KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 230 (sequence 2)
- Language
- German
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230 Vielleicht wird uns aber auch die harte Notwendigkeit schon in den nächsten Tagen zwingen, mit den Waffen sür unser Vaterland einzutreten. Alsdann werden wir Juden, wie es unsere Vorfahren in den früheren Kriegen getan haben, in Reih und Glied mit unseren nichtjüdischen Mitbürgern mannhaft für unser geliebtes Vaterland zu fechten, zu bluten und vielleicht zu sterben wissen. Der größte Teil unserer Verbandsbrüder wird mit ins Feld rücken. Nur verhältnismäßig wenigen von ihnen hat man schon in Friedenszeiten gestattet, den Osfiziersrock zu tragen. Viele, die würdig waren, hat man nur für den Ernstfall zu Offizieren bestimmt. Aber diese Zurücksetzungen können unsere von äußeren Vorteilen unabhängige Vaterlandsliebe nicht beeinflußen. Die Taten unserer Vorfahren, die in den frühern Kriegen ruhmvoll mitgefochten und zu Hunderten mit dem Eisernen Kreuz geschmückt in die Heimat zurückkehrten, werden uns ein leuchtendes Vorbild sein. Freudig werden wir für unser Vaterland eintreten, sobald der Ruf' an uns ergeht. Ein jeder wird sein Höchstes daran setzen, als Jude und als Deutscher pro patria. * * * Der Leipziger velegiertentag -er deutschen Zionisten. Bon Di-. Bruno Weil (Licariaei, Straßburg i. Elf. Die deutsche Landsmannschaft der zionistischer^ Gesamtorganisation hält regelmäßig in demjenigen' Jahr, in dem der nur alle zwei Jahre tagende, allgemeine Kongreß nicht stattfinöet, eine Zusammenkunft ab. Die Tagung, die in diesem' Jahr am 14. und 15. Juni in Leipzig stattgehabt hat, stellt in der Geschichte des Zionismus' weder einen Wendepunkt dar, noch hat sie sonstwie grundlegende Aenderungen in Programm und Taktik geschaffendie Bedeutung der deutschen Landsmannschaft sür die gesamte zionistische Bewegung rechtfertigt aber ebenso wie die gerade für den K. C.-er nach mehr als einer Richtung interessanten Ergebnisse trotzdem eine Betrachtung auch in unfern Blättern. Vier Punkte haben im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestanden: Der Kongreß hat die Stellung des Zionismus zu andern jüdischen Organisationen erneut abgegrenzt - ein starker Nachdruck ist auf die Jugendarbeit und ihr Verhältnis zu der anderer jüdischer Jugendvereine gelegt wordendas Palästinawerk hat eine ausgiebige Betrachtung erfahren; und endlich ist die nationale Frage bis in ihre Tiefen behandelt worden, und sie hat den Kongreß in zwei, wenn auch nicht gleich starke Lager geteilt. Fragen der Organisation und Finanzgebarung, die auf dem Wiener Kongreß im vorigen Jahr eine so lebhafte Aussprache hervorgerufen haben, schieden fast völlig aus. Der Leipziger Kongreß ist nur zu verstehen im Zusammenhang mit der Tagung, die vor zwei Jahren in Posen stattsand, und der damals angenommenen Resolution: „In Konsequenz der überragenden Bedeutung der Palästina-Arbeit für die Befreiung der Einzelpersönlichkeit, sowie als Mittel zur Erreichung unseres Endziels, erklärt es der Delegiertentag sür die Pflicht jedes Zionisten — in erster Reihe der wirtschaftlichen Unabhängigen - die Uebersiedlung nach Palästina in ihr Lebensprogramm aufzunehmen. In jedem Falle sollte jeder Zionist für sich persönliche Interessen in Palästina schaffen." Diese Resolution fand außerhalb, aber auch innerhalb des deutschen Zionismus einen starken Widerstand. Diejenigen deutschen Juden, die an sich dem praktischen Zionismus nicht ablehnend gegenüber standen, nach Gefühl und Empfindung sich aber so sehr mit der Heimat verwachsen fühlen, daß die Uebersiedlung nach Palästina oder auch nur das Streben nach einer solchen Uebersiedlung für sie gleichbedeutend mit dem Beginn einer Entwurzelung aus dem heimischen Böden ist, leisteten auch innerhalb des Zionismus Widerstand. Und jene Resolution ist zum Teil die Ursache der schweren Kämpfe gewesen, die dann zwischen den jüdischen Organisationen angehoben haben, und die in der Tätigkeit des antizionistischen Komitees und der bekannten Resolution des Zenträlvereins auf der einen, in leidenschaftlichem Angriff und ebensolcher Abwehr auf der andern Seite Widerhall gefunden haben. Das offizielle Organ der deutschen Zionisten, die „Jüdische Rundschau", gab jener Posener Resolution noch eine verschärfte Formulierung im Epilog zum Delegiertentag. Dort hieß es u. a.: „Unsere utopistische Epoche ist nunmehr gewesen. Der Posener Delegiertentag wollte in vollkommener Einmütigkeit das nationale Moment in den Vordergrund unserer Arbeit gestellt wissen. Zwar stand keine Diskusion über unsere Stellungnahme zu den nichtzionistischen jüdischen Organisationen aus der Tagesordnung, aber gleichwohl gab es dieseDiskussion. Und mit seltener Schärfe wurde von allen Rednern der Standpunkt vertreten, daß alle unsere bisher zuweilen erprobten Kompromisse uns nur kompromittiert haben, daß alle kleinen Erfolge, die wir etwa hie und da erzielt haben, uns nur geschadet haben oderüns schaden müßten. Man nimmt unsere Phraseologie an, aber . nmn verleugnet das Wesentliche unserer Idee. Der