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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · p. Seite 367

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 367 (sequence 25)
Language
German
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367 Semester gab man ihm die erste Charge, und! Fritz London hat in einer sür unsere Verbindung schwersten Zeit nicht nur durchgehalten, sondern die Korporation auch in ihrem Innern gefestigt und ein gut Stiick weiter gebracht. Seiner Klugheit und seiner K. C.-Festigkeit vertraute man dann auch die Erziehung der Füchse an. Manch einer seiner Füchse hat durch die Nacheiferung seines Beispiels uns viel genützt. Fritz London hat an' der technischen Hochschule in Charlottenburg Tiefbau studiert, und trotz der lokalen Schwierigkeiten, die sich aus der großen Entfernung seiner Hochschule von der Zentralstelle unseres Verbindungslebens ergaben, war er außer dem tüchtigen, pflichtgetreuen Verbindungsmitglied ein fleißiger Student, der — als einer von den wenigen — die schwierigen technischen Examina, ohne ein Semester züzulegen, „auf Anhieb" machte. Nach bestandenen Diplomexamen wurde er bei der Königlichen Regierung in Bromberg, in seiner Heimatprovinz, als Regierungsbauführer angestellt, diente bald darauf sein Jahr ab und zog als Unteroffizier ins Feld. Der Heldentod von Fritz London ist für uns alle, die wir ihn kannten, ein herber Schmerz. Vielen wird es unfaßbar sein, daß dieser lebensfrohe, mit tausend Hoffnungen und Erwartungen in das Leben hinausgetretene Jüngling schon im kühlen Grabe schlummern soll, und doch ist dieser schöne, ernste Tod seiner wiirdig gewesen. Im Leben war ihm alles Aeußerliche fremd: er war K. C.-er, weil er von dem innern Werte des K. C. überzeugt war; er war Verbindungsstudent, weil er davon durchdrungen war, daß ohne die Formen der Korporation einem jüdischen Studenten die K. C.-Festigkeit nicht eingepflanzt werden und das Ziel des K. C. nicht erreicht werden könne. Fritz London war ein offener Charakter; sein Lachen war das äußere Wahrzeichen eines aufrichtigen Herzens und eines sonnigen Gemütes. Fritz London war einer von denen, die wir getrost ins Leben hinausgeschickt haben; denn wir wußten, daß er überall seinen Mann stehen werde. Sein schönes, kurzes Leben, sein herrlicher Tod, sie haben diese Hoffnungen gehalten. Mit ewigen Lettern wird sein Name in die Geschichte der Sprevia eingemeißelt werden. Georg Cohn (Spreviae). * -i- -rvruno Sbraham. (Ghibelliniae.) Am 1. Januar ist als Opfer seines Berufes im Kriegslazarett zu Dobrzelin in der Nähe von Kutnow Bruno Abraham den Weg in die Ewigkeit gegangen. Als ich einst mein Amt in Oppeln antrat, war Bruno Abraham Primaner. Er war mein erster Schiller, und ich durfte bald die für einen Religionslehrer in jedem Falle freudige Wahrnehmung machen, daß er ein ernstes Interesse und ein gereiftes Verständnis sür alle jüdischen Probleme besaß. Noch größere Genugtuung und Stolz empfand ich aber darüber, daß er ihre Lösung in derselben Richtung suchte wie ich. So war es denn fast selbstverständlich, daß er, sobald er als junger Student im Sommer 1909 die Universität bezog, in den K. C. eintrat. Er studierte in Freiburg Medizin, und bald war er nicht nur Ghibelline, sondern der eifrigsten einer dazu. Er gehörte zu den Naturen, die zwar nicht viel darüber reden, denen aber die Verbindung unendlich viel an Lebenswerten gibt. Bor allem Freundschaft! Sein anspruchsloser, treuer Charakter erwarb ihm denn auch in kurzer Zeit viele treue Freunde, und oft hat er uns versichert, daß schon aus diesem Grunde die Verbindung ihm das wichtigste Lebensereignis sei. Er widmete sich natürlich auch mit aller.Kraft ihren besonderen Aufgaben, und vornehmlich die Pflege der Leibesübungen und des Wintersports gewann unter seiner Leitung im Leben der Freiburger Korporation die ihnen gebührende Bedeutung. Auch er folgte sofort dem Rufe des Vaterlandes, als der große Tag anbrach. 9tach kurzer militärischer Vorbereitung wurde er zum Feldunterarzt ernannt und einer Kriegslazarettabteilung des Garde-Reservekorps zugeteilt. In seinem neuen Wirkungskreise erwarb er sich sehr bald wegen seines freundlichen, treuen Wesens und seines Pflichteifers die Achtung und Liebe aller derer, die mit ihm in Berührung kamen, und der herzliche Nachruf, den seine Vorgesetzten und Freunde veröffentlichten, enthält weit mehr als ein konventionelles Wort der Achtung und des Bedauerns. Am besten erkennt man ja menschliche Charaktere aus der Art, wie sie mit Untergebenen umzugehen wissen, und was von der Liebe und Verehrung seiner Untergebenen und der ihm nnvertrauten Kranken, von ihrer ungekünstelten, aufrichtigen Trauer bei seinem Dahinscheiden berichtet wird, spricht mehr für seinen vornehmen Charakter, für seine menschenfreundliche und liebevolle Gesinnung, als alle Worte es können. Die Last der Arbeit und der Eindrücke hat ihn übermannt. Seine Pflicht, die er in bewundernswerter Weise mit aller Kraft zu meistern suchte, war stärker als er, und so brach er zusammen und verschied. Unter großen Schwierigkeiten gelang es den tiefgebeugten Eltern, die sterblichen Üeberreste des Entschlafenen in seine Heimat zu schaffen, und am 10. Januar haben

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