KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 238 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Mit dem Nachlassen des schweren .Kampfes nach außen wurden daun die Kräfte frei, die nun der positiven Betätigung treuer Anhänglichkeit zum Judentum gewidmet werden konnten, Ich denke hierbei nicht allein an die intensive Beschäftigung der jungen Aktiven mit jüdischen Dingen, jüdischer Geschichte und Literatur sowie vor allem mit innerjüdischen Fragen, als vielmehr an die gewissenhafte und erfolgreiche Mitarbeit der inzwischen zu Amt und Würden gekommenen Mitbegründer an andern großen jüdischen Vereinen, Verbänden und Unternehumngen. Gerade dieser Außenarbeit der Aelteren ist es wohl zu danken, daß man allmählich auch außerhalb unseres Verbandes auf unser zielbewußtes Wirken aufmerksam geworden ist und uns jetzt in immer weiteren Kreisen Interesse entgegenbringt, Unterstützung zusagt und bereitwilligst gewährt. Gerade auch in der jüngsten Zeit, die im Zeichen der Abwehr chauvinistisch-jüdischnationalerUebergriffe steht, bat man uns als beachtenswerten Bundesgenossen, als wichtigen Vortrupp schätzen' gelernt, der nicht zu entbehren ist, wo es den Kleinkrieg gilt gegen das chauvinistische Wühlen in den Kreisen der jüngsten jüdischen Akademiker. Man hat eben erkannt,' daß man uns lange Zeit zu Unrecht ignorierte, und das sich glücklicherweise mehrende Interesse mag uns für frühere bittere Enttäuschungen entschädigen! So etwa liegen die Dinge, wenn wir uns jetzt anschicken, zu Beginn des kommenden Semesters das 20. Stiftungsfest der Sprevia feierlich zu begehen. 20 Jahre! An' sich eine kurze Spanne Zeit für eine studentische Korporation, und doch für die unsrige eine so inhaltreiche, bedeutungsvolle: ein waghalsiges Experiment — nicht anders kann man es bezeichnen — ist glänzend geglückttrotz mancher Mißerfolge, trotz zahlreicher Widerstände von innen und außen haben wir zäh durchg ehaltenaus einem Häuschen Mutiger ist eine große geschlossene Menge geworden, vom Feind geachtet, vom Freund geschätzt und geliebt, ein wichtiges Glied in dem großartigen Gefüge unseres K. E.! Kein rauschendes Siegessest soll es werden, keine ausgelassene Freudenfeier, aber ein würdiges Gedenken der Vergangenheit, ein Dank für jene Vorkämpfer, die unserer akademischen Freiheit die Gasse gebahnt, eine Mahnung an unsere Aktivitas, die jetzt im Kampfe steht, ein Weckruf endlich, bestimmt sürdie Heranwachsenden Generationen, nicht auszuruhen, sondern weiterzu bauen, weiter zu kämpfen: „Furchtlos und treu!" Der Mische wan-erbund ..vlauweitz". Bon Nechtsmnvalt Ludwig Mayer sLicariae, Rheuo- Silcsia), Essen. Die traurigen Vorgänge im „Wandervogel, E. V." werden noch lange im Vordergründe des Interesses stehen, das die deutsche Judenfrage beanspruchen darf. Noch wogt herüber und hinüber der Streit der Meinungen über die bekannte Frankfurter Resolution, und wenn die Bundesleitung des Wandervogels geglaubt haben sollte, mit je einer Vorbeugung vor dem Neutralitätsprinzip „einerseits" und den Forderungen der „Hammer"leute „andererseits" den Sturm beschwichtigen zu können, so wird sie in der Zwischenzeit wohl eingesehen haben, daß mit solchen lendenlahmen und unaufrichtigen Erklärungen keine Ruhe zu schaffen ist. Der Kampf wird weitergehen, bis entschieden ist, ob die Zugehörigkeit zum Judentum an und für sich einen Grund bilden darf, die Aufnahme in den Wandervogel abzulehnen oder ob lediglich die persönliche Eignung in Betracht gezogen werden darf, (und daß sich au ch einzelne jüdische Schüler nicht zu Wandervögeln eignen, ist von jüdischer Seite noch nie bestritten worden). Diesen Kampf bis zum bitteren Ende öurchzufechten ist für uns um so mehr eine selbstverständliche Notwendigkeit, als für den politischen Antisemitismus eine neue Blüteperiode herausziehen muß, wenn es ihm gelingt, den Wandervogel zu einem antisemitischen Vortrupp zu machen und sich damit die Jugend zu sichern. Dabei ist das widerliche Geschimpfe der „Hammer"-Flugblätter und ihres Anhangs nicht einmal die größte Gefahr, denn dieses Treiben fordert mit Notwendigkeit den Widerspruch aller anständigen Christen heraus, wie denn auch bei der Wandervogeldebatte im Abgeordnetenhause der fortschrittliche Abgeordnete Landgerichtsdirektor K a n z o w mit' seiner Brandmarkung dieser Pöbeleien den Beifall des ganzen Hauses bis tief in die Reihen der Konservativen fand, eine im preußischen Abgeordnetenhause nicht sehr häufige Erscheinung. Weit gefährlicher dagegen sind die Bestrebungen jener wohl mehr alldeutschen Kreise, die nicht von Haus aus alles Unheil in der Welt nur von den Juden herrühren lassen, sondern, von einer höchst fragwürdigen Rassentheorie ausgehend, den rein deutschen Charakter der Wandervogelbewegung betonen und im Juden in der Hauptsache mehr den Nichtdeutschen erblicken. Nun läßt sich ja nicht bestreiten, daß es einmal eine Zeit gegeben hat, zu der unsere Vorfahren