KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 11-12 (1.8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatsschrift der im Kartell-Convent vereinigtenKorporationen Die Zeitschrift erscheint am 1. jedes Monats. Bezugspreis halbjährlich 2Mk. Einzelnummer 50 Ps. Bestellungen übernimmt der Verlag. Preis der Ifach gespaltenen Zeile für Inserate 50 Pf. Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen wird eine Ermäßigung bewMgt. Jilseratenannahme durch den Verlag. „Die Verbindungen im K. C. stehen auf dem Boden deutschvaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewilßten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widerstreben, nehmen die Verbindungen im K.C. keine Stellung." Nr. 11412. 1. August 1914. 4. Jahrgang. Nachdruck unserer Aufsätze, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützte», unter Quellenangabe gestattet. Urieg oder Frieden? Wenn diese Zeilen erscheinen, wird die Frage, die heute alle Gemüter noch so lebhaft erregt, vielleicht schon entschieden sein. Vielleicht ist es dann gelungen, ein Weitergreifen der am Balkan entzündeten Kriegsflamme zu verhüten und den größten Weltbrand, der je die Menschheit bedroht hat, im ersten Aufflackern zu ersticken. Diese weltgeschichtlich so hoch bedeutsamen Tage, welche die tieften Gefühle unseres nationalen Lebens in einer plötzlich erwachenden Begeisterung aufrührten, werden dann in unserem raschlebigen Zeitalter allzu schnell vergessen sein und wiederum den kleinlichen Kämpfen des Alltagslebens Platz machen. Gerade in diesen Blättern haben wir allen Anlaß, einen solchen Höhepunkt unseres nationalen Lebens nicht unbeachtet vorübergehen zu lassen. Treten doch in solchen Zeiten einer spontan ausflackernden Begeisterung die ursprünglichen Empfindungen des Volkes klarer und deutlicher zutage, als es sonst der Fall ist, wo tönende Phrasen und eine künstliche Stimmungsmache die wirklichen Volksempfindungen nur allzu sehr färben und verfälschen. Gerade jene spontanen Gefühlsausbrüche ließen deutlich das klare Bewußtsein der Einheit und den festen Willen zur Einigkeit unseres Volkes zutage treten, welche die Grundlage des nationalen Lebens bilden. Dieses Gefühl verband Juden wie Nichtjuden. Ein jeder fühlte sich dem andern näher verwandt durch die Gemeinschaft des Wollens. Nichts unterschied in diesen nationalen Eurpfindungen die einen von den anderen. Alle jene törichten Theorien, welche uns wegen der Verschiedenheit der Rassenabstammung ein deutschnationales Empfinden absprechen wollen, welche künstlich ein „Fremdgefühl" konstruieren oder sich auch suggerieren, das angeblich Juden und NichHuden von einander trenne, alle jene grauen Theorien, die immer wieder von Antisemiten und —leider— auch von Nationaljuden vorgetragen werden, sie sind an den" Erfahrungen gescheitert, die uns diese Stunden des Hochstandes unseres nationalen Lebens gelehrt haben. Ebenso wenig, wie man in den großen Kriegen des vorigen Jahrhunderts nach dem Glauben und der Abstammung des anderen fragte, wie Christ und Jude unterschiedslos Schulter an Schulter nebeneinander kämpften, ebenso fühlte man sich auch in diesen Tagen national verbunden mit denen, die auf Grund der Gemeinschaft des Vaterlandes für dessen Ehre und Macht einzutreten gewillt waren. Und auch diejenigen unserer Glaubensgenossen, welche durch jene Rassentheorien oder durch die antisemitische Strömung verwirrt, selbst an ihrem Deutschtum zu zweifeln begonnen haben, auch sie werden in diesen Tagen klar empfunden haben, wohin sie gehören. Auch sie werden gefühlt haben, wie innig sie mit dem deutschen Volke, mit deutscher Kultur und unserer deutschen Heimat verwachsen sind, und trotz aller gekünstelten Konstruktionen wird sich auch ihnen die Liebe zu ihrem Vaterlande geosfenbart haben, die unabhängig ist von allen Rassentheorien und von „Hedad"-Begeisterung.