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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · p. Seite 364

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 364 (sequence 22)
Language
German
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364 fehlendenn die Jugend bedarf ihrer, wenn sie nicht verkümmern soll. Aber der Ernst, den ein Volk, das um seine Existenz kämpfen muß, beseelt, will auch hier geachtet sein. Zu wissenschaftlicher Betätigung wird gerade jetzt in reichem Maße Sinn und Neigung vorhanden sein, und ich glaube, daß bei ernster Unterhaltung die Herzen sich ebenso gerne zum Freundschaftsbündnis finden wie in wildfröhlichem Kreise am Biertisch. Daß sich die Verbindungen, soweit es möglich ist, an Kriegsorganisationen beteiligen, erscheint selbstverständlich. Aber mehr noch wie früher muß darauf gesehen werden, daß der Zusammenhang zwischen der Korporation und den im Felde stehenden Verbandsbrüdern so eng wie möglich gewahrt bleibe. Kunde aus der Heimat, ein paar Zellen von Menschen, die man lieb hat, sind ein Lebenselixier für die, die in einsamen Schützengräben die Wacht siirs Vaterland halten müsien. Wir wollen keine Philister großziehennein, kraftvolle, lebensfroheMenschen, aber gereift durch den Ernst der Zeit, sollen in diesem Kriegssemester aus unseren Reihen hervorgehen. Menschen, die zu arbeiten verstehen, zu arbeiten für das Vaterland, als dessen Söhne sie geboren sind, zu arbeiten für die Glaubensgemeinschaft, der sie angehören. Als Leitwort für dieses Kriegssemester möchte ich die Worte verwenden, die einmal Friedrich Nietzsche geprägt hat: „Schassen — das ist die grotze Erlösung vom Leiden und des Lebens Leichtwerden. Aber daß der Schaffende sei, dazu selber tut Leid not und viel Verwandelung." Or. Kurt Alexander. Der jüdische Sanitätsoffizier im Zelüe. Von Privatdozent Dr. L. F. Meyer. (Licariae, Rheno-Silesiae) Stabsarzt d. R., z. Zt. im Felde. Die gewaltige Erhebung, die der Krieg hervorgerufen hat, hat uns über die Interessen des Tages, ja unseres ganzen bisherigen Lebens hinausgehoben. Die Sorge um unser Vaterland beherrscht uns so stark, daß auch die jüdische Frage, die unsere Jünglingszeit und unser Mannesalter erfüllte, für die Gegenwart an Bedeutung verloren hat Jeder Jude, jeder K. C.er hat in dieser großen Zeit nur den einen Gedanken, nur den einen Wunsch, daß das deutsche Vaterland aus dem weltgeschichtlich unabwendbaren Ringen der Völker mit Ruhm und Ehre hervorgehcn möge. Für diesen Gedanken sind viele liebe Kartellbrüder heldenhaft auf dem Kampfplatz geblieben und jeder von uns, den Lebenden, ist bereit, ihnen zu folgen. Fast könnte es scheinen, als ob die Judensrage bei uns in Deutschland ihre Lösung gesunden habe. Es werden Juden zu Reserveoffizieren befördert, selten findet man antisemitische Aeußerungen in den Tageszeitungen, selbst ultrakonservative Blätter haben ihre antisemitische Streitaxt begraben. So mancher Leichtgläubige — und wir Juden glauben so gerne das Gute — rvird rvieder einmal in diesen Symptomen Zeichen für die endgültige Lösung der Judenfrage in Deutschland sehen. Wer jedoch die Geschichte des Judentums kennt, der weiß, daß die jüdische Frage nur aus dem akuten in das latente Stadium hinübergetreten ist. Wenn sich erst der Sturm der Begeisterung gelegt hat, wird sich das Leben rvieder in den gewohnten Bahnen bewegen. Manches mag vielleicht besser werden, vor nÜern rvird die Beurteilung der Juden von seiten der christlichen Mitbürger gerechter werden, weil sie sich von nun an nicht rvie bisher nur auf Vorurteile, sondern auf persönliche Anschauung und Erfahrung stützen kann — die endgültige Lösung der deutschen Judenfrage rvird intres auch dieses gewaltige Ringen nicht bringen. Vergegenwärtigen wir uns einmal, auf welche Personen sich bisher bei den führenden Schichten unseres Volkes, bei Offizieren und Beamten, die Anschauung über jüdisches Wesen bezog — nicht auf diejenigen Persönlichkeiten, die wir als Juden verehren und Hochhalten. Wie wenige von unseren christlichen Mitbürgern hatten Bekanntschaft mit gebildeten jüdischen Kreisen! Ein Landwirt — Reserveoffizier - sagte mir: „Sie sind der erste anständige, will sagen gebildete, Jude, dem ich näher trete." Aber auch das Volk wird eine andere Anschauung von jüdischer Art bekommen. Der Arbeiter sah bisher im Juden den Vertreter der kapitalistischen Anschauung, der aus seiner Hände harter Arbeit ohne Mühe Werte zog. Nun sieht er den Juden als seinen treuen Kameraden in Not und Kampf. Er nimmt wahr, daß dem Juden nicht die Eigenschaften anhaften, die ihm der Volksmund beigelegt hat, daß der jüdische Soldat an Mut und tapferem Aushalten, in Pflichterfüllung und Vaterlandsliebe seinem christlichen Kameraden gleichkommt. Und die wenigen Juden, die ihm in gehobener Stellung, als Offiziersstellvertreter, vielleicht hie und da als Offizier, vorangehen, flößen ihm nicht weniger Achtung ein als die christlichen Vorgesetzten. Da kaum je im Leben eine Kriegserinnerung oder Wahrnehmung verloren geht, wird auch die untere Schicht des Volkes späterhin bessere Eigenschaften und Werte mit dem Begriff des Juden verbinden als bisher. Die größte und segensreichste Wirkung kann und wird von den jüdischen Sanitätsoffizieren ausgehen. Eine außerordentlich großeZahljüdischer Sanitätsoffiziere steht im Feld. Man braucht ja

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