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KC-Blätter · 1914-08-01 · Heft 11-12 (1.8.1914) · p. Seite 237

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 11-12 (1.8.1914)
Date
1914-08-01
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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»WMMMWML,,,,« .........-«^»h m.-lur».......LT—..^.a.MW.l.H.nmr M'f 237 „furchtlos und treu" 20 Jahre Sprevia. (Ein Vorwort von Dr. Fritz Rahmer, Spreviae.) Als sich nach dem bewunderungswürdigen Vorbild der kühnen Breslauer Viadrinen und Heidelberger Badenen auch in Berlin junge jüdische Studenten zusammentaten, um in vollster Oeffentlichkeit einen ihnen ausgedrängten schweren Kampf mutvoll aufzunehmen und durchzufechten, da wühlten sie als Losungswort den selbstbewußten, kernigen Wappenspruch „Furchtlos und treu". Kein ander Wort wohl konnte in dieser Kürze und Schärfe zum Ausdruck bringen, was damals dem kleinen Häuflein trotziger Kämpfer als Ideal für sich und alle kommenden Generationen vorschwebte: das unerschrockene sieghafte Durchführen des Emanzipationskampfes an Deutschlands bedeutendster Hochschule und gleichzeitig ein bewußtes Zusammenhalten aller dieser Freiheitskämpfer in unveränderlicher Treue und Liebe zum angestammten Judentum. Es wird dem jungen K. C.er und auch der großen Mehrzahl aller Außenstehenden, die der Beschäftigung mit diesen Fragen ihre Zeit erst in einen/ Augenblick zu widmen begonnen haben, als der schwerste Kampf bereits entschieden war, nicht leicht fallen, die historische Bedeutung dieser Tat gebührend einzuschätzen, weil hierzu eine genaue Vertrautheit mit denjenigen Zeitverhältnissen nottut, unter denen die ersten Spreven ihr mutiges Werk begannen. Man stelle sich nur vor: der Eintritt eines jüdischen Studenten in einen Universitätshörsaal wird von den Kommilitonen mit lauten Hephep-Rufen begleitet, auf den Korridoren, in den Gartengängen werden jüdische Studenten grundlos mit antisemitischen Schmähworten überschüttet, in zahlreichen akademischen Bierhallen und andern Lokalen wird ihre Anwesenheit von den Andersgläubigen nicht geduldet, und ihr Abzug — nötigenfalls auch mit Brachialgewalt — erzwungen! Man wird alsdann ermessen können, daß doch ein gut Teil Furchtlosigkeit dazu gehörte, um diesem ebenso übermütigen wie feigen Treiben einer gewaltigen Uebermacht unerschrocken entgegenzutreten. Man vergegenwärtige sich weiterhin: die Zeit der Maffentaufen in den sog. gebildeten Berliner Kreisen, im übrigen zum mindesten Indifferenz, wenn nicht gar Angst, vom Judentum zu sprechen und sich mit ihm zu beschäftigen — und demgegenüber als gleichwertiger Programmpunkt einer neugegründeten Gemeinschaft die bewußte Treue zum Judentum! Sollte man da nicht meinen, daß schon die Auffteüung dieses Programms der jungen Mannschaft die Sympathien aller jüdischen Akademiker und darüber hinaus der gesamten jüdischen Philisterschaft hätte zusühren müssen? Weit gefehlt: lange, lange Jahre blieb man bewußt' abseits stehen, verfolgte unsere Bestrebungen bestenfalls mit platonischem Interesse, versagte uns jedoch jegliche tätige Unterstützung und jedwede, auch die geringste Anerkennung. „Die Philister sind uns gewogen meist, sie ahnen im Burschen, was Freiheit heißt!": auf das Verhältnis der Berliner Philisterschaft zur Sprevia paßte dieses Wort fast ein Jahrzehnt hindurch keineswegs. Keine K. C.-Korporation hat so schwer um die Gunst der sie umgebenden jüdischen bürgerlichen Kreise ringen müssen wie gerade die Sprevia in Berlin. Es wäre aber einseitig, wollte man diese eigenartige Erscheinung lediglich dem einenTeile zur Last legen, ohne zu prüfen, ob sie nicht auch aus den besonders eigentümlichen Verhältnissen unserer Berliner Korporation heraus zu erklären war. Gewiß: es mag viele, die nicht so mitten in der Bewegung standen, abgestoßen haben, wenn sie von den zunächst fast alltäglich wiederkehrenden, später dann wohl an Zahl, nicht aber an Intensität nachlaffenden Zusammenstößen und heftigen Rencontres zwischen den jungen Kämpfern und ihren nur an Zahl überlegenen Gegnern hörten, wenn bekannt wurde, daß keine Berliner Korporation in einem Jahre auch nur annähernd soviele schwere Säbelmensuren auszufechten hatte wie die noch kleine Sprevia in jedem ihrer ersten Semester! In manchen Kreisen verübelte man es auch zunächst den Aktiven, daß sie sich nicht an allen geselligen Veranstaltungen der Philisterschaft ebenso hervorragend beteiligten wie andereKouleurstudenten, daß sie gewiffermaßen ihren Nebenberuf als „Tanzstudenten" verfehlten! .Wer so dachte, wußte eben nicht, wie alle Kräfte der ersten Generationen aufs äußerste durch schwerste körperliche Anstrengungen angespannt waren, und daß in diesen Kampfjahren der Spreven Sinn nur auf ein Ziel gerichtet war: Auf jeden Schelmen anderthalbe! Glücklicherweise sind diese Zeiten nun vorüber: wir leben im akademischen Berlin unter ungleich geordneteren Verhältnissen, und wenn es auch hie und da einmal noch zu einem kleinen antisemitischen Zusammenstoß kommt, so beweist doch gerade die Seltenheit solcher Vorfälle, daß nach dieser Richtung hin das Wirken unserer Korporation nicht vergebens war. Daß heute unsere jungen Füchse unbehelligt trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Kouleur an allen Vorlesungen, allen studenttschen Veranstaltungen teilnehmen können und stets mit großer Korrektheit von den Kommilitonen behandelt werden, ist das Verdienst der alten Spreven.

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