KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 234 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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234 mit $ubcn zusammen sein, von denen sie spüren, daß sie kein Verständnis haben für die Reichtümer ihrer Seele, die glücksfrohe Kraft ihres Blutes.") all das zeugt von einem außerordentlich wortreichen Radikalismus, der sich allerdings auf wörtliche und papierne Kundgebungen beschränkt, ohne selbst dem aufgerichteten Ideal den Versuch der Umsetzung in die Wirklichteit folgen zu lassen. Friedemann konnte darum nach dem Kongreß mit Recht schreiben: „Ich merke aber nichts von dem starken Auswanderungstriebe und nichts von tatsächlichen hebräischen Kulturstreben und frage wieder: warum gehen nur bloß die Verteidiger der Posener Resolution nicht sogleich hinüber nach Palästina? Warum verstanden sie noch nach Jahren nichts von der hebräischen Rede des Herrn Struck und vertrösteten auf eine ferne Zukunft? Das scheint mir ein Bankerott zu sein, nicht aber die klare Erkenntnis der Tatsachen. Ich höre immer nur Forderungen, die man an Andere stellt und denen man selbst nicht nachkommt. Nach dem LeipzigerKongreß müssen die Freunde Friedemanns ihr Recht im Zionismus zu behaupten versuchen. „Ist es nicht grotesk, schreibt G ro nemannn, daß Oppenheimer erst noch sein Recht auf einen Platz in unseren Reihen begründen muß?" Welches wird die weitere Entwicklung hier sein? Das Basler. Programm, für viele Zionisten in der Zeit unserer Studentenjahre ein Maximalprogramm, das sie nicht in allen ihren Teilen glaubten anerkennen zu müssen, um doch Zionisten sein zu können, ist heute zum Minimalprogramm geworden. Seine vollkommene Anerkennung genügt der radikalen Richtung, die in Leipzig die herrschende gewesen ist, nicht einmal. Man hat sich dort und in den letzten Jahren überhaupt in einen Wust von Radikalismus hineingeredet, der kaum noch überboten werden kann, der aber überall dort, wo es sich um praktische Betätigungen handelt, ohne weiteres versagen muß. So ist denn auch in der Frage der Jugendorganisation ein Beschluß zustande gekommen/ der sich mit dem so stark vertretenen Radikalismus nicht leicht in Einklang bringen läßt. Einig ist der Kongreß darüber gewesen, daß die Zionisten zunächst in den bestehenden und noch zu gründenden zionistischen und nationaljüdischen Jugendvereinen aktiv mitzuarbeiten haben und der Antrag Goslar, der auf dem Kongreß zur Annahme gekommen ist, stellt denn auch diese Betätigung'in den zionistischen Jugendorganisationen in den Vordergrund. Die weitere Frage des Verhaltens gegenüber den neutralen Jugendorganisationen bleibt demnach eigentlich nur eine Frage untergeordneter Bedeutung, da naturgemäß durch die grundlegende Meinungsäußerung, des Kongresses zunächst alle verfügbaren Kräfte in möglichst weitgehender Weise für die zionistische Jugendarbeit in Anspruch genommen werden. Aber der radikale Antrag Kattowitz, wodurch die Mitarbeit an nicht national-jüdischen Jugendvereinen für die Zionisten nicht statthaft sein sollte, ist gegenüber dem Antrag Goslar, der die Mitarbeit und die Mitgliedschaft in andern Jugendorganisationen freistellt, unterlegen. Die Resolution Goslar ist mit 49 gegen 39 Stimmen angenommen worden. Freilich scheint es, als ob damit das letzte Wort in der Frage der Betätigung in nicht national-jüdischen Organisationen noch nicht gesprochen ist. Wo alles so sehr nach Zion drangt, mußte der Betrachtung des Palästinawerkes ein erheblicher Raum gegönnt werden, und auch für den Nichtzionisten stellt das sehr ausführliche Referat, das Leo Motzkin über „Das neue jüdische Leben in Palästina" erstattet hat, eine interessante Arbeit dar. Motzkin war bereits vor 16 Jahren in Palästina, und er berichtet über den Abstand und den Aufschwung, der in den Verhältnissen seit 16 Jahren eingetreten sei. Sein Referat ist für einen zionistischen Kongreß erstattet. Das gibt ihm von vorneherein eine gewifseTendenz, die sich in breiter Betrachtung des Erreichten auslädt; aber wohltuend berührt die wenn auch mitunter recht versteckte Krittk und das nicht geringe Maß von Skeptizismus, mit dem Motzkin das Werk der Zionisten und Nichtzionisten in Palästtna betrachtet. Klarer eigentlich, als irgend ein Gegner es könnte, geht aus den Zahlen, die Motzkin übermittelt, hervor, daß Palästina nie eine Lösung der gesamten Judensrage.darstellen wird, ja daß in absehbarer Zeit, nicht einmal für einen irgendwie erheblichen Bruchteil auch nur der östlichen Judenheit, Palästina als glückbringende Lösung erachtet werden kann. Von den Beschränkungen, die dem Eintritt von ausländischen Juden ins Land durch die Forderung der roten Karte bisher auferlegt waren, behauptet Motzkin, daß sie seit ganz krrzer Zeit nicht mehr existieren. Dagegen ist die schwierige Frage des Bodenerwerbs offenbar heute noch nicht zu einer für die Juden akzeptablen Lösung gelangt. Administrative Schwierigkeiten bestehen auch heute noch und der Bau von Häusern ist nach Motzkin auch jetzt noch mit allerlei Erschwerungen verbunden. 53000da des palästtnensifchen Bodens sind nunmehr in jüdischen Händen, eine an sich überaus bescheidene Zahl. Das Gebiet der Hansastadt Hamburg mit 41300 da ist beinahe so groß und das Fürstentum Schwarzburg - Sondershausen mit 86200 da und 89000 Einwohnern stellt schon ein weit größeres Territorium dar. Dabei muß man sich vergegenwärttgen, daß die Zahl der Juden mit 12 */* Millionen sicher nicht zu hoch