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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · p. Seite 368

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 368 (sequence 26)
Language
German
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368 wir ihn begraben. Eine riesige Trauergemeinde war es, die dem Dahingegangenen ihre Liebe und Achtung, den schwer geprüften Eltern und Geschwistern ihr ausrichtiges und inniges Mitgefühl zum Ausdruck brachte. Etwa 15 K. C.er aus Breslau und Oberschlesien hatten sich versammelt, und drei Oppelner Mitschüler senkten als Chargierte der Thuringia die Fahne der Verbindung über seinem Grabe als einen letzten Scheidegruß. Er galt einem treuen Bundesbruder, einem lieben Freunde, einem guten deutschen Juden, der im Dienste seines Vaterlandes gesaüen war! Neben den Kränzen der Ghibellinia und Thuringia lag auch ein schlichtes Tannengewinde auf seinem Sarg, das ihm ein trauernder Kamerad vom fernen Polenlande her mit auf den Weg gegeben hatte. Auf der Schleife stand von Freundeshand geschrieben der schöne Spruch: „Tot ist, wer vergessen wird!" Das Wort sprachen auch wir bewegten Herzens am Grabe als Kartellbrüder, als Freunde! Und das Wort soll bleiben! Er wird nicht vergessen sein. Er lebte und starb als ein treuer Jude und ein guter Deutscher und unter den vielen Helden des K.C., die für ihre Ideale in den Tod gegangen sind, wird auch der NameBrunoAbrahams in Ehren genannt werden. Felix Goldmann (Thuringiae). vr. Loren; Lehmann (Badeniae-Bavariae). Durch eine kurze Nachschrift in dem Briefe eines Freundes erfuhr ich, daß mein lieber Leibfuchs Lorenz Lehmann am 12. Januar 1915 bei Apremont gefallen sei. Bei der Nachricht von seinem Heldentode ist mir das im Sturm des Lebens nur allzuleicht sich verwischende Bild jener Zeit, die wir in innigster Freundschaft verbunden in Heidelberg verbracht hatten, mit voller Deutlichkeit wieder vor die Seele getreten. Als Lehmann nach einer zweisemestrigen Studentenzeit in Erlangen im Sommer 1903 nach Heidelberg kam, um bei der Bavaria aktiv zu werden, blieb uns der Eindruck einer originellen, kraftvollen Persönlichkeit vom ersten Tage an. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch die äußere Erscheinung, an welcher der mächtige, zum Körper in keinem Verhältnis stehende Kopf das markanteste war. Lehmann ist eine echt sokratische Natur gewesen. Tiefe Intelligenz, Treue und eine leidenschaftliche Liebe zur Wahrheit waren die Grundzüge seines Wesens. Er war Lein Mann der Feder und liebte es auch nicht, in öffentlicher Rede hervorzutreten. Daher mag es tvohl kommen, daß sein Wirken im K.C. nicht überall so gekannt und gewürdigt wurde, wie er es verdient hätte. Was der KzA. an ihm verloren hat, wissen nur die, die ihm persönlich näher getreten sind. Ich sehe ihn noch vor mir, wie' er im Convent ruhig, jedoch mit dem Zuge angestrengtesten Nachdenkens im Gesicht, zuhört und dann in wenigen knappen Sätzen seine Meinung äußertwie er beim Disputieren im intimen Freundeskreise — er liebte dieses Disputieren leidenschaftlich — immer krampfhaft bemüht bleibt, ja nur das Wahre und Richtige zu treffen, und Jrrtümer immer freimütig zugesteht. Er hatte sich auf alles, was mit der Verbindung und dem K. C. zusammenhängt, mit einem Eifer geworfen, der nur bei voller innerer Anteilnahme möglich war. Hatte er sich einmal für eine Idee entschieden, dann hing er derselben mit Leidenschaft an. Es ist kein Zufall, daß er durch mehrere Semester hindurch Fuchsmajor wurde. Die jungen Leute, die die Brust von Idealen geschwellt auf die Universität kamen, fühlten sich instinktiv von ihm angezogen. Er hat immer auf Verinnerlichung des Verbindungslebens hingearbeitet und ist während seiner Tätigkeit als Fuchsmajor für die Einführung regelmäßiger wissenschaftlicher Abende und systematischen Turn- und Schwimmunterrichts energisch eingetreten. Auf die Pflege der Ideale des K. C. ist er nicht nur im Rahmen des offiziellen Verbindungslebens, sondern auch in privaten Unterhaltungen immer und immer wieder zurückgekommen. So hat er das Verbindungsleben in Heidelberg durch Semester hindurch in wahrstem Sinne des Wortes getragen. Das Bild wäre nicht vollständig, wenn ich nicht auch an jene Seite im Wesen des Verblichenen erinnerte, die ein Erbstück seiner bayerischen Heimat zu sein scheint. Es war ihm trotz seiner unscheinbaren Figur angeboren, Provokationen auf der Stelle ebenso energisch heimzuzahlen, rvie er aus der Säbelmensur allen durch seine Ruhe und Kraft imponierte. Und wenn es darauf ankam, seinen Gegner unter den Tisch zu trinken, so stellte er seinen Mann, wie nur einer, und dies, ohne je die Herrschaft über sich zu verlieren. Bei aller Urwüchsigkeit wirkte er nie derb. Dazu war sein Wesen mit zu großer Zartheit durchsetzt. Niemand konnte mehr wie er sich an den Schönheiten eines Liedes oder an den Herrlichkeiten der Heidelberger Landschaft erwärmen. Wie oft hat er auf einsamen Spaziergängen mit leuchtenden Augen von Eltern und Schwestern gesprochen, an denen er mit rührender Zärtlichkeit hing! Als Lehmann nach bestandenem medizinischen Staatsexamen Heidelberg verließ, war er wohl

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