KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 4 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- Seite 371 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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871 freuen, dann wird, wenn alter Zeiten gedacht wird, die Lücke, die unser alter lieber Terry in unseren Reihen hinterläßt, besonders schmerzlich empfunden werden von all denen, die ihm im Leben nahe gestanden haben, und mit tiefer Wehmut werden wir seiner gedenken. Hans I. Remak, (Spreviae). Erich Zerse. (Bavariae) Noch ist mir's, als sei es gestern gewesen, da ich an einem wunderbaren Frühlingsnachmittage vor 4 Jahren aus unserer trauten Heidelberger Kneipe Erich Ferse kennen lernte. Sein Brüder, unser Bundesbruder Max Ferse, hatte ihn hergeleitet, damit auch Erich seine schönste Jugendzeit in dem Kreise verbringen sollte, den er über alles liebte. Am Abend zogen wir hinaus in die herrlichen Neckarberge. Und dort oben, als uns Füchsen, die lvir alle erst wenige Tage aktiv waren, der nie vergehende Zauber Heidelbergs umfing, als lvir zum ersten Male ahnten, welch wunderbare Zeit unser wartet, da ward Erich Ferse unser. — Es dauerte nicht lange, bis er sich in unserem Kreise eingelebt. Biel schneller als lvir andern hatte er sich mit der Verbindung, ihren Sitten und Gebräuchen, die uns allen am Anfang ungewohnt erschienen, abgesunden. Manchen von uns, der glaubte, den Zwang nicht ertragen zu können, hat Erich Ferse aus das Gute und Zweckmäßige aufmerksam gemacht und dadurch wieder dem' Verbände gewonnen. Sein Interesse für die Verbindung verwandelte sich bald in helle Begeisterung, und als sie mit den späteren Semestern sich abklärte, blieb eine tiefe warme Liebe. Seine Bavaria ging ihm über alles. Nie versäumte er in den letzten Semestern in Bonn, bei irgend einer Veranstaltung der Rheno-Silesia stolz im Schmucke des violett-weiß-orangenen Bandes zu erscheinen. Ost lnachte er mir später Vorwürfe, daß ich durch meine Zugehörigkeit zur Rheno-Silesia nicht mehr in der Lage wäre, meine ganzen Interessen der Bavaria zu widmen. Wir alle liebten Heidelberg. Keiner von uns aber so wie er. Nie habe ich Erich Ferse wieder so lustig und fröhlich gesehen, lvie in unseren Heidelberger Tagen, und er gestand mir selbst einmal zu, daß er seit seinem Weggang von Heidelberg viel ernster geworden sei;' es fehle ihm etlvas, das ihm nichts wieder ersetzen könne. Wie freute er sich, wenn es uns während unserer Bonner Zeit unsere Geldmittel erlaubten, ein paar Tage unsere alte, liebe Ruperto-Carola auszusuchen, um dann in toller Jugendlust vergangener Zeiten noch einmal zu gedenken. Als Erich Ferse wenige Tage aktiv war, da gab ihm unser Erstchargierter, unser lieber Erich Kahn, der nun auch schon in Frankreichs Erde schlummert, den Namen „Nippes". Und diesen Namen behielt er; denn er charakterisierte nicht nur die zierliche Gestalt unseres Freundes, er trifft auch die seine, vornehme Gemütsart. Wir alle hatten ihn gern. Wenn in unseren damaligen Semestern in prinzipiellen Fragen innerhalb der Aktivitas sich heftige Kämpfe abspielten, wenn auch — glücklicherweise nur vorübergehend — persönliche Mißstimmungen die Folgen dieser Dissonanzen waren: unserem Nippes.konnte man, auch wenn inan seine Ansicht eben erst auss hitzigste befehdet hatte, nie gram sein. Schaute er einen mit seinen großen leuchtenden Augen an, dann waren alle Gegensätze vergessen. Man fühlte sich als Bundesbrüder, als Freunde. Den Begriff der Bundesbrüderlichkeit nahm er sehr ernst. Jedem, der das Band der Bavaria trug, war er zugetan; hatte einer von ihnen ein Anliegen. so fand er in Erich Ferse einen treuen Helfer. Auch seine Pflichten als Korporationsstudent erfüllte er streng. Wenn auch seine körperliche Zartheit ihn nicht befähigte, häufig aus Mensur zu treten, so sacht er dach die wenigen Male mit einer Energie, die uns alle in Staunen setzte. Aus Konventen war er ein tüchtiger Berater, aus Kneipen ein ursröhlicher Zechgenosse. Vier Semester verweilte Ferse in Heidelberg, vier Semester durchkostete er in Deutschlands herrlichster Musenstndt alle Freuden des Stndententums bis zur Neige. Dann siedelte er nach Bonn über, um sich dort für das Examen vorzubereiten. Seine Studien verhinderten ihn nicht, seiner Pflicht als K.C er dadurch zu genügen, daß er der Bonner Verbindung und ihren Mitgliedern ein echt kartellbrüderliches Interesse entgegenbrachte. Häufig erschien er dort aus unseren Konventen, bei keiner größeren Veranstaltung fehlte er. Mangelte es uns einmal an der nötigen Anzahl von Leuten, so konnten wir sicher sein, daß sich Ferse uns bereitwilligst zur Verfügung stellte. Am I.März meldete er sich mit uns, seinen Konsemestern, zum Reserendarexamen. Schon hatte er die große wissenschaftliche Arbeit abgeliesert, da zwang ihn ein ernsteres Magenleiden, seine Studien vorläufig zu unterbrechen. Aber alle Krankheit war vergessen, alle körperliche Schwäche überwunden, als der Krieg ausbrach. Als einer der ersten stellte er sich, getrelt den Idealen, die er stets vertreten, als Kriegsfreiwilliger dem Baterlcmde zur Verfügung. Als Beweis seines ganz besonderen Mutes sei angeführt, daß er sich zur Infanterie stellte, obwohl er wußte, wie gefährdet gerade diese Waffen-