KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 4 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- Seite 372 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2268830-2268887-2268892--1413-3523026- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Texas 1× ep/1045838
OCR text
372 guitung tjt* ^'üstx ücuuc^sn ttt ctjtcr urne ^yii|Oiis teristen", so schrieb er seinen Eltern- — Wie wir, seine Bundesbrüder, ihn alle, ohne Ausnahme, liebten, so beliebt war er auch bei seinen Kammeraden. Jeder kannte ihn, jeder hatte für ihn ein freundliches Wort, einen freundlichen Gruß; und wie er alle Bundesbrüder gern hatte, so sah er in jedem Soldaten, der mit ihm war, den guten Kameraden. Erst spät rückte er aus, da er sich noch während seiner Ausbildungszeit bei einer Uebung eine Verletzung zugezogen hatte. Er kam dann in die Champagne, um dort mitzuhelfen, die verzweifelten Durchbruchversuche der Franzosen abzuwehren. Der großen Gefahr, die ihn umgab, war er sich voll bewußt, aber er wußte auch, daß es heilige Pflicht war, auszuharren auf dem Posten, auf den das Vaterland ihn gestellt hatte. Wie einfach schlicht und doch wie wunderbar schön klingen die Worte, die er wenige Tage vor seinem Heldentode an seine Eltern gerichtet hat: „ . . . aber ich habe Glück, und es muß sein. Wir Unverheirateten gehören an die erste Stelle. Es gilt dem Vaterlande, es gilt der Ehre!" Am 14. Februar konnte er mir mit wahlberechtigter Freude seine Beförderung zum Gefreiten mitteilen. Am 15. Februar erhielten'seine Eltern die letzte Kunde von ihm. Dann blieb lange Zeit jede Nachricht von ihm aus. Die amtlichen Verlustlisten bezeichncten ihn als „Vermißt". Man wußte, daß beim Sturm auf einen französischen Graben, der dann vom Feinde wieder genommen wurde, von der ganzen Gruppe, die Erich Ferse geführt hat, keiner mehr zurttckgekommen ist. Da, nach etwa vier Wochen, bittet ein Kamerad, der in Gefangenschaft geraten ist, seine Eltern, den Angehörigen Ferses mitzuteilen, daß Erich am 18. Februar den Heldentod gestorben sei. Der Tod hat in dieser furchtbaren Zeit, in der des Landes Blüte zahllos hinweggerafft wird, viel von seinem grausigen Schrecken verloren. Wir haben in diesen Monden soviel Jammer und soviel Elend geschaut, daß wir fast gleichgültig dem gegenüberstehen, das uns in anderer Zeit mit Entsetzen ergriffen hätte. Und doch, wenn wir fühlen, wie das unerbittliche Schicksal mit seiner ehernen Hand eingreift in den Kreis, in dem wir selbst uns bewegen, dann bricht auch bei uns mit Macht der Schmerz und die Trauer aus ob des Verlustes, den wir zu tragen haben. Soll es möglich sein, daß dieser liebe, stets so fröhlich gewesene Mensch aus immer von uns geschieden ist? Wird er nie mehr eintreten in unsere Reihen, nie mehr mit seinem lustigen Lachen uns erfreuen? Wir können cs kaum fassen. Was aber bedeutet unser Schmerz, die wir doch nur einen Freund verloren haben, gegenüber dem Schmerz der Eltern, die den Sohn, gegenüber dem Schmerz der Geschwister, die den Bruder beklagen! Doch viel, sehr viel haben auch wir in ihm verloren. Stolz wollen und dürfen wir auf ihn sein, dessen junges, schönes Leben sein echter deutscher Heldentod krönt. Nie werden wir ihn vergessen: mit der Erinnerung an unsere herrlichste Jugendzeit ist unlöslich verwoben das Gedenken an Erich Ferse. Dr. Kurt Alexander (Badeniae-Bavariae, Rheno-Silesiae). Msred Lohn (Ghibelliniae). Wohl einem jeden, der hinauszieht, um draußen auf blutgetränkten Schlachtfeldern für seines Vaterlandes Größe, Ehre und Freiheit zu. kämpfen, ist der Gedanke vertraut, daß auch sür ihn das tödliche, feindliche Blei bereits gegossen sein könne: und doch beseelt sie alle das Vertrauen und die Hoffnung, wiederzukehren in die Heimat zu Eltern und Freunden. In vielen seiner kampfbegeisterten Briefe und Karten aus dem Felde gab auch unser lb. Alfred Cohn, wohlvertraut mit dem Gedanken, daß auch er für sein geliebtes Vaterland heute oder morgen vielleicht' schon sein junges Leben lassen müsse, trotzdem immer wieder der Herzcnshoffnung Ausdruck, die Heimat und seine Lieben daheim 'wiederzusehen. Das unerbittliche Schicksal hat es anders bestimmt- Alfred Cohn ist nicht mehrder Schnitter Tod hat auch ihn aus unseren Reihen sich als Tribut geholt. In den schweren Kämpfen, die die rheinischen Regimenter in der Champagne gegen den verzweifelten Ansturm der! Franzosen in den ersten Wochen des März zu bestehen hatten, durfte auch er mitkämpfen, mitsiegen und dem Vaterland sein blühendes Leben zum Opfer bringenam 4. März fand er bei Tahure den Heldentod. Einer unserer jüngsten K.C.er und der erste aus der stattlichen Korona, die vor Kriegsausbruch das herrliche S.-S. 1914 in Freiburg unter Ghibellinias Banner verleben durfte, ist mit ihm dahingegangen. Im S.-S. 1913 in der Ghibellinia aktiv geworden, widmete er sich mit Leib und Seele seiner geliebten Verbindung, die ihm alles waran ihrem Wohl und Wehe nahm er den regsten Anteil, er scheute weder Müh noch Arbeit, wenn es galt, „ihr" Dienste zu leisten. Drei Semester durfte er, das schwarz-weiß-blaue Band auf der Brust, in dem von ihm so hochgeschätzten Freiburg und den herrlichen Bergen und Wäldern des Schwarzwaldes verbringen und die schönste Zeit seines Lebens, da man' noch froher Bursche hieß, wie er selbst schreibt, in dem „geliebten j Städtchen" verweilen. Als er am Schluß des