KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 4 (März 1915)
- Date
- 1915-03-01
- Page
- Seite 369 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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369 in manchen Beziehungen noch gährender Most. Es fehlte ihm diejenige Ausgeglichenheit des Charakters, die erst der Beruf und das Leben geben. Eine aewisse angeborene Schüchternheit mag dazu beigetragen haben, diesen Eindruck der Unsicherheit und Unausgeglichenheit zu erhöhen. Aber das war damals schon sicher, daß er in ständiger Selbsterziehung weiter arbeite. Wie sehr bedaure ich, daß die Verschiedenheit des Berufes und Tätigkeitsfeldes uns auseinandergerissen hat, und daß ich dem in der Schule des Lebens gereiften Manne nicht mehr so nahe sein konnte wie dem Studenten. Nur flüchtige und seltene Grüße flogen herüber und hinüber, und ich wußte im Grunde nur das, daß Lehmann in Krankenhäusern und Kliniken aller möglichen Gegenden Deutschlands an seiner beruflichen Weiterbildung arbeitete und daß er sich schließlich in seiner Heimatstadt Regensburg niedergelassen hatte. Auch das wußte ich, daß er gleich zu Beginn des Krieges als Arzt mit ins Feld gezogen war. Wie sehr er jedoch als Mann alle auf ihn gesetzten Erwartungen erfüllt hat und was er für diejenigen, die in fortgesetzter persönlicher Berührung mit ihm blieben, war, das habe ich wiederum durch den Beileidsbrief erfahren, den sein Regimentsarzt an die Ellern des Gefallenen schrieb und der zeigt, wie der Verblichene in seiner Art für den K. C.-Gedanken gewirkt hat: Aprsmont la foröt, 13.1.1915. Verehrter Herr Lehmann! Obwohl Sie durch den Bataillonskommandeur Herrn Major v. B. unsere Gesiihle der wärmsten und regsten Anteilnahme an Ihrem so schweren Verluste übermittelt bekamen, halte ich es doch für meine Pflicht, Ihnen namens der Sanitätsoffiziere und des Personals nochmals unsere Trauer auszusprechen. Wir haben einen treuen Freund verloren, einen ganz edlen und festen Charakter, den wir in jeder Not und Gefahr geschätzt haben. Weit über die Grenzen der Division war Ihr Sohn bekannt und geachtet wegen seines ruhigen und bescheidenen Schneid, wenn es galt, den armen Verwundeten beiznstehen, und kaltblütig und gewifienhaft tat er seinen Dienst, ohne Ermüdung, ohne Selbstberücksichtigung; anspruchslos und aufopfernd war er allen ein leuchtendes Beispiel. Nicht ein einziges Mal haben wir an seinem Wesen eine Stelle beobachtet, die Anlaß zur Kritik geboten hätte. Als Kollege und Sanitätsosfizier war er eben ein vollwertiger Mann. Lorenz Lehmann verdient wie selten einer die höchste Achwng nach dem Tode und das treueste Gedenken. Gemäß seiner Gewohnheit ging er sonst meist nachmittags seine guten Freunde auf den Feldwachen usw. besuchen, ungeachtet der oft recht ekligen Granaten. Gerade gestern blieb er zu Hause und saß lesend am Fensterchen seiner Wetterbude, als eine aus der Höhe niedersausende Granate voll in diese einschlng und ihn auf der Stelle tötete; er hat wohl überhaupt von dem ganzen Vorfall nichts gemerkt, vr. Schenk und ich, die wir angebaut an die Bude Lehmann wohnen, eilten sofort hinüber und fanden ihn entseelt am Boden liegen. <12.1., nachm. 3 Nhr.s Es hat uns tief erschüttert, um so mehr, als wir alle ^uns hinter der Höhe, die wohl 60 Grad Steigung hat, sicher wähnten. Allen seinen vielen Freunden ist sein plötzlicher Tod ein furchtbarer Schlag. Gegen des Höchsten Willen gibt es eben kein Auflehnenwir müssen alle in diesem furchtbaren Kriege uns darauf gefaßt machen, abberufen zu werden.; Seinen Koffer stelle ich heute abend dem Bat.-Adjudanten zu. Er wird über das Nürnberger Ersatz- Bataillon an Ihre Adresse gehen. Tröste Sie der große Gott! Mit ergebenstem Gruß Ihr vr. Assum, Stabs- und Regts.-Arzt im 14. Jnf.-Regt. - Auch das sei erwähnt, daß Lehmann als erster unter allen K-C.-ern das Eiserne Kreuz erhielt, daß er nach andern Briefen während der 6 Monate, in denen er seinen Berus im Felde ansübte, „nie über Entbehrung oder Mühsal geklagt, sondern immer nur Freude am Vorwärtskommen unserer Truppen geäußert hatdaß er Verwundeten im heftigsten Gewehr- und Granatseuer beistand und sich freiwillig meldete, wo immer Hilfe nottatdaß er in seinem Regiment ein außerordentlich beliebter Mensch war, den vor allem auch die Einwohner in den feindlichen Dörfern vor Nancy sehr schätztendaß Frauen imd Kinder den „Monsieur Lehmann" kannten, daß er selbst in Orten, wo die Bevölkerung aus Militärpersonen einen blinden Haß hatte, ruhig wandeln konnte, und daß er überall dafür bekannt war, daß seine Hilfsbereitschaft keine Grenzen kannte." Dies schreibt ein Arzt, der ihn erst im Felde kennen gelernt hat. Ueber Lorenz Lehmanns Tode liegt eine doppelte Tragik. Als er fiel, lag sein Vater auf dem Sterbebette und wenige Tage nachher hat er das Zeitliche gesegnet. Die bejahrte Mutter muß so den doppelten Schmerz allein tragen. Die Größe der Zeit läßt uns Situationen ertragen, die uns in gewöhnlichen Zeitläufen in den tiefsten Grundfesten erschüttern würden. Das Andenken an unseren Lorenz Lehmann aber, den ein ihm als Jugendfreund besonders nahestehender Kartellbruder mit Recht „als Mensch, Arzt und K C.er gleichermaßen vortresslich" nennt, wird in der Geschichte der Bavaria-Badenia allezeit ruhmvoll weiterleben. vr. Albert Nachmann, (Badeniae-Bavariae). vr. Arthur Glaser (Licariae). Wieder hat der Tod ein Opfer von uns gefordert. Arthur Glaser weilt nicht mehr unter uns. Nicht auf dem Felde der Ehre ließ er sein junges Lebeneiner heimtückischen Krankheit fiel er am 14. Januar in Berlin zum Opfer. Eine schwere Drüsenerkrankung machte eine Operation