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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · p. Seite 370

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 370 (sequence 28)
Language
German
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370 erforderlich. Schon ging er feiner Genesung entgegen, da trat plötzlich eine Verschlimmerung des Leidens ein, eine zweite Operation war unumgänglich. Aber der schon stark geschwächte Körper konnte einem erneuten Eingriff nicht standhalten) eintretende Herzschwäche setzte seinem Leben ein Ende. Noch genau erinnere ich mich des Tages, an dem Arthur Maser zum ersten Male auf unsere Kneipe kam. Ein großer, schmaler, blasser Jüngling, der zunächst den Eindruck eines blasierten Menschen machte. Aber sobald man sich mit ihm in ein Gespräch eingelassen hatte, mußte man erkennen, daß hier, wie so oft, der Schein getrogen hatte. Bewandert auf vielen Gebieten, zeigte er bald reges Interesse für den K. C.-Gedanken. Die anfangs gegen die K. C.-Jdee gehegten Bedenken waren bald zerstreut und schon nach wenigen Tagen zählte er zu den unfern. Durch sein liebenswürdiges und gefälliges Wesen war er bei alten und jungen Bundesbrüder gern gesehen. Wenn es galt, für den K. C. einzutreten, auf ihn war stets Verlaß. Nur wenige Semester weilte er in München. Das Examen zwang ihn, seine Heimatsuniversität aufzusuchen. Wenn er von nun an auch nicht mehr für längere Zeit an dem Orte einer K. C.-Verbindung weilte, so blieb sein Interesse für uns doch immer wach. Zur rechten Zeit bestand er sein Referendarexamen. Sein Beruf war ihm stets lieb. Nach Aussagen älterer Juristen war er ein guter Jurist. Nicht lange mehr, nachdem er sein Studium völlig beendet hatte, sollte er sich seiner Wissenschaft freuen. Kurze Zeit nach dem Assefforexamen raffte ihn der Tod hinweg. In uns allen, die wir ihn kannten, wird das Andenken an diesen lieben Bundesbruder nie erlöschen. Vr. Otto Wolfes, (Licariae). Max Moritz Lohn (Spreviae). Am 31. Januar fiel Max Cohn bei Bolimow als Unteroffizier der Landwehr. Er ruht in russischer Erde da, wo er fiel. Wir neigen uns in Ehrfurcht dem Schmerze seiner Frau, die er nach langem Warten im Mai 1914 heimführen durfte, und dem Gram seiner Mutter, deren Stolz er war. Und selbst in dieser Zeit, in der das blühendste Leben vergeht, und so mancher alte Freund schon heimgegangen ist, wird jeder, der Max Cohn kannte und von seinem Tode hört, anhalten und sich' mit wahrer Trauer sagen: Unser alter, lieber Terry ist nicht mehr! Unser alter, lieber Terry! 17 Jahre sind's her, da wurde er in Berlin aktiv, noch auf der Kneipe bei Friboes, und als er 8 Tage aktiv war, hieß er „Terry"! So mancher von uns hätte kaum sagen können, wer Mar Cohn war, aber den Terry kannten wir. Uno wenn sich alte Spreven in späteren Jahren von jenen unsäglich schönen Zeiten unterhielten, als Couleur aufgesetzt wurde und die vielen Suiten kamen, da fragte wohl jeder zuerst: „Was ist aus Terry geworden?" Terry kam zu uns mit einem ehrlichen, festen Willen. Er wollte ein guter Jude sein und ein braver Spreve werden. Er konnte nicht leicht ausgelassen sein, doch war er der Fröhlichsten einer. Sein Wesen war nicht leicht, doch tief. Seine Freundschaft war ein Gut, mit dem er nicht Verschwendung trieb. Aber wem er zugetan war, den hielt er fest. Sein Ja war Ja, sein Nein war Nein! Terry hat nie ein unwahres Wort gesprochen, er hätte es auch nicht können, wenn er's versucht hätte. Er überlegte, sprach dann und blieb dabei, war aber begründetem Einspruch zugänglich. Er war keineswegs ein Glanzfechter, aber er stellte sich hin und dann konnte es eben losgehen. Er stand! Als Fuchs war er nicht allzu gewandt, aber er stand fest auf seinen Füßen und schaute mit seinen ehrlichen Augen gerade in die Welt. Terry war mit 18 Jahren ein Mann. Als er 8 Tage bei uns war, sahen wir, daß er ein Charakter war. Seine Treue und Ehrlichkeit, seine Tapferkeit und sein Pflichtgefühl machten ihn gleich jedem Herzen teuer. Wir Füchse fühlten, in Terry sei etwas, was wir uns auch aneignen müßten. Daß er später die höchsten Ehrenämter in der Sprevia inne hatte, versteht sich von selbst. Auch, daß er von uns geliebt wurde, wie keiner hat mehr geliebt werden können. Wenn wir uns damals das. Bild eines wahrhaft honorigen Studenten vorstellten, so glich es unserem Terry; er war eben unser Terry. Nach vier Semestern verließ er Berlin. Seine Referendarzeit verbrachte er in der Provinz Posen. Hauptsächlich aus jüdischem Interesse hat er sich dann auf dem stark gefährdeten Boden Westpreußens niedergelassen. Zuletzt war er Rechtsanwalt in Marienburg in Westpreußen. Auch dort hat er eifrigst für unsere Sache gearbeitet) er wurde ein tüchtiger Vorkämpfer des Zentralvereins, dem er durch seine Tätigkeit bedeutende Dienste geleistet hat. Nun erreicht seine alten Freunde die traurige Kunde von seinem Heldentode! Es wird wieder die Zeit des Friedens kommen, nach vielen schmerzlichen Verlusten in unserem Bunde. Und wenn sich dann später einmal Spreven aus jenen alten Jahrgängen treffen und sich die Hände reichen und des Wiedersehens

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