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KC-Blätter · 1914-08-01 · Heft 11-12 (1.8.1914) · p. Seite 239

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 11-12 (1.8.1914)
Date
1914-08-01
Page
Seite 239 (sequence 11)
Language
German
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239 noch nicht in Deutschland wohnten und daß auch heute noch eine Vermischung dem Blute nach im wesentlichen nicht eingetreten ist. Von diesen Gesichtspunkten aus, deren Unerheblichkeit keinem unbefangenen Beurteiler zweifelhaft ist, werden dann die deutschen Juden einfach zu Nichtdeutschen gestempelt, die in dem „aus dem Tiefsten deutschen Wesens hervorgegangenen" Wandervogel nichts zu suchen haben! Nun brauchen wir zwar auch vor diesen kryp toantisemitischen Angriffen noch nicht das Feld zu räumen, aber was sie so besonders gefährlich macht, ist, daß sie ihre Hauptwaffen geradeswegs aus der nationalistischen Schmiede unserer zionistischen Glaubensgenossen beziehennatürlich segeln dann die Zitate aus nationaljüdischen Schriftstellern die so herrlich in ihren Kram passen, unter jüdischer Flagge schlechthin in die antisemitische Welt hinaus. Vor mir liegt ein Leitartikel der Deutschen Tageszeitung, der an die Wandervogeldebatte im preußischen Abgeordnetenhause anknüpfend, dem fortschrittlichen Redner gegenüber den asemitischen Standpunkt verteidigt. Der Verfasser, Rechtsanwalt Böttger-Buttstaedt, der sich übrigens einer anerkennenswerten Sachlichkeit befleißigt, zitiert mit Behagen einen Aussatz, den die Jüdische Rundschau an leitender Stelle* veröffentlicht, und da steht es allerdings schwarz auf weiß, man habe es ja schon immer gesagt, die Juden gehörten nicht in den Deutschen Wandervogel, sondern in den jüdischen Wanoerbund Blau- Weiß, den man geschaffen habe, „nicht weil der Wandervogel antisemitisch war, sondern eher weil er nicht antisemitisch war, um das jüdische Gemeinschastsbewußtsein in den Kindern frühzeitig zu erwecken und nicht in fremder (!) Umgebung verkümmern zu lassen." Da heißt es weiter zutreffend, daß im jüdischen Wanderbund „die Kinder zu Menschen erzogen werden sollen, die fest zu ihrer nationalen Gemeinschaft halten" und wenn Böttger annimmt, daß unter dieser nationalen Gemeinschaft die jüdische gemeint sei, so ist das unzweifelhaft richtig. Nun aber hat's Böttger leicht mit seiner Argumentation: Wenn also schon zu Zeiten, als von Antisemitismus im Wandervogel noch keine Rede war, die Juden selbst es sagten, der Wandervogel sei für ihre Kinder eine fremde Umgebung, wie will man es dann dem Wandervogel verdenken, wenn er auch seinerseits die jüdischen Kinder als „Fremdkörper betrachtet? Diese Logik würde, wenn der Ausgangspunkt richtig wäre, schlechterdings unangreifbar sein. Ällan kann es Böttger auch von seinem Standpunkt aus garnicht verdenken, daß er sich seine *) Nr. 43 vom 22. Oktober 1913. besten Argumente aus dem jüdischen Lager selbst holt, zumal sein Kronzeuge Felix Rvsenblüth Herausgeber und verantwortlicher Redakteur des Bundesorgans der Blau-Weiß-Blätter ist, also immerhin an hervorragender Stelle steht. Freilich, hätte Böttger gewußt, daß der Blau- Weiß-Bund mit seiner nationalistischen Tendenz nichts anderes als eine kryptozionistische Gründung ist, so würde es die politische Ehrlichkeit erfordert haben, bei seiner Polemik zu bemerken, daß der Standpunkt des Blau-Weiß-Bundes und seines Leiters als der einer nationalistischen und zionistischen Organisation nur von einer hoffnungslosen Minderheit der deutschen Juden geteilt, aber gerade von jenen jüdischen Kreisen bekämpft werde, die sich das Recht, Deutschland als ihr Vaterland zu betrachten und darum ihre Kinder in einen deutschen Wandervogel zu schicken, nicht verkümmern lassen wollen. Aber da heißt's ja ausdrücklich in dem von Böttger zitierten Aufsatz der „Jüdischen Rundschau", daß der Blau- Weiß-Bund eine Jugendgruppe sei, in der keine zionistische Propaganda getrieben werden dürfe! Kann man es da einem nach sachlichen Gründen für . feinen asemitischen Standpunkt Suchenden verargen, wenn er solche Aeußerungen aus solchem Munde das deutsche Judentum schlechthin entgelten läßt! Nun ist es gewiß nicht Aufgabe dieser Blättter, ohne Not eine jüdische Gründung wie den Blau- Weiß-Bund anzugreifen, aber wenn uns in unserem Abwehrkampfe gegen antisemitische und asemitische Uebergriffe solcher Gestalt Waffen entgegcngeschleudert werden, die nicht vor uns, sondern in unserem Rücken geschmiedet worden sind, so ist es Pflicht der Selbsterhaltung, auch einmal Kehrt zu machen und recht kräftig von solchen Organisationen abzurücken, die helfen, Wasser auf die antisemitischen Mühlen zu liefern. Freilich die Gründung rein jüdischer Wanderbünde an sich wird uns K. C.er niemals zu einer prinzipiellen Gegnerschaft veranlassen können, sobald sie infolge eines allgemeinen Ausschluffes der Juden aus den „interkonfessionellen" Verbänden zur Notwendigkeit werden. Haben wir doch selbst aus der Tatsache unseres vollständigen Ausschlusses aus den christlichen Studentenverbünden die logische Folgerung des Zusammenschlusses in exklusiv-jüdischen Verbindungen gezogen. Ein ähnlicher Zustand ist aber in der Schülerwanderbewegung noch nicht eingetreten, daher müssen wir die Gründung rein jüdischer Wanderbünde wenigstens als zur Zeit verfehlt betrachten. Ich sagte schon eingangs, daß die Bewegung im Wandervogel noch keineswegs als abgeschloffen gelten kann, es macht sich auch in christlichen Kreisen eine energische Opposition gegen den auf derFrankfurterTagung desWander-

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