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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · p. Seite 365

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 365 (sequence 23)
Language
German
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nur die Kriegsadressen der K.C.er durchzulesen, um sich davon zu überzeugen. Es ist daher eine dankenswerte Arbeit für den G. A. und den Zentralverein, festzusteÜen, wie groß die Zahl der Juden unter den 9000 ins Feld geschickten Sanitätsoffizieren ist. Bon den Aerzten haben die im Frontdienst stehenden (nicht die im Kriegs¬ oder Feldlazarett oder bei der Sanitätskompagnie tätigen) die größte Berührungsmöglichkeit mit Offizieren. Zum erstenmale oft kommt der gebildete Christ mit dem gebildeten Juden zusammen, der Verkehr wird bald durch gemeinsam überstandene und zu bestehende Leiden sehr intim gestaltet, und wir Juden werden in einen Gesellschaftskreis gestellt, vor dem wir uns in Friedenszeiten in vornehmer Scheu zurückzogen. Beide Teile werden neue und bessere Anschauungen aus dieser Berührung gewinnen. Voraussetzung jedoch ist, daß der jüdische Sanitätsoffizier sich der Eigenschaften befleißigt, die uns die K. C.-Erziehung stets besonders vor Augen geführt hat: Zurückhaltung, Selbstzucht und Taktgefühl. In offener Selbsterkenntnis wollen wir feststellen, daß diese Eigenschaften nicht allen Juden gegeben sind. Gelegentlich haben sich denn auch unangenehme Lagen ergeben, die vielleicht auf mangelhafte Durchdringung mit einer dieser Eigenschaften beruhten. Es mögen Harmlosigkeiten sein, und im Offizierskorps mag ja ihr Wert bisweilen überschätzt werdeneinen K.Cer' schützt vor solchen Entgleisungen die strenge K. C.-Erziehung und die Selbstzucht durch die Couleur-Erziehung. Solche kleinen Anlässe aber können die Jdeenverbindung des Jüdischen mit manchen Unarten geben und zu unrichtiger Verallgemeinerung führen. Bald nach dem Eintritt in das Offizierskorps wird für den Juden meist die Gelegenheit kommen, sich als solcher zu bekennen. Redewendungen wie Judenangst, jüdische Hast usw., die nirgends im christlichen Kreise ausbleiben, verschwinden, sobald man sich als Jude bekannt hat. Einerseits darf die Bedeutung dieser Redensarten von uns nicht überschätzt werdensie werden gewohnheitsmäßig gebraucht und sind daher fest im Sprachschatz des christlichen Mitbürgers eingewurzelt. Auf eine Mißachtung des einzelnen Juden darf dadurch nicht geschlossen werden. Andererseits jedoch darf die Bedeutung des gedankenlosen Gebrauchens dieser Worte auch nicht unterschätzt werdennur in einer gesellschaftlichen Schicht, die überhaupt nicht mit Juden in Berührung kam, konnten diese Worte erzeugt werden, in ihnen liegt zweifellos eine gewisse Verachtung der jüdischen Gesamtheit. Der Jude, der sich sofort frei und stolz zu seinem Glauben und seiner Abstammung bekennt, ist diesen Kreisen eine unbekannte, Achtung gebietende Persönlichkeit. Man hört bald, daß der Haß sich besonders gegen die jüdischen Renegaten richtet, welche von christlicher Seite nicht anders als von uns als die weniger wertvollen Charaktere angesehen werden. Dagegen besteht ein auffallendes Verständnis, für den Standpunkt des K.C. Die gegenseitige Offenheit läßt rasch das anfangs vorhandene leichte Mißtrauen auf beiden- Seiten schwinden. Man lebt als Kamerad unter Kameraden für das eine große Ziel und mehr als sonst im Leben verschwindet die uns sonst auf Schritt und Tritt verfolgende Sonderstellung. Und wer das Glück hatte, mitten im männermordenden Kriege einige harmlos-heitere Wochen in einem Kreise sympathischer Kameraden zu verbringen, dem werden diese zu den schönsten Erinnerungen werden. Unsere christlichen. Kameraden werden nach diesem Kriege das Bild, das sie sich bisher von den Juden machten, verändern und verbessern. Ganz abgesehen von ihrem pflichtersüllten Handeln auf ihrem Posten im Gefechte wird der durch lange Monate bestehende Zusammenhang dazu Veranlassung geben. Man wird sich nach dem Kriege vielleicht wieder gegenüberstehen, aber — ähnlich wie der Abgeordnete Heydebrand sagt— mit größerer gegenseitiger Achtungmit größerem Verständnis, vielleicht sogar auch mit — Liebe. Gaudeamus igitur. Stolz und kampfesfreudig Geht's zur glorreichsten Mensur; Paukplatz ist die weite Flur Und der Gegner schneidig. Krirgslird.*) Vita nostra drevis est. Lieber im Triumphe Siegumrauscht von hinnen gehen, Als sich langsam sterben sehen Im Philistersumpfe. Vivant omnes virgines! Fleht in Kampfesnöten Für den Liebsten andachtsheißl Wer so heiß zu küssen weiß, Weiß auch heiß zu beten. Obi sunt qui ante nos Wanderten im Lichte - Ihres Namens Klang zerfloß, Tatenkühne Helden bloß Nennt die Weltgeschichte. Vivant aeademia! Freu' Dich, alma mater, Die am Busen Du genährt, Schlagen sich, der Mutter wert, Auf dem Kriegstheater. Vivat et respublica! Weltenherr, Du Weiser, Schirm vor jedem Schicksalsstreich Deutschland und Altösterreich, Segne unfern Kaiser. *) Anm. Verfasserin dieses Gedichtes ist eine Heidelberger Bundesschwcster, die diese poetischen Grüße einem in der Front stehenden Vcrbandsbruder sandte. ^.Die Schriftleitung.)

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