelte Um: Mochte er das schäumende Bierseidel, die blitzende Klinge des Gegners oder — auch das ist zweifellos die feindlichen Geschosse vor sich haben, stets blieb er der gleiche, charakterfeste, energische Mensch. Mehr als die meisten Bundesbrüder beschäftigte er sich mit den Fragen der Tendenz unseres Verbandes: aber auch auf der Mensur stand er feinen Mann, und bei Kneipe und Exbummel war er ein allzeit fröhlicher Zechgenosfe. Denen, die ihm näherstanden, war er ein liebevoller, aufrichtiger Freund und treuer Berater, auf den man sich unbedingt verlassen konnte. Seine Begeisterung für die Ideale des K.C. trug nicht wenig zu seinem Entschlüsse bei, sich als Kriegsfreiwilliger zu melden. Sie erfüllte ihn nach seiner Verwundung mit dem sehnlichen Wunsche, wieder hinauszuziehen ins Feld. Seine Anhänglichkeit und Liebe zur Verbindung zeigte er noch in den letzten Wochen, in denen er sich freute, als Verwundeter die Kneipen seiner lieben Sprevia besuchen zu können. Nun ist er von uns gegangen. Alle, die ihn kannten, fühlen, welch schmerzlichen Verlust wir, seine Freunde, seine beiden Verbindungen und damit der K.C. erlitten hat. Erich Stern, (Rhenosilesiae, Ghibelliniae).

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