KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 232 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2268830-2268874-2268886--1256-3522966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
232 gehabt, auch logischer Weise nicht mehr haben können. Schon iu den Vorgefechten, die in der offiziellen zionistischen Presse vor der Leipziger Tagung anhoben, war das n ationale Moment immer stärker heroorgetreten. Am 15. Mai hat in der jüdischen Rundschau Feuerring ausgesührt: „Zwei Momente kennzeichneten die Beratungen und Beschlüsse der Posener Tagung: Die starke Unterstreichung des nationalen Charakters unserer Beroegung, dessen klare, unverfälschte und vor keiner schwächlichen Rücksicht zurückschreckende Hervorhebung auch ganz besonders m der Propaganda gefordert,! und die Betonung der persönlichen Beziehungen zu Palästina, die vom einzelnen Zionisten verlangt wurde." Und als die Ausgabe des Leipziger Delegiertentags hatte der Verfasser, dort vor allem die erneute Festlegung der unbedingten nationalen Grundla ge der zionistischenOrganisionen sestgelegt. „Der Radikalismus nach Gesinnung und Inhalt, schrieb Nathan in derselben Zeitschrift am 29.Mai, „ist heute Gemeingut aller Zionisten geworden." Auf dem Kongreß selbst mußte freilich Hantke, der Radikalist von 1912, erfahren, daß mit dem Franzosen: "ou est toujours le r6actionaire ue quelqufmi“; denn schon der zweite Redner, Wiener, erklärte, daß ihm die Stellung des Aktionskomitees bei weitem nicht radikal genug sei. Der Versuch Klees, festzustellen, daß es heute im Zionismus keine Parteien gebe, die sich bekämpfen, sondern daß dieser eine geschlossene Phalanx darstelle, Ist dann durch die Debatte arg widerlegt wordenin ihr haben Adolf Friedemann und Franz Oppenheimer den Standpunkt des älteren, deutscheren Z ion is mus noch einmal hervorgehoben. Aber rvas sie gesagt haben, klang wie ein Abgesang, wie das Lied sterbender Schwäne. Die Ausführungen der beiden Redner sind gerade vom Standpunkt des K. C. aus wichtig genug, um rvenigstens einiges aus den beiden Reden wörtlich wiederzugeben. Dr. Friedemann sagte u. a.: „Meine engeren Gesinnungsgenossen und ich haben sehr lange geschwiegen. Wenn wir das heute nicht mehr können, ivenn wir mit unseren besonderen Forderungen und Bedenken hervortreten, so ist das rvahrlich nicht unsere Schuld. Es ist vielmehr die Schuld unserer Parteipresse und unserer offiziellen Agitatoren. Immer schärfer wird die Tonart, in der man Radrtalismus predigt... Aber kehren »vir zur' Frage der nationalistischen Ausbildung zurück. Wir versta»»den darunter iu früherer Zeit: Pflege des Z»lsamrne,»gehörigkeitsgefühlS, des Bewußtfeins, daß daß das Blut dicker ist als Wasser u»»d »vir deshalv ein gegenseitiges BerpflichtungSgefühl haben sollen. Weiter Pflege unserer ehrenvollen Geschichte ur»d der »»ns überlieferten großen Ideen, Beschäftigung mit der hebräischen Sprache und bas Bestreben, Uns mit der Literatur und den andern Geistesäutzermtgeu der Judenheit betraut zu machen. Wir verda»n»nte»t die Assinlilation in den» Sirrne, daß »vir die Anpassung an Kulturforl»»en bekämpfte»», die mlserer Empfindungsart fremd »oaren... Niemals ab er hat man früher unter Assimilierung verstanden die Aufgabe der großen westlichen Kulturen, in denen wir aufgervachsen sind. Niemals hat inan früher gepredigt, wir sollten hier in der Diaspora bereits die hebräische Kultur als d»e unsrige bettachten. MemalS hat man gefordert, wir sollten u»»ser ganzes Augenmerk auf die Zukunst richten und die Gegenwart vergessen, wie das heute geschieht. Niemals hat man früher gewagt, alle die, weiche aitderer Ansicht sind, als Opportlmisten, würdelose Assimilanten und Gott weiß rvas zu bezeichnen. Gewiß ist eine hebräische Kultur möglich und notlvendig. Aber nur in der Bolksheiuiat. Da soll sie entstehen und da entsteht sie erfreulicherweise. Vielleicht kann man ähnliches auch da anstteben, wo jüdische Massen leben, in Rußland, Galizien, Rumänien. Ich weiß es nicht und bezweifle es auch. Aber vielleicht ist eS nicht ausgeschlossen. Hier in Deutschland ist die Forderung nach jüdisch-nationaler Kultur ein blutloses Ideal, eine leere Abstraktion theoretisierender Gehirne. Wir leben vereinzelt inmitten einer großen Kultur, die n»it der Akuttermilch in unser Wesen übergegangen ist, und körmen nur Kulturdeutsche sein. Goethe, Schiller, Kant sind unsere Erzieher gewesen, und wir könne»» unser Wesen nicht nach Belieben umgestalten. Vermehren wir nicht noch rnrser Unglück durch die Propaganda für ein unmögliches Ziel, das urrs überdies zu völlig gespaltene»» Staturen heranbilden muß... Aber rvie dein auch sei: Wir haben ein Recht, uns . zu verbitten, daß man uns für minderivertig erklärt. Der Weg zum Zionismus »oar und ist gerade für uns mit Dornen gepflastert, »»nd »vir leiden täglich j und freudig für unser Bekenntnis. Das sollte man : anerkennen, statt uns zu schelte»». Wir stehen aujf . dem Boden des Baseler Prograinins, das keinen Kulrurzionisrnus in Deutschlaitd pre-? digt, und das ist ein guter unerschütterlicherRechtsboden." Aus den' warmherzigen Ausführungen des!Or. Franz Oppenheimer sei folgendes wörtlich angegeben: „Als mich Krernenetzkh u»»d OScar Marinorek für den ZionisinuS warben, lehnte ich ab, »veit ich nicht im entfernteste»» dara»» dächte, Deutschland zu verlasse»». Mir wurde daraus erividert, daß dies absolut nicht gefordert rverde. Da»»»» beiniihte sich Herzl selbst, mich zu ge»vinnenich »»»achte feilt Hehl daraus, welche Stellung ich gegenüber den» Zionismus einnehrne, »vorauf mir Herzt sagte: „Sie sind ein guter Zionist", u»»d mir Gelegenheit gab, meine Pläne auf dem L. Zionistenkongretz in Basel zu entwickeln. Der Begründer des politischen ZiomsniuL wird rvohl ge- »vutzt haben, »oas unter Zlvllis»»l»tS zu verstehen rst, und wir sind nicht verpflichtet »ruf einen Zionismus mit neuem Inhalt. Die Posener Resolution verlangt von jeden» Zionisten die Uebersiedlung nach Palästina. Das ist nicht »»«ehr die Pattei, sonder»» die Sekte. Man fordert nicht »»»ehr bestii»iinte Pflichte»» und Handlungen, sondern eine Gesi»»»»u»»g. Eine bestimmte Gesinn»mg vor» r»»ir zu sorderi», hat selbst die größte Pattei kein Stecht. Für »»»ich persönlich ettläre ich hier, daß ich eine Uebersledlung nach Palästina nicht in mein LebenSprogranrm aufgenormne»» habe. Es ist Unduldsamkeit u»»d verlangt den ganzen Menschen ohne Einschrä»»t»»»»g, ivenn mm» fordert, daß ich die Uebersledlung nach Palästina in mein