KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 10 (1.7.1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 222 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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222 in den Vereinigten Staaten von Nordamerika erforderlich waren.' Sind doch für das Ansiedelungswerk in den Vereinigten Staaten von Nordainerika von den Wohltätigkeitsorganisationen nach Mitteilungen der Jca* *) nur etwa2700000M. aufgewandt' worden. Friedemann bestreitet ferner dieRichtigkeit meines Zitats der Ausführungen K a n n s üuf dem letzten Zionistenkongreß. Hätte er sich die Mühe gegebenselbst diese Ausführungen nachzulesen/so würde er gesehen haben, daß mein Zitat vollständigstimmt. Nach dem stenographischen Protokoll sS. 230) lauteten die Ausführungen wie folgt: „Und wenn ich gekämpft habe und noch kämpfe, dann ist es gegen den Geist von Unaufrichtigkeit,vo »Vertuschung pon Tatsachen, von Schönfärberei die uns manchmal aus den Mitteilungen der Leitung, aus den Arttkeln der „Welt" und sogar aus den Berichten von Dr. Ruppin entgegenkommt. Dieses ist das System unserer Praktischen, vieles zu gleicher Zeit zu unternehmen, ohne ordentliche Vorbereitung, ohne gutes Personal, und die Folgen sind Mißwirtschaft, Schönfärberei und Unaufrichtigkeit." - Uebrigens ist die Ansicht anderer hervorragender Zionisten über die Ehrlichkeit zionistischer Berichterstattung keine bessere. Fast übereinstimmend mit Kann sagte Max Nordau: *) „Dieser Mangel an Aufrichtigkeit, dem wir auf allen Gebieten begegnen, ist die schlimmste Erscheinung unter der jetzigen Leitung." Dr. Marmorek warf der „Welt" vor, sie suche immer einen günsttgen Eindruck hervprzurufen; man schaffe so eine Atmosphäre von Unwahrhastigkeit. 2) Ebenso hat Wolfssohn auf dem letzten Zionistenkongreß 3) die Mitteilung salscherZahlen rügen müssen, während sich Adolf Friedmann 4) gegen die „schandbare Kritik" der „Welt" wenden mußte. Gerade gegenüber dieser systemattschen Schönfärberei von zionistischer Seite war es eine Notwendigkeit, auf Grund objektiver Tatsachen die wahren Verhältnisse zu schildern. Mancher, der meinen ersten Artikel, der charakteristischerweise von der zionistischen Presse totgeschwiegen wird, gelesen hat, wird vielleicht unter dem Einfluß der zionistischen Schönfärberei meinen Ausführungen mit gewissen Zweifeln gegenüber getreten sein. Umsomehr freue ich mich, daß die Erwiderungen mir Gelegenheit geboten haben, meine Behauptungen noch eingehender *) Vergl. Rapport de l’administration centrale 1913S.91 *) Vergl. die „Welt" vom 3. April 1914. s) Vergl. Sten. Protokoll S. 139. Y Vergl. Sten. Protokoll S. 169. zu begründen, und zu zeigen, daß -sie den zionisttschen Einwendungen durchaus Stand halten. - Durch meine eingehenden Quellenangaben wird es für jeden ein Leichtes fein/ die Tatsachen nachzuprüfen und sich von der Zuverlässigkeit meiner Angaben zu überzeugen.' Den Kern meiner Darlegung haben übrigens weder Marx noch Friedemann berührt. Es kam mir darauf an, nachzuweisen, daß die Kolonisation in anderen Ländern wesentlich leichter, ist, als gerade in Palästina und daß es aus diesem Grunde ausgeschlossen eiffcheint, die Judenfrage durch äie Palästinakolonisation der Lösung näherzubringen. Einer der besten Kenner der jüdischen Palästinakolonisation, der Zionist Nawratzky, hat auf dem Leipziger Delegiertentag der deutschen Zionisten x) meine Darlegung vollends bestätigt. Er führte aus: „Es ist ein Fehler fast aller Zionisten, daß sie glauben, in Palästina lasse sich alles kolonisatorisch noch einmal so schnell machen, wie in anderen Ländern. Gerade in Palästina sind die Schwierigkeiten der Kolonisation viel größer als wie in anderen Ländern. Es müssen hohe Abgaben an das Staatswesen gemacht werden, ohne daß man dafür eine Gegenleistung ftir die Erhalttmg der notwendigen gemeinsamen kommunalen Institutionen erhält. Sogar für das wichtigste, was die Kolonie braucht, nämlich den gemeinsamen Schutz, muß sie selbst auskomm en." Wer aus religiösen oder aus nationalen Gründen die Ansiedlung von Juden in Palästina fördern will, mag es ungehindert tun. Gegen diese Bestrebungen waren meine Ausführungen nicht gerichtet. Dagegen mußte ich mich aber mit aller Entschiedenheit dagegen wenden, daß die Palästinaarbeit als das Endziel aller jüdischen Hilfstätigkeit hingestellt wird. Das Land ist uns heilig durch seine Vergangenheit. Wer aber für die Zukunft arbeiten will, der muß zunächst an die Menschen und nicht an das Land denken. Viel viel wichtiger als die Palästinakolonisation, die noch nicht 2% der Auswanderer zugute kommt, ist die Arbeit für die übrigen 98°/« der Auswanderer und insbesondere die Tätigkeit für die viel größeren Massenwelche dauernd in ihren jetzigen Wohnsitzen verbleiben werden. Insbesondere mußte ich mich dagegen wenden, daß man, wie es in der Resolution des zionistischen Delegiertentages in Posen geschehen istdeutschen Juden die Auswanderung nach Palästina zur Pflicht macht und daß man. in einem unglaublichen Unverstand eine Lösung der deutschen Jüdenfrage von der Palästinaarbeit erhoffte *) Vergl. „Jüd. Rundschau,-vom 19. Juni 1914: S.'271.