KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 241 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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24t des Blau-Weiß-Bundes mit denen der deutschjüdischen Jugend vereinbar sind oder nicht! Nun mag die alte Streitfrage, ob sich Deutschtum und Zionimus ausschließen, ungeachtet sie für mich persönlich nicht zweifelhaft ist, hier auf sich beruhen, aber so viel ist gewiß: Dieser Leitung, die zionistisch ist, kann ein deutschgesinnter Jude seine Kinder nicht anvertrauen! Ich brauche hier nicht einmal, wie oben Aeußerungen Einzelner, und nähmen sie auch eine noch so hervorragende Stellung ein, anzuführen. Das von der „Führerschaft des jüdischen Wanderbundes Blau-Weiß" herausgegebene „Blau-Weiß- Liederbuch" spricht unwiderleglich für den Geist, der im ganzen Bunde herrscht und herrschen soll! ^Zunächst wie läßt sich ein Lied mit deutschvaterländischer Gesinnung zusammenreimen, dessen sämtliche Strophen darin gipfeln und ausklingen, Palästina, „das schöne Land am blauen Meeresstrand," als das „liebe Vaterland" zu feiern, zu dem zurückkehren man täglich flehe, wo man wenigstens begraben zu werden wünsche, wenn das Auge zu früh auf „fremdem Grund" gebrochen sei! Kann man sich dann noch wundern, wenn uns der Antisemitismus die Berechtigung abspricht, uns als Deutsche und Deutschland als unser Vaterland zu betrachten? Zwar, daß weiter das Liederbuch auch einige Lieder in hebräischer Sprache enthält, soll ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden, kennt ja auch das Wandervogeliiederbuch einige französiche Balladen, ohne darum an seinem deutschen Charakter etwas einzubüßen. Unerträglich aber für jeden, der als seine Muttersprache die Deutsche betrachtet, sind die zahlreichen jüdischen Volkslieder in Jargon. Man kann Dialekte und Mundarten pflegen, man kann, auch als deutschfühlender Jude, einer Wiederbelebung der hebräischen Sprache durchaus sympathisch gegenüberstehen, aber dieser Mischmasch des Jargons, diese Mißhandlung der deutschen und der hebräischen Sprache, die darf in einem für die d eutsch e Jugend bestimmten Liederbuche keine Stätte finden! Mag man sich immerhin im geschlossenen Kreise in zwangloser Unterhaltung, auch mitten in deutscher Rede vereinzelter, der hebräischen Sprache entnommener Worte bedienen, weil sie in ihrer prägnanten Bedeutung zum großen Teil sich vollentsprechend überhaupt nicht übersetzen lassen, darunter leidet die deutsche Sprache nicht. Ganz etwas anderes aber ist der Jargon dieser „jüdischen Volkslieder". Da wird nicht nur das deutsche Grundelement so mit hebräischen Brocken durchsetzt, daß diese stellenweise überwiegen, nein, auch die spärlichen deutschen Reste werden in einer Weise verdorben, die jedes deutsche Ohr mit Recht empören muß, rveil sie zu dem Geist der deutschen Sprache paßt, wie die Faust aufs Auge! Ich muß es mir versagen, hier Textproben anzuführen, weil diese Zeilen antisemitische Witzeleien, die innerhalb der deutschen Grenzen für den Jargon bisher wohl das Hauptgebiet bedeuten, nicht als Fundgrube dienen sollen. Aber auch abgesehen von ihrem ganz undiskutablen Text möchte ich diese Lieder bis auf wenige Ausnahmen nicht von deutsch-jüdischer Jugend gesungen hören. Wenn je auf einem Kulturgebiete hat sich in musikalischer Beziehung unsere Eindeutschung restlos vollzogen. Ist doch selbst bei unseren lithurgischen Gesängen, auf deren musikalischen Gehalt wir trotz Richard Wagner stolz sein dürfen, der entscheidende Einfluß deutschmusikalischen Empfindens nach Rhythmus und Melodik ganz unverkennbares fehlt durchaus nicht die jüdische Note, aber es ist deutschjüdische Musik im besten Sinne, deren Zauber sich auch der freireligiöse Jude nicht entzieht, wofern er musikalisch empfindet. Ganz anders durch die jüdischen Jargonvolkslieoer des Blau-Weiß-Liederbuches. Es herrscht eine übertriebene Schwermut vor, auch in den als heiter und lebhaft bezeichneten Liedern. Meist fehlt die natürliche, aus dem Texte sich ergebende Melodie; wo melodische Wirkungen erzielt werden, geschieht es allzuhäusig durch die bloße, innerlich nicht begründete Ausnutzung der Molltonfolge, die oft geradezu gekünstelt erscheint. Es steigen einem begründete Zweifel auf, ob es sich hier wirklich um zwanglos im Volke entstandene Melodien oder nicht vielmehr um für das Volk gedachte Kunstlieder handelt, Zweifel, die noch verstärkt werden durch ganz verdächtige, manchmal geradezu als Oasen in der Wüste wirkende Anklänge an andere deutsche Kunstlieder. Ganz unverdaulich ist auch der zerfahrene, abgehackte, oft sprunghaft wechselnde Rhythmus, der einen großen Teil der Lieder schon aus diesem Grunde für unser Gefühl ungenießbar macht. Es scheint mir auch kein Zufall zu sein, daß die für unser Empfinden musikalisch wertvollsten Lieder solche sind, die vom Jargon verhältnismäßig am wenigsten verdorben sind, so die in ihrer Innigkeit ergreifende Klageweise: „Von Spanien trog ich mein Zimbel aher . . . ." (S. 46) oder „Die Sunn is oifgegangen" (S. 20). Solche vereinzelte musikalische Perlen vermögen aber nichts daran zu ändern, daß diese Jargonvolkslieder in ihrer Gesamtheit entschieden abzulehnen sind, zumal hier nicht lediglich ihre vielleicht ethnologisch oder kulturhistorisch interessante Kenntnis sondern ihre Einführung in den lebendigen Liederschatz unserer Jugend vermittelt weröen soll. Unsere deutsch-jüdische Jugend kann jüdische Volkslieder nur ge-