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KC-Blätter · 1915-03-01 · Heft 4 (März 1915) · page 21

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Journal
KC-Blätter
Volume
1914-1915
Issue
Heft 4 (März 1915)
Date
1915-03-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Kriegsausgabe März-April 1915 4. Heft Fortsetzung. Zum beginn des 2. Rriegssemesters. Als in den weltgeschichtlich unvergeßlichen Sommertagen des vergangenen Jahres der Kriegsruf durch die deutschen Gaue gellte, als unsere Helden Abschied nahmen, um hinaus zu ziehen in den heiligen Krieg, da glaubten wir wohl alle, daß nach wenigen Monden oder gar Wochen der Friede wieder versöhnend seine Schwingen über die Erde breiten werde. Wir ahllten die ungeheuren Opfer, die der Völkerkrieg des 20. Jahrhunderts erfordern mußteaber wir dachten nicht, daß die einzelnen Nationen genügende Kraft besitzen würden, um eine geraume Zeit lang den gewaltigen Anforderringen standzuhalten. Wie stellte sich aber die Wirklichkeit dar! Die Opfer an Gut und Blut nahmen einen ungeahnten Umfang ein, und doch ist jetzt nach 8 Monden noch immer ein Ende dieses furchtbaren Ringens nicht abzusehen. Um so mehr diirfell wir stolz auf unser deutsches Vaterland sein, das, obwohl am meisten bedrängt, als ein unverrückbarer Fels, an dem alle Wogen zerschellen nu'issen, inmitten der tosenden Brandung dasteht. Es ist erklärlich, daß der Krieg erhebliche Veränderungen, ja geradezu völlige Umwälzungen auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zur Folge hat. Unsere ganze Lebensanschauung und Lebensführung mußte eine andere werden? Und doch rauchen die Schlote unserer Fabriken, arbeiten die Handwerker in ihren Werkstätten, bestellt der Bauer seine Felderan unseren Schulen und Universitäten wird gelehrt, unsere Künstler erfreuen uns mit neuen Schöpfungen. Es mag vielleicht paradox klingen, wenn ich da behaupte, daß uns, die wir daheim bleiben wußten, in bezug auf die Ausgestaltung der Lebenssiihrung die schwerere Ausgabe zugefallen ist. Traub hörte ich vor einigen Wochen in einem Vortrag über „Krieg und Kultur" ungefähr sagen: „Denen draußen stnd die Wege schärfer/ eindeutiger, geradliniger vorgezeichnetwir aber hier im Lande haben uns trotz des Krieges in den Winkelgüngen der Kultur zurechtzufinden." Trotzdem die ökonomischen und politischen Verhältnisse himmelweit von denen verschieden sind, in denen wir uns noch vor 8 Monaten bewegten, trotzdem unser ganzes Denken und Fühlen durch das gewaltige Geschehen, das da draußen seinen Weg zieht, aufs höchste erregt wird, müssen wir dafür sorgen, daß hier das Leben seinen altgewohnten Gang geht, daß nicht der Krieg die Kultur der Menschen und der Dinge vernichtet. Denn wehe dem Volke, das nicht versteht, zu einer Zeit, in der vor seinen Grenzen die Kriegsfurie rast, in seinen! Innern die Güter des Friedens zu wahren. Alle Taten selbstvergessenden Opfermutes würden vergebens gebracht sein: ein starkes Heimatland ist die Quelle, aus der die Armeen immer aufs neue frische Kräfte physischer und psychischer Art schöpfen, die sie befähigen, ihrerseits in schier übermenschlicher Tapferkeit das Vaterland zu schützen. Daß uns Daheimgebliebenen die Ausgabe zugefallen ist, Krieg und Kultur zu vereinigen, d. h. die bisherige Lebensbetätigung trotz des Krieges, aber in veränderter Gestalt für den Krieg, durchznführen, das möge auch den aktiven Mitgliedern unserer Verbindungen jetzt zu Semesterbeginn bewußt sein. Groß wird ja die Zahl derer nicht sein, die sich in diesen Tagen in den Universitätsstädten um das Banner der K. C.-Verbindungen scharen werden. Aber so klein auch die Korona ist, sie möge versuchen, ein Kriegssemester zu leben, wie die Psticht es erheischt. Das Aeußerste muß versucht werden, um eine Stillegung des Verbindungsbetriebes zu vermeiden. Man darf sich nicht sagen, es sei zwecklos, mit wenigen Leuten die Verbindung fortzuführen. Das' wäre Feigheit gegenüber dem Heldenmut unserer Kämpfer und das wäre Verrat an unserer Sache. Auch im kleinen Kreise kann Großes geleistet werden. — Es muß weiter vor allem dafür Sorge getragen werden,- daß möglichst viele junge Akademiker in die Reihen des K. C. eintreten. Die Gründe, die eine Werbetätigkeit zur Zeit nicht nur rechtfertigen, sondern sogar dringend erfordern, sind wiederholt dargelegt worden. Im Rahmen dieser Erörterungen kann nur noch einmal betont werden, daß das, was wir Juden in der Front erringen, nur dann dauerndes Gut bleiben kann, wenn wir daheim in gleich opferwilliger Weise den Forderungen des Augenblickes gerecht werden. Wir müssen stark bleibendenn wenn einmal die Wogen nationaler Erhebung sich geglättet haben, dann erst werden für uns große und schwere Kämpfe beginnen. — Nicht darf studentische Lust und studentisches Vergnügen die Hauptrolle bei der Ausgestaltung des Verbindungslebens spielen. Gewiß! auch sie dürfen nicht

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