KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 240 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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240 vogel gefaßten Beschluß geltend,die wir nicht vor der Zeit im Stich lassen dürfen. Das beste Argument fiir eine Sache sind noch immer die Persönlichkeiten gewesen, die sie verfochten haben, darum dienen die jüdischen Schüler, die noch im Wandervogel sind, am besten ihrer Sache, wenn sie durch ihr ganzes Verhalten beweisen, wie innerlich unbegründet die antisemitischen Bestrebungen sind. Ebenso wie höchstwahrscheinlich die antisemitische Flut im Wandervogel einen solchen Umfang nicht ohne vereinzelte und dann maßlos aufgebauschte Verfehlungen jüdischer Schüler gegen den Wandervogelgeist hat annehmen können, (christliche Mitschüler werden in solchen Fällen ohne Verallgemeinerung ihrer Sünden ausgemerzt) ebenso müssen die noch verbliebenen jüdischen Wandervögel nun doppelt durch ihr Beispiel beweisen, welches Unrecht man ihnen zuzufügen trachtet. Das können sie aber nirgends besser als imWandervogel, innerhalb der einzelnen Ortsgruppen. Man wende nicht ein, daß man Knaben ifür Mädchen würde ich das schon eher gelten lassen) nicht der Gefahr antisemitischer Kränkungen aussetzen solle) für die innerliche Gesundung und Kräftigung des Judentums schadet, es gar nichts, wenn unsere Jungens sich frühzeitig an das „Jude sein heißt Kämpfer sein" gewöhnen. Sonst konnten wir ja unsere Kinder lieber gleich taufen lassen! Auch darf es uns nicht anfechten, daß man im gegnerischen Lager uns darob der Zudringlichkeit zeihen wird, wenn wir nicht ohne weiteres gehen, weil eine Anzahl Schreier uns hinausweist) denn wo es sich um unser Recht als Deutsche handelt, wäre es eine niemals zu billigende Schwäche aus lauter Feingefühl Verzicht zu leisten, nur weil man es uns nicht kampflos geben will. Aber selbst wenn auch die Schlacht im Wandervogel e. V., verloren gehen sollte, noch gibt es andere Jugendorganisationen genug, in denen jüdische Schüler ein dankbares Feld für körperliche Betätigung finden können, so der Alt-Wanderoogel, der noch vor kurzem gegen eine verschwindende Minorität über einen antisemitischen Vorstoß zur Tagesordnung überging, so die Pfadfinderbünde, so die an vielen Schulen bestehenden losen Wandervereinigungen, die durchweg nicht antisemitisch sind. 'Mag man aber auch über solche taktischen Fragen verschiedener Meinung sein, keinesfalls kann es demjenigen Teile der deutschen Juden, der aus deutschvaterländischem Boden steht, gleichgiltig sein, daß hier Jugendorganisationen propagiert werden, die, so wie sie jetzt geleitet werden, mit Notwendigkeit zur Verkümmerung des Deutschbewußtseins führen. Zwar segelt man offiziell unter der Flagge der politischen Neutralität und der an sich durchaus billigenswerten Tendenz, ein an Körper, Geist und Willen starkes und gesundes jüdisches Geschlecht heranzubilden! Zwar wird von der Leitung der Blau-Weiß- Bünde mit pathetischen Erklärungen nicht gespart, daß der Wanderbund Blau-Weiß nicht zionistisch sei und keinen parteipolitischen Zwecken diene) daß jede politische Beinfluffung von den Wanderern ferngehalten werde) daß allen Führern direkte oder indirekte zionistische Propaganda streng untersagt (!) sei! Aber der Blau-Weiß- Bund „wählt seine Führer aus der zionistischen Jugend", denn — wie Rosenblüth ausführte — der Zionismus „braucht Jugendvereine, die ausschließlich (!) von Zionisten oder Nationaljuden geleitet, innerlich nichtzionistisch, jedoch bewußt jüdisch sind." Die vielgerühmte Neutralität im Blau-Weiß-Bund geht also in Wirklichkeit dahin, daß beispielsweise aus dem deutschvaterländischen Boden des K. C. stehende Jungens bestenfalls mit wandern, aber nicht mit führen dürfen, bevor sie nicht aufs zionistische Dogma schwören! Wahrscheinlich unterhalten sich dann diese zionistischen oder nationaljüdischen Führer selbst wenn sie — wie es der Breslauer Blau-Weiß-Bund getan hat — zum zionistischen Delegiertentag wandern, mit ihren Zöglingen ausschließlich über das Wetter und ähnliche charakterbildende Dinge! Aber man weiß schon, wie man den Pelz zu waschen hat, ohne ihn naß zu machen: Zwar Agitation und Propaganda wird nicht getrieben, aber über die brennendsten jüdischen Fragen, und dazu gehört der Zionismus, zu sprechen und zu diskutieren, das ist natürlich nicht verboten und kann selbstverständlich auch gar nicht verboten werden! Was aber bei solchen Unterhaltungen des erfahrenen Führers mit den jungen unerfahrenen Wanderern, die jedes Wort als eine Offenbarung verschlingen, herauskommen muß, das bedarf keiner weiteren Ausführung. Solange man nur Zionisten und Nationaljuden ofe Führer zuläßt, kann man bei dem Verbot von Agitation und Propaganda ruhig schlafen: „Wenn Zionisten nichtzionistische Jugendvereine leiten, so ist - nach einem Ausspruch Rosenblüths — der Erfolg eine Umwälzung der menschlichen und jüdischen Gesinnung der Juden." Die Neutralität ist weiter nichts als das Aushängeschild, deffen man nicht entraten kann, um die jüdische Jugend anzulocken) hat man sie erst im Blau-Weiß, so ist man seiner Sache sicher. Das ist eine Verlogenheit, die zu geißeln kein Wort scharf genug ist und die allein schon Grund ist, den Blau-Weiß-Bund aufs schärfte zu bekämpfen. Also zum mindesten entfalte man doch offen das zionistische Panier! Dann wäre doch wenigstens nur darüber zu streiten, ob die Ziele