KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 243 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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243 hatte, als der Gegner. Es gab Zeiten, wo es quasi als Selbstverständlichkeit angesehen wurde, datz die K. C.-Berbindungen bei Suiten ihre sechterische Ueberlegenheit den Gegnern sühlbar machten, und wo 5er Fechtwart seinen persönlichen Ehrgeiz daran setzte, selbst aus dem unscheinbarsten Fuchsen einen brauchbaren Fechter zu machen. Insbesondere die drei ältesten Korporationen des K. C. verdanken der ungeheuren Energie und der Gewissenhaftigkeit, mit der sie ihre Mannschaft für jede blanke Waffe ausbildeten, in der Hauptsache den Ruhm, mit dem Vorurteil von der körperlichen Minderwertigkeit des jüdischen Studenten gründlich und ein für alle Mal aufgeräumt zu haben. Die Mensurberichte der letzten Jahre aber zeigen, daß die volle Regelmäßigkeit überragender Mensurerfolge heute nur noch bei einer einzigen unserer Kartellverbindungen zu konstatieren ist. Auf der anderen Seite fällt es mir auf, daß andere K. C.-Korporationen, deren Fechtbetrieb ich aus früheren Zeiten ebenfalls genau kannte, zwar allenfalls noch durchaus befriedigende, aber keinesfalls mit den früheren Erfolgen vergleichbare Mensurresultate erzielen. Dabei stütze ich mich nicht auf die Mensurberichte eines einzelnen Monats, die natürlich kein umfassendes Urteil gestatten, sondern auf die Ergebnisse einer Reihe von Semestern und übersehe auch nicht, daß die Berichte der einzelnen Verbindungen nicht immer ein Maß für ihre speziellen Leistungen sind, weil in sie auch die Meusurresultate von Kartellbrüdern einfließen, die nicht auf Waffen ihrer eigenen Korporation, sondern einer Kartellverbindung fechten und mit ihren guten und schlechten Resultaten die Paukresultate der Kartellverbindung beeinflussen. Zwar hat eine Umfrage, die ich an sämtliche Kartellverbindungen gerichtet habe, das merkwürdige Resultat gezeitigt, daß die meisten Fechtwarte mir antworteten, sie hätten von einem Rückgänge der Fechtresultate nichts gemerkt. Allein abgesehen davon, daß die Kartellbrüder, die den von mir vorgelegten Fragebogen beantwortet haben, naturgemäß nur über wenige Semester blicken können, konnte ich auf Grund zufälliger Kenntnis von Mensurberichten genau feststellen, daß mindestens ein Teil derjenigen Korporationen, die von einem Rückgänge der Mensurresultate nichts bemerkt haben, dabei offenbar übersehen hat, daß sie ihre relativ befriedigenden Resultate zum großen Teil Zweibändermännern verdanken, die ihre sechterische Ausbildung bei anderen Kartelloerbindungen erhalten haben, welche ihrerseits den Rückgang der Mensurersolge im Gesamtverband zugeben, während sie selbst ihre zeitlveise lvenig befriedigenden Mensurerfolge zum guten Teil dem Umstande zu verdanken hatten. daß sie diejenigen Abfuhren, die Kartellbrüder auf ihre Waffen bezogen haben — und zwar Angehörige derselben Korporationen, die gerade Dank diesem Umstande nach außenhin gut scheinende Resultate erfochten, — aus ihr eigenes Konto buchen mußten. Wenn man das berücksichtigt, so wird man zugeben müssen, daß durchschnittlich genommen die fechterischen Leistungen der meisten unserer Verbindungen zurückgegangen find. Daß das nicht meine persönliche Auffassung allein ist, geht daraus hervor, daß auch andere ältere Kartellbrüder, Leute, die in der Beurteilung sechterischer Dinge eine gewisse Autorität seit Jahrzehnten genießen und an der Begründung des sechterischen Ruhms des K. C. persönlichen Anteil haben, zufällig in ähnlichem Sinn gehaltene Aufsätze der Redaktion der K. C.-Blätter vorgelegt haben. Im Nachfolgenden möchte ich auf einige Beobachtungen Hinweisen, die wenigstens teilweise die vorerwähnten Erscheinungen erklären, und anschließend daran gewisse Mißstände besprechen, die an einigen Hochschulen bestehen, ohne etwa damit auch nur andeuten zu wollen, als ob die Kartellverbindungen an den in Betracht kommenden Universitäten in einem höheren Maße an der allgemein gekennzeichneten Erscheinung beteiligt wären, als die übrigen Korporationen. Daß der Eifer, mit dem man früher, zu Zeiten des schlimmsten Radauantisemitismus, sich an die Ausbildung der Aktivitas im Schläger- und Säbelfechten machte, mit dem Verschwinden der schroffsten Aeußerungsformen des Judenhasses in der Studentenschaft etwas erlahmt sein mag liegt nahe. Es ist auch sicher richtig, daß diejenigen unserer Gegner, denen wir mit dem Säbel entgegentreten, in ihren eigenen Korporationen heute mehr als früher diejenige Ausbildungsgeleqenheit finden, die der Paukant aus unseren Reihen immer hatte, zumal die K. C.-Verbindungen durch die Verhältnisse von jeher förmlich genötigt waren, die gesamte Mannschaft im Säbelfechten ebenso stramm heranzunehmen, wie im Schlägerfechten. Dadurch hat sich der Abstand der Mensurresultate speziell im Säbelfechten, gewiß etwas verringert, wenn auch heute noch im großen und ganzen unsere Ueberlegenheit im Säbelfechten, an den Mensurresultaten gemessen, fortbesteht. Bon erheblicherer Bedeutung für die Entwicklung der Fechtverhältniffe gerade im K. C. ist aber sicher, mindestens für eine Reihe von Universitäten, die Ablenkung von dem intensiven Fechtbetrieb, welche das vermehrte Interesse an allgemein sportlichen Dingen naturgemäß bedingt. Ganz besonders gilt dies von den kleineren Universitäten. In memer Studentenzeit, vor mehr als 20 Jahren, schwamm, ruderte, turnte und wanderte man in Heidelberg gewiß auch.