KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 244 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Allein man behielt dabei genügend Zeit und Kraft übrig, täglich mehrmals frisch auf den Fechtboden anzutreten. Heute hat sich eine Reihe von Sportarten neben den von jeher gepflegten entwickelt und durch gesetzt. Man spielt Tennis, Fußball, Kroquet, reitet und man hat auch entsprechend der allgemeinen Entwicklung des Turnwefens über den Rahmen der früher vorzugsweise geübten Barren-, Reck- und Sprungübungen hinaus die turnerischen Uebungen ausgedehnt. Daß diese allgemeine sportliche Betätigung einer harmonischen Körperpflege und Entwicklung nützlich ist, ist sicher. Daß andererseits das Fechten eine gewisse Einseitigkeit der Körperpflege durch die Inanspruchnahme lediglich des einen Armes in sich schließt, ist auch zugegeben. Allein man kann sehr wohl im Interesse umfassender allgemeiner Körperausbildung eine ganze Reihe Sports betreiben, ohne deshalb das für uns vermöge unserer spezifischen Aufgaben immer noch wichtigste Gebiet des Fechtens zu vernachläsiigen. Der Koesener S. C. hat auf seiner letzten Verbandstagung eine Entschließung gefaßt, die bei aller Begünstigung der allgemein sportlichen Betätigung seiner Mitglieder betont, daß darunter die fechterische Ausbildung nicht leiden dürfe. In ähnlicher Weise muß erst recht der K. C. seine Stellung in der vorliegenden Frage nehmen. Ueber dem Sport darf das Fechten nicht vernachläsiigt werden. Erst und vor allem eine gründliche fechterische Ausbildung, die übrigen körperlichen Uebungen müssen mit größtem Ernst, aber doch immer mit dem Gedanken betrieben werden, daß auch sie letzten Endes aus Erhöhung der sechterischen Leistungen abzuzielen haben. Daß die Ablenkung durch den vermehrten Umfang anderweitiger sportlicher Uebungen den Fechtbetrieb aller Korporationen beeinflußt hat, liegt auf der Hand. Wenn darunter der K. C., was die Mensurerfolge anlangt, mehr gelitten hat als andere Verbände, so findet das seine Erklärung darin, daß im K. C. in früheren Jahren den Fechtübungen absolut genommen mehr Zeit und Eifer gewidmet wurde als in anderen Verbänden, daß aber jetzt durch das Hervortreten anderer Sportarten die für die Fechtübungen zur Verfügung stehende Zeit und Kraft infolge eben dieses Umstandes in unseren Reihen mehr beeinträchtigt wird, als bei anderen Verbänden. Die genannten Momente erklären gewiß zum Teil die Entwicklung, die die Dinge genommen haben. Daß aber noch andere Umstände darauf Einfluß gehabt haben müssen, geht daraus hervor, daß der relative Rückgang der Mensurerfolge bei einer bestimmten unter unseren Korporationen nicht zu konstatieren ist. Wären die bisher erwähnten Ursachen allein entscheidend, so müßten wir den bedauerlichen Rückgang bei sämtlichen Korporationen zu konstatieren haben, da das Abflauen des Radauantisemitismus, dieverbefferte Ausbildungsgelegenheit unserer Gegner im Säbelfechten innerhalb ihrer eigenen Korporationen, wie die vermehrte Bedeutung anderer sportlicher Uebungen für alle unsere Korporationen gleichmäßig'wirken müßten. Ein Teil der Ursachen des Rückganges der fechterischen Leistungen nicht nur in unseren Reihen dürste in lokalen Einrichtungen liegen, die sich im Laufe der Zeit zum Nachteil des Fechtbetriebs aller, nicht bloß unserer Korporationen, mindestens an manchen Universitäten eingebürgert hat. Meine Umfrage bei unseren Korporationen hat in dieser Beziehung recht interessante Ausschlüffe gegeben. An den badischen Universitäten, in Breslau und Königsberg war es von jeher seitens der Universitätsbehörden den Studenten verboten, außerhalb des Universitätsfechtbodens Fechtunterricht zu nehmen oder auch nur privatim contra zu fechten. Es besteht dort ein Zwang, den Unterricht bei dem von der Universität damit beauftragten fogenannten„Univerfitätsfechtlehrer" zu nehmen, aus dessen Wahl und Anstellung die Korporationen ihrerseits keinen Einfluß besitzen. Das Monopol des Universitätssechtbodens hat zur Folge, daß die Korporationen selbst auf die Zeiteinteilung, die Ausnützung der Fechtstunden, die Auswahl des den Unterricht leitenden „Gehilfen" keinen oder wenigstens nur geringen Einfluß haben. In Breslau scheinen trotzdem wesentliche Mißstände nicht entstanden zu sein. Der Fechtboden beginnt 12 Minuten „nach ganz", schließt „um ganz" das Lokal muß 5 Minuten „nach ganz" geräumt sein. — Ein erheblicherer Mißstand besteht schon in Königsberg, insofern dort der Fechtlehrer sich am Fechten selbst aktiv nicht beteiligt, sondern nur Aussicht führt. Zum vollen Ausdruck kommen die Nachteile derMonopolstellungderUnioersitätsfechtlehreranden badischen Universitäten. In Freiburg tritt der Fechtlehrer 10 Minuten, in Heidelberg 15 Minuten nach Vollzeit — der Universitätsfechtordnung entsprechend — an. Zur gleichen Zeit beginnt der Fechtunterricht. An beiden Universitäten schließt aber — wiederum der famosen Universitätsordnung gemäß — der Fechtboden ein Viertel vor ganz, worauf spätestens bis Vollzeit der Fechtboden geräumt sein muß, damit die nachfolgende Korporation ihn betreten kann. Man bedenke, daß auf diese Weise die „Fechtstunden" in Freiburg nur 35, in Heidelberg gar nur 30 Minuten beträgt. Das war nicht immer so: Zu meiner Studentenzeit stand in Heidelberg der letzte Mann 6 Minuten nach dem nominellen Beginn der Fechtstunde, also wenn die Fechtstunde auf 5 Uhr