KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 252 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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252 ganzen K. C. vor Augen führte, wirkten einzelne K. C.er in ihren Verbindungen auf eine Besserung und vor allem auf die Stetigkeit in der Beschäftigung mit Tendenzfragen hin. Haben sich die Verhältnisse seit damals geändert? Drei Jahre sind eine lange Zeit in der viel geschafft werden kann, und der Geschästssührende Ausschuß, der damals, 1911, begründet worden war, hatte (siehe Holländers Artikel) es mit zu seinen Aufgaben gerechnet, den Verbindungen Anregungen zu Diskussionen zu geben. Die Tendenzfuchsenstunden werden mit dem — hoffentlich recht bald erscheinenden — Leitfaden des Geschäftssührenden Ausschuffes in kurzer Zeit auf eine neue Basis gestellt werden, so daß eine Untersuchung darüber heute überflüssig erscheint. Anders die Vortrags- und Diskuffionsabende. Hier hat derGeschäftsführendeAusschuß bisher nirgends in erheblicher Weise bessernd einzugreifen versucht. Was bisher geschehen ist, ist allein aus die Initiative der Verbindungen zurückzuführen. Um den augenblicklichen Stand des Vortragswesens festzustellen, habe ich an alle K. C.-Berbindungen mich mit der Bitte gewandt, mir über das Vortragswesen in den letzten beiden Semestern Auskunft zu geben. Mit Ausnahme einer einzizen haben alle bereitwilligst Antwort erteilt, so daß ich ein ziemlich umsaffendes Bild, des Vortragswesens im K. C. vor mir habe. Faffen wir zuerst die Verbindungen zusammen, in denen regelmäßige Vortragsabende stattfanden, so ergibt sich, daß das Vortragswesen im Winter besser entwickelt war als im Sommer. Es fanden im Winter-Semester 13/14 durchschnittlich fünf, im Sommer-Semester 14 vier Vortragsabende statt. Die Themen waren außerordentlich wechselnd. Es wurden politische und religiöse Richtungen im modernen Judentum ebenso wie Einzelheiten aus der historischen und religiösen Entwicklung des Judentums erörtertdeutschnationale und staatsrechtliche Fragen wurden besprochenüber das Lebenswerk hervorragender Männer der deutschen und jüdischen Geschichte suchte man sich zu belehrenmit älteren und neuen Erscheinungen der Literatur beschäftigte man sich, besonders soweit sie die Judenfrage betrafen. Weitaus die Mehrzahl . der Vortragsabende nahm ihren Stoff aus einem dieser Gebiete: doch dürfte damit das reiche Feld der erörterten Themen nicht erschöpft sein. Unter den Vortragenden überrascht die geringe Beteiligung der inaktiven K.C.er. An den meisten Vortragsabenden lag das Referat in den Händen eines Aktiven; Burschen und Füchse sind in ungefähr gleicher Zahl vertreten. Daß vielfach Füchse als Referenten hervortreten, ist darauf zurückzuführen, daß in einigen Verbindungen die Füchse vor der Reception einen Vortrag zu halten verpflichtet sind. Alte Herren haben sich in ebenso geringer Zahl wie die Inaktiven um die Borträge verdient gemacht. Sehr selten ist auch von der Möglichkeit Gebrauch gemacht worden, Nicht-K. C.-er, die am K. C. Interesse nehmen, zu einem Bortrag heranzuziehen. Der Besuch der Vortragsabende ist in den einzelnen Verbindungen ein sehr verschiedener gewesen. Die Aktivitas hat offiziell und daher vollzählig an den Vortragsabenden teilgenommen. Die Beteiligung der Inaktiven und Alten Herren — des K. C., nicht der betreffenden Verbindung — ist eine außerordentlich schwankende gewesen. Je größer die Universität ist und je mehr K. C.er am Platz sind, desto geringer ist der Prozentsatz der erschienenen K.C.er. Erfreulich ist, daß seitens der K. C.er, die sich für das Vortragswesen interessierten, kein Unterschied gemacht wurde, ob es sich um Veranstaltungen der eigenen oder einer Kartell-Verbindung handelte und daß also Kartellbrüder und Bundesbrüder in prozentual gleicher Zahl erschienen. Man sieht also allgemein das Vortragswesen als eine Angelegenheit des gesamten K.C. und nicht der einzelnen Verbindung an. Gute Erfahrungen hat eine K. C.-Berbindung in der Keiltätigkeit damit gemacht, daß sie ihre Keilfüchse zu den Vortragsabenden einlud. Zahlreicher als gewöhnlich pflegte der Besuch der Bortragsabendezu sein, wenn Alte Herren und Gäste mit ihrer reichen Erfahrung und ihrem größeren Wissen Referate hielten; auch bei Vorträgen älterer Inaktiver war die Beteiligung größer als bei denen der Aktiven. Uber die Diskussion geben nur wenige Berichte ein brauchbares Bildauch dürste hier das subjektive Empfinden der Berichterstatter eine zu große Rolle spielen, als daß solche Mitteilungen zur Veröffentlichung geeignet wären. Von einzelnen Seiten wird" daraus aufmerksam gemacht, daß die Diskussion besonders dann aus ein höheres Niveau kam, reicherund fruchtbarer wurde, wenn ältere K. C.er das Wort ergriffen. So haben die Vortragsabende in der Mehrzahl der K. C.-Verbindungen sich zu ständigen Veranstaltungen der Korporation entwickelt, die nicht mehr entbehrt werden können. Doch muß man ehrlich genug sein, mitzuteilen, daß in ganz wenigen K. C. - Verbindungen noch heute das Vortragswesen ebenso großen Schwankungen wie früher unterliegt. So hat in einerK.C.-Ber bindung, die sich im W. S. 13/14 aus diesem Gebiet eifrig betätigte, im S. S. 14 kein Vortragsabend stattgesunden. Statt dessen sind dort die gleichartigen Veranstaltungen des Studentenverbandes regelmäßig besucht wordendoch dürste das hinsichtlich