KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 245 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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245 nachmittags festgesetzt war, 5 Minuten nach 5 anbandagiert da und erst 5 Minuten vor Schluß, also im erwähnten Falle um 5 Uhr 55 rief der Fechtwart sein „Silentium, Fechtboden ex!" und in den 50 Minuten — manchmal waren es auch 55 — die für Schul- und Kontrafechten zu Gebote standen, wurde unverdrossen gefochten. Als ich vor einem Jahr zehn Tage lang unsere Freiburger Kartellverbindung und selbstverständlich auch ihren Fechtboden besuchte, war ich nicht wenig erstaunt, als ich von den erwähnten „Neuerungen" Kenntnis erhielt. Ich glaubte zuerst, es handle sich um einen lokalen Mißstand, erfuhr aber bald darauf zu meiner nicht geringen Ueberraschung, daß auf dem Heidelberger Universitätsfechtboden der gleiche Mißstand in vermehrtem Maß Universitätsvorschrift ist. Es bedarf keiner Darlegung, daß die geringe Zeitspanne von 30 oder 35 Minuten, selbst wenn sie restlos von den Korporationen ausgenutzt wird, für eine tüchtige Durchbildung ungenügend sein muß. Daran wird auch nichts geändert, wenn mehrmals täglich Fechtunterricht stattfindet und, wie in Heidelberg, die besten Gehilfen seitens des Universitätsfechtlehrers gestellt werden. Man sollte annehmen, daß entsprechend der geringen auf das eigentliche Fechten entfallenden Zeit an den badischen Hochschulen wenigstens das Honorar für die Fechtkurse nicht höher wäre als an anderen. Aber weit gefehlt: In Heidelberg kostet der 16stündige Schlägerkursus 24 M., der 12stündige Säbelkursus 20 M., die Schlägerstunde sonach pro Kopf 1,50 M., die Säbel stunde 1,67 M. Dabei hat ein Fechtlehrer freilich nur je vier Schüler. In Freiburg, wo diese letztere Begrenzung anscheinend nicht besteht, kostet der 15 ständige Schlägerkursus 12 M., der 16stündige Säbelkursus 20 M., die Schlägerschulslunde sonach 0,76 M., die Säbelfechtstunde 1,25 M. Ich will deshalb noch lange nicht sagen, daß ich den Freiburger Fechtunterricht dem Heidelberger vorziehe. Zwischen beiden „Schulen" besteht ein nicht zu verkennender Unterschied. In Breslau kostet der 16stündige Schläger- und Säbelfechtkursus je 20 M., die Schulstunde somit 1,25 M. In Königsberg der 16stündige Schlägerkursus 12 M. und der 16stündige Säbelkursus 16 M., die Schulstunde also 0,75 M. bezw. 1 M. Außer dem Preis des Schulkursus werden in Heidelberg, das ohnedies den Rekord nach oben im Fechthonorar hält, sogenannte Stulpengelder bezahlt und zwar pro Stunde und Lehrer 0,60 M. von hex Korporation, also, wenn beispielsweise wie gegenwärtig die Korporation vier Fechtlehrer in jeder Stunde für ihren Schulunterricht zur Verfügung hat, pro Stunde 2,40 M. und bei dem täglich zweimaligen Fechtboden täglich 4,80 M. Diese „Stulpengelder" stellen eine Vergütung dafür dar, daß der Fechtlehrer an Stelle des kurzen Fechthandschuhs den vollen Stulpen trägt. Die an anderen Universitäten hie und da für Benutzung von Fechtzeug bezahlten Gebühren find damit nicht zu verwechseln. Daß die Heidelberger Stulpengelder eine wesentliche Verteuerung des Fechtbodens darstellen, liegt auf der Hand. Andererseits darf aber nicht übersehen werden, daß diese Einrichtung eine wesentliche Förderung der Ausbildung bedingt, die auch manchen anderen Universitäten nach meiner Beobachtung nicht schaden könnte. Wesentlich anders liegen, was die dem eigentlichen Fechten gewidmete Zeit anlangt, fast überall, hinsichtlich der Kosten des Fechtunterrichts überall, die Berhältniffe an denjenigen Univerfitäten, wo keine Monopolstellung des Universitätsfechtbodens besieht, vielmehr entweder nur Privatfechtlehrer ohne besondere Begünstigung eines einzelnen durch die Universität, vorhanden sind wie in Darmstadt, oder Universitätsfechtlehrer ohne Monopolstellung und ohne Verbot des „WinkelfechtenS" neben Privatfechtlehrern Unterricht erteilen, wie in Berlin, München, Bonn und Leipzig. Bei der Sprevia findet der Fechtunterricht zum Teil auf dem Fechtboden des Fechtlehrers, zum Teil auf der Kneipe in Gegenwart des Fechtlehrers statt. Der erstere beginnt 15 Minuten, der letztere 20 Minuten nach voll und dauert jedesmal bis Bollzeit, im ganzen also 45 bezw. 40 Minuten. In München werden 43 Minuten, und zwar aus Tradition bei dem Universitätsfechtlehrer, gefochten, in Bonn 45 Minuten und zwar bei dem Univerfitätsfechtlehrer, den man den dort ebenfalls vorhandenen Privatfechtlehrern vorzieht. In Darmstadt, wo nur Prioatfechtlehrer existieren, wird der besseren Eignung wegen bei einem Lehrer Schläger und bei einem anderen Säbel gefochten, die Fechtzeit dauert 45 Minuten (wenn ich die eingegangene Antwort recht verstehe). I" Leipzig schließlich, wo unsere Kartellbrüder offiziell beim Universitätsfecht lehrer Unterricht nehmen, daneben aber auch den Aktiven freigestellt ist, bei einem bestimmten Prioatfechtlehrer Unterricht zu nehmen, dauert der Unterricht im allgemeinen 40 Minuten, von 15 Minuten nach Gtockenschlag bis 5 Minuten vor Glockenschlag, wenn aber viele Schüler vorhanden sind, auch bis einige Minuten nach Glockenschlag, sonach über 45 Minuten. Nun zu den Unterrichtskosten bei freier Konkurrenz der Fechtlehrer: Bei ihrer Beurteilung scheidet unsere Münchener Kartellverbindung aus, weil sie von Verbindungswegen für 11 wöchentliche Fechtstunden einfach ein Monatshonorar von Mk. 105.— zahlt. Immerhin bedeutet das bei dem großen Mannschafts bestand der Licaria offensichtlich ein sehr mäßiges Honorar. In