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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · p. Seite 366

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 366 (sequence 24)
Language
German
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366 politische Hoffnungen und wünsche eines im Zelde stehenden K. L. crs. Von Otto Schlesinger (Thuringiae) z. Zt. Res.-Feldlazarett 86, 50. Nes.-Div., 25. Nes.-A.-^K. Im innerpolitischen Leben unseres Vaterlandes galt es bisher als ganz selbstverständlich, daß jeder Jude in seiner Anschauung liberal und demokratisch sein müsse, da seine politische Betätigung nurim Rahmen der Li n ksp arteien möglich war. Die mehr oder weniger offen programmatisch sestgelegte antisemitische Tendenz unserer konservativen Parteien hat diesen Zustand geschaffen, der ernsterer Betrachtung eigentlich besonders wunderlich erscheinen muß, da gerade im Judentum mit seinem zähen Festhalten am Althergebrachten wie kaum in einem anderen Volksteile unseres Vaterlandes Grundlagen zu ties konservativer Lebensauffassung fest verankert sind. Die Zahl der Juden, zumal in den einflußreichen Kreisen der Akademiker, der Industriellen, Grundbesitzer und Kapitalisten, die, durchaus konservativ gesinnt, aller politischen Betätigung sich fernhalten, da ihr jüdisches Selbstbewußtsein es ihnen unmöglich macht, gemäß ihrer Ueberzeugung sich am Parteileben zu beteiligen, ist keineswegs klein. Nach glorreich errungenem Frieden wird sie sich voraussichtlich ganz bedeutend vergrößern. Der große Lehrmeister Krieg hat auch das Gute vollbracht, daß all die Vielen, die bisher gewohnt waren, aus den Leitartikeln ihrer Parteizeitung kritiklos politische Anschauungen zu schöpfen, von der Wucht des Erlebens gezwungen worden sind, von Grund auf umzulernen. Notwendig ist ein Umlernenmüssen auch gerade liberalem Denken gewordendenn in einer Stunde stillen Ueberlegens muß es uns zum Bewußtsein kommen, in welcher Gefahr ivir uns heute befänden, wenn unsere Regierung in den letzten Jahrzehnten nicht häufigvornehmlich in den Agrarfragen — den Wünschen der rechtsstehenden Parteien viel mehr Rechnung getragen hätte, als es von seiten der liberalen Elemente gewünscht wurde. Nach siegreich beendeten! Kriege werden ernste innerpvlitische Kampfe zur Konsolidierung des Errungenen nicht ausbleiben. Unser lieber Bundesbruder Goldmann hat im vorigen Monatshefte die Zukunftsaufgaben des K. E. in diesen Kämpfen, soweit sie das Judentum betreffen werden, klar uns vorgezeichnet. Ausgabe des K. C. und der in seinem Sinne wirkenden bürgerlichen Vereinigungen soll es aber auch sein, schon jetzt mit allen Kräften dahin zu arbeiten, daß in der großen konservativen Partei im neuen Deutschland die antisemitische Tendenz als Programmpunkt endgültig von der Bildfläche verschwindet. Der K. C. soll keine Stellung nehmen zu irgendeiner bestimmten politischen und religiösen Richtung. Die vorstehenden Ausführungen mögen nicht dahin mißverstanden werden, als versuchtet! sie in der angeschnittenen Frage unseren Verband zur Außerachtlassung dieses Grundsatzes zu bewegen. Hauptaufgabe des K. C. bleibt auch nach dem Kriege Arbeit und Kampf für die Gleichberechtigung der Juden in Deutschland. Ein großer Schritt unserem Ziele näher aber wäre getan, wenn es gelänge, einem jeden Juden die Möglichkeit zu schaffen, gemäß seiner politischen Ueberzeugung auch in den rechtsstehenden Parteien zum Wohle des Vaterlandes sich zu betätigen und dadurch die tief eingewurzelte Anschauung zu beseitigen, daß Judentum identisch sei mit politischer Opposition, Liberalismus und Demokratie. Zritz London (Spreviae). In den ersten Tagen des Dezember starb Fritz London in den heftigen Kämpfen um Lodz den Heldentod fürs Vaterland. Schon einige Tage vor der Mobilmachung, als bekannt tvurde, daß unsere Feinde in den Rüstungen zum Kriege gegen Deutschland wetteiferten, ging er mit seinem Regiment an die 'Westgrenze zum Grenzschutze gegen Deutschlands Erbfeind. Als der Aufmarsch unserer Truppen beendet war, da zog er nach Osten. Im Kampf gegen die Russen traf ihn die feindliche Kugel, nachdem er bereits vorher einmal verwundet, aber wieder geheilt zur Front zurückgekehrt mar. Wie er starb, weiß keiner von uns zu sagenaber tver ihn kannte, lveiß, daß Fritz London auch im Tode uns nur Ehre gemacht haben kann. Fern von der Heimat ruht er in Feindeserde. Für den Freiheitsdrang, der tief in seinem Herzen wurzelte, für die Ideale des vom echten K.C.-Geist durchdrungenen deutschen Juden, für Deutschlands Ehre ist er gestorben. Fritz London trat im Sommersemester 1907 iü unsere Verbindung ein. Ich lernte ihn kennen, als ich in jenem Semester einmal die Verbindung besuchte. Schon damals erzählte man mir von dein Eifer des „netten Fuchsen". Als ich nach Berlin zurückkehrte, brachte ich ihm, dem Bruder von Max London, ein reges Interesse entgegen, und als ich ihn erkannte, wurden wir — trotz des Altersunterschiedes — befreundet. Und so ging es vielen: Fritz London! besaß die für ein tvahrhaftes Freundschafts- I bündnis notwendigen hervorstechendsten Eigenj schäften. In der Verbindung hielt er das, was man! von ihm erhoffte. Schon in seinem dritten

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